Die Challengerbank Nubank zählt mittlerweile 40 Millionen Kunden (Bild: PR).

Nubank, Stripe und Coinbase: Die Fintech-Elite investiert verstärkt in andere Startups

Globale Fintech-Player beteiligen sich zunehmend an jungen Startups. Die 95-Milliarden-Firma Stripe hat beispielsweise früh damit angefangen und Coinbase sucht auch in Deutschland nach aussichtsreichen Kryptounternehmen. Nun platzierte der mächtige N26-Konkurrent Nubank ebenfalls eine größere Investment-Wette. Was haben die Fintechs vor?

Die Fundingnachricht vor einigen Wochen wäre ohne dieses eine Detail fast untergegangen: Das indische Startup Jupiter, das ein Bankkonto per Smartphone anbietet, erhielt in einer Finanzierungsrunde 44 Millionen Dollar. Doch vor allem der Hauptinvestor erregte die Aufmerksamkeit. Die brasilianische Nubank bestritt nämlich einen Großteil der Finanzierungsrunde.

Zwei Wochen nach Start der Testphase stieg sie zusammen mit Sequoia und Rocket Internets Global Founders Capital bei Jupiter ein. Im Gegensatz zu den Mitinvestoren ist Nubank kein Wagniskapitalgeber, sondern eigentlich ein Konkurrent – allerdings am anderen Ende der Welt. In Brasilien hat das Unternehmen eine unglaubliche Erfolgsgeschichte hingelegt. Mit 30 Milliarden Dollar wird es von seinen Investoren bewertet, zählt 40 Millionen Kunden und schielt auf einen Börsengang in den USA.

Nubank ist derweil nicht der einzige Fintech-Anbieter mit tiefen Taschen, der nicht nur Startups zukauft, sondern sich in einer frühen Phase an anderen aussichtsreichen Firmen beteiligt. Coinbase und Stripe gehen diesen Weg schon längere Zeit.

Vorbild ist Tencent

Die chinesischen Tech-Unternehmen gehören zu den Vorreitern dieses Investment-Prinzips, Tencent investiert seit Jahren beispielsweise massiv in Startups. Allein in Deutschland zählen die Smartphone-Bank N26, die Versicherungs-App Clark, der Trading-Anbieter Scalable Capital und das Flugtaxi-Startup Lilium zum Portfolio. Allein im vergangenen Jahr beteiligte sich Tencent an 170 Finanzierungsrunden, wie Techcrunch unter Berufung auf Daten von ITJuzi berichtete.

Nicht alle weisen eine offensichtliche strategische Komponente auf, wie beispielsweise Lilium. „Tencent hat die Investitionen getätigt, um zu lernen, was in den USA gemacht wird und wie es in China angewendet werden kann“, wird ein US-Gründer bei Techcrunch zitiert, der ein Investment von Tencent erhalten hat. Der Vorteil: Da Tencent seinen Fokus auf China legt, konkurriert es nicht mit den eigenen Startup-Wetten.

Auch der ärgste Konkurrent Alibaba investiert mit seiner Fintech-Tochter Ant massiv in andere Anbieter, allerdings mit einem stärkeren Fokus auf das eigene Geschäft. Ant investiert beispielsweise in Super-App-Anwärter in Europa, es besitzt etwa einen kleinen Anteil an dem schwedischen Payment-Unternehmen Klarna. Mit Alipay betreibt es eine der größten Super-Apps der Welt. Mittlerweile hat es auch einen eigenen Fintech- und Blockchain-Fonds aufgelegt, wie Finance Forward vor einiger Zeit berichtete – mit Sitz in Berlin.

Stripe hat sich an 38 Finanzierungen beteiligt

Der Zahlungsanbieter Stripe beteiligt sich ebenfalls seit einigen Jahren an anderen Startups, darunter die britische Neobank Monzo und das gehypte Kreditkarten-Startup Ramp. 38 Investmentrunden zeigt die Datenbank Crunchbase an. Bei der Krypto-Plattform Coinbase sind es 15 Finanzierungen, die E-Commerce-Plattform Shopify zählt fünf. Das kanadische Unternehmen macht mittlerweile einen wichtigen Teil des Umsatzes mit Finanzdienstleistungen und hat sich etwa bei dem schnellwachsenden Finanzierungs-Anbieter Pipe beteiligt.

