Eric Lange, Philipp Pohlmann und Frauke Hegemann (Bild: Joonko, Qonto, Comdirect)

Karriere-Watchlist 2021: Auf diese Neustarter schaut die Fintech-Szene

Ein gutes Dutzend Gründer arbeitet zurzeit im Verborgenen an neuen Fintech-Produkten. Wer sind die Kandidaten? Und was haben sie vor? Unsere FinanceFWD-Watchlist für 2021.

Selbst auf dem Karrierenetzwerk Linkedin lässt sich Spannung erzeugen. Zum neuen Trend gehört die Bezeichnung „Founder at FinTech Startup (stealth mode)“. Potentielle Konkurrenten sollen noch nicht wissen, an welchen neuen Ideen die einzelnen Szeneköpfe gerade tüfteln. Zusätzlich befeuert die Geheimniskrämerei das Interesse im eigenen Netzwerk.

Ein beträchtliche Zahl an Fintech-Gründern steht zurzeit in den Startlöchern. Sie haben ihr Digital-Handwerk in Startups wie Raisin, Trade Republic, Barzahlen oder N26 gelernt und wollen nun etwas Eigenes starten. Zusätzlich sind in diesem Jahr eine Reihe an hochkarätigen Managern auf den Markt gekommen, darunter der einstige Digitalchef der Deutschen Bank, Markus Pertlwieser, die bisherige Kontist-Chefin Sibylle Strack oder die ehemalige Comdirect-CEO Frauke Hegemann.

Wo geht es hin? Wer gründet etwas Neues? In unserer Watchlist haben wir die Kandidaten mit einem beruflichen Neustart im kommenden Jahr zusammengetragen – und erste Hinweise auf die neuen Projekte gefunden.

Eric Lange und Carolin Gabor: Die Zukunft nach Joonko

Nach dem überraschenden Ende von Joonko muss sich das Gründerteam neu orientieren. Carolin Gabor, die das Vergleichsportal geleitet hat, schaut sich zurzeit nach neuen Jobs in der Digitalszene um – auch abseits des Company Builders Finleap, wie Finance Forward berichtete. Ihr Mitstreiter Eric Lange hat schon wenige Wochen nach dem Ende ein neues Startup gegründet: Unter Cloe.ai sind bereits erste Hinweise zu finden. Demnach will Lange, der zuvor unter anderem bei Google, Flipkart und Delivery Hero tätig war, einen digitalen Assistenten entwickeln, der bei Autounfällen zum Einsatz kommen kann. Den Bereich kennt er bereits gut: Mit Joonko hat er Kfz-Versicherungen vermittelt.

Momchil Todorov: Erfahrung bei Savedo, Raisin und Coya

Der Neugründer hat gleich drei Berufsstationen in der Berliner Fintech-Szene hinter sich: Bei den Zinsplattformen Savedo und Raisin kümmerte er sich um die Bankpartnerschaften, bevor er als Chief Sales Officer zum Insurtech-Startup Coya wechselte. Nun arbeitet er an einem neuen Startup im „Stealth-Mode“. Auf Linkedin schreibt er, es handle sich um eine „point-of-sale financing solution of a new generation“, mehr Details gibt es noch nicht. Aber die Idee passt zum Markttrend von neuartigen Kreditprodukten.

Sibylle Strack: „Mehrere Eisen im Feuer“

13 Jahre war die Finanzmanagerin beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband, bevor sie den Sprung in die Fintech-Szene wagte und als CEO beim Banking-Fintech Kontist anheuerte. Die Berliner Firma bedient Selbstständige mit ihrer App. Nun steht dort ein Führungswechsel an. Wohin es für Strack geht? Aus der Szene hört man, die Managerin habe bereits „mehrere Eisen im Feuer“.

Philipp Pohlmann: Was macht Weal?

Überraschend war schon nach einem Jahr Schluss beim Business-Banking-Startup Qonto – dort sollte Philipp Pohlmann das Deutschland-Geschäft aufbauen. Nun arbeitet er an einem eigenen Unternehmen. Was Weal macht, ist noch nicht bekannt. Das Fintech soll einen „Social Impact“-Fokus haben. Pohlmann gründet zusammen mit Max Kramer und Hannes Nützmann (beide von BCG Digital Ventures).

Thomas Völker: Der Robo-Experte kommt auf den Markt

Nach einer Beratungskarriere wechselte Thomas Völker erst vor einem Jahr zum Robo-Advisor Moneyfarm und wollte in Deutschland groß durchstarten. Stattdessen zieht sich das Fintech nun aus dem deutschen Markt zurück und fokussiert sich auf Italien und Großbritannien. Völker bleibt noch bis zum Frühjahr bei Moneyfarm. Was dann kommt, weiß er noch nicht.

