Warren Buffett investiert in Nubank – was steckt hinter seiner Fintech-Wette?

Der legendäre Geldgeber Warren Buffett steckt eine halbe Milliarde in die brasilianische Fintech-Bank Nubank. Seit Jahren läuft das Startup seinen europäischen Konkurrenten N26, Revolut und Co. davon. Was macht es so erfolgreich?

Für Warren Buffett ist es das erste Investment