Für die Investments der Fintech-Unternehmen gibt es unterschiedliche Gründe: Bei Coinbase geht es beispielsweise darum, den aufstrebenden Krypto-Markt selbst zu befeuern. „Gerade bei Coinbase muss man sich fragen, ob aus Interesse an den Technologien investiert wird oder man durch den Aufbau eines Krypto-Ökosystems nachträglich eine Geschäftsgrundlage für das eigene Business aufbauen will“, sagt Techaktien-Experte Philipp Klöckner. In der Kryptoszene ist es durchaus üblich, dass die einzelnen Anbieter mit dem eingesammelten Geld gezielt in Entwickler investieren, die auf der eigenen Plattform arbeiten, um so eine Nachfrage zu schaffen. Coinbase setzt dabei auf den Gesamtmarkt. Auch in Deutschland wolle man sich nach aussichtsreichen Wetten umschauen, kündigte Deutschlandchef Sascha Rangoonwala im Podcast mit Finance Forward an.

Ein weiterer Grund: „Gezielte Investments in naheliegende Startups, die an wichtigen Features und Erweiterungen arbeiten, ermöglichen es, den Nutzwert einer Plattform für die Kunden zu steigern, ohne selbst den Fokus zu verlieren“, sagt Klöckner. Er zählt Coinbase, Zoom oder Salesforce zu Firmen, die diese Strategie verfolgen.

Trends in anderen Regionen nicht verpassen

Ein anderer Weg ist es, in kleinere Wettbewerber aus anderen Regionen zu investieren. Der Zahlungsanbieter Square (16 Investments) hat sich etwa an dem europäischen Fintech Satispay beteiligt, das vor allem in Italien viele Kunden zählt und auch nach Deutschland strebt. Square selbst hat seinen Fokus auf dem US-Markt – schaut aber nach Europa. Auch das neue Nubank-Investment folgt einer ähnlichen Logik. „Der indische und der brasilianische Markt haben viele Gemeinsamkeiten, und mit dieser Investition wollen wir Jupiter auf seinem Wachstumspfad unterstützen“, lässt sich David Vélez, CEO und Gründer von Nubank, zitieren. Er sehe bei dem indischen Startup viel Potential und wolle früh dabei sein.

Stripe fährt eine dritte Strategie und investiert beispielsweise in andere Fintech-Segmente, wie bei Monzo und Ramp zu sehen ist. Außerdem setzt es auf spezielle Payment-Funktionen: Pico ist beispielsweise ein Tool, mit dem Kreative ihre Dienste monetarisieren können und Assembled ist eine Plattform, um den Kundenservice aufzubauen und zu managen. Stripe investiert auf diesem Weg in Geschäftsmodelle rund um das eigene Produkt.

Kritik am Vorgehen

Eine Investment-Strategie dieser Art kommt nicht überall gut an. In einem Artikel, der vor drei Jahren viral ging, kritisierte ein Autor unter dem Titel „Tencent has no dream“, dass die Firma ihre Fähigkeiten in der Produktentwicklung vernachlässigt habe – und sich zu stark auf die Investments fokussiere. Und am Kapitalmarkt gibt es in einigen Fällen einen sogenannten Holding-Abschlag, weil Anleger es schwierig finden, eine Ansammlung von mehreren Investments zu bewerten.

Für die platzierten Wetten von Nubank, Stripe und Coinbase ist es zu früh für ein Fazit. Es ist aber offenbar eine gute Idee, bei den hohen Bewertungen das Risiko etwas zu streuen, in dem man auf aussichtsreiche Newcomer setzt. Die Player profitieren so über ihre eigene Firma hinaus vom boomenden Fintech-Markt. Sie bauen ihre Marktstellung damit gegenüber den Konkurrenten aus.

In der deutschen Fintech-Welt ist diese Strategie noch nicht angekommen. Auch haben die großen Spieler zuletzt nicht hierzulande investiert. Dafür hat sich der Stripe-Gründer John Collison in den vergangenen Tagen mit dem N26-Finanzchef Jan Kemper auf einen Kaffee getroffen, wieder Kemper auf Linkedin dokumentierte. Ein nächstes Investment? Das sei nicht der Fall, heißt es aus dem Unternehmensumfeld.

Über die Zukaufswelle der Fintech-Unternehmen haben wir kürzlich bei Finance Forward berichtet.

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