Frauke Hegemann: „Auf keinen Fall ein Startup“

Sie leitete die Direktbank Comdirect, die mit der Muttergesellschaft Commerzbank verschmolzen wurde: Frauke Hegemann machte bei den beiden Banken Karriere – und wird nun den nächsten Job außerhalb der Commerzbank übernehmen. Noch ist das Ziel unklar. Sie schreibt aber auf Nachfrage: „Es ist auf keinen Fall eine Neugründung oder ein Startup.“

Susanne Krehl: Die Netzwerkerin gründet selbst

Als Kommunikatorin baute Susanne Krehl das Fintech Barzahlen mit auf und leitete zuletzt das Geschäft in Österreich und der Schweiz. Sie ist in der Fintech-Szene exzellent verdrahtet und organisiert den Fintech-Stammtisch. Nach einer Auszeit werkelt sie nun an einem eigenen Fintech-Startup, wieder in Berlin. Details sind noch nicht bekannt.

Markus Pertlwieser: Berater für Startups

Im Frühjahr verließ Digitalchef Markus Pertlwieser die Deutsche Bank nach zwölf Jahren. Laut Linkedin ist er nun erstmal als Berater unterwegs und sitzt bei mehreren Startups im Aufsichtsrat. Was danach kommt, ist noch nicht bekannt.

Konstantin Oelfke: Ein strategischer Investor im Hintergrund

Er war zuvor beim Berliner Startup Charly, einer Plattform für Studienmaterialien – nun baut Konstantin Oelfke ein Geheimprojekt auf. Unter der Marke Unleashed Capital soll ein Fintech-Produkt für Endkunden entstehen, der erste Werbespruch lautet: „Private Banking reinvented“. Viele Details zum Produkt gibt es nicht, doch der Investor ist bereits bekannt: Das Schweizer Unternehmen BDSwiss finanziert das neue Projekt, das bereits elf Stellen ausgeschrieben hat. Es handelt sich um einen sogenannten CFD-Broker.

Sebastian Wenzel: Ein Marketing-Experte schaut sich Fintech-Themen an

Er lebte lange in USA und lernte Marketing bei mehrere Digitalfirmen. In Berlin heuerte Sebastian Wenzel bei der Project-A-Beteiligung Qunomedical an, bevor es für ihn in die Fintech-Szene ging: Erst war beim Versicherungs-Startup Getsafe als VP Marketing, dann wechselte er zur Krypto-Tochter der Börse Stuttgart. Nun arbeitet er an einem eigenen Fintech-Startup.

Lena Justen: Was kommt nach Fino?

Die 32-jährige Lena Justen entwickelte beim Kontowechselservice Fino neue Geschäftsmodelle. Sie leitete etwa Finux, ein Finanz-Dashboard für kleine und mittlere Unternehmen. Vor einiger Zeit hat sie das Unternehmen verlassen. Auf Linkedin schreibt Justen: „Currently in #sabbatical #reload #next, please! mode — looking for a VC, bank, or FinTech that strives to the top“. Mehr ist nicht bekannt.

Ivan Vasylchenko: Gründung nach Trade Republic

Als Chief Operating Officer war er bei dem gehypten Anlage-Startup Trade Republic: Seit einigen Wochen arbeitet Ivan Vasylchenko nun an einem eigenen Fintech. Eine eigene Gesellschaft unter seinem Namen ist noch nicht zu finden. Auf eine Anfrage hat er bislang nicht reagiert.

Karl Hunger: Der Liqid-Manager startet neu

Auch Karl Hunger zählt zu den Szeneköpfen mit derzeitigem Titel „Co-Founder / Managing Director @ Fintech in Stealth Mode“. Vier Jahre lang baute er im Führungsteam den Robo-Advisor Liqid mit auf. Eine Gesellschaft ist bislang nicht zu finden. Es ist denkbar, dass Hunger sich ein Geschäftsmodell im Trading-Markt ausgeschaut hat – dort ist die Nachfrage zumindest zurzeit groß.

Ivan Maryasin: Von Penta zur eigenen Buchhaltungssoftware

Für zwei Jahre war Ivan Maryasin als Head of Growth beim Banking-Startup Penta, nun arbeitet er an Gemms. Mit dem Tool will er eine Ergänzung zu seinem ehemaligen Arbeitgeber bauen – mit einer Buchhaltungssoftware, an der sich alle Konten andocken lassen.

Haben wir einen Newcomer vergessen? Oder kennt ihr Details der neuen Projekten und Karrieren? Dann schickt uns Hinweise an caspar.schlenk (at) financefwd.com. Wir behandeln alle Kontakte vertraulich.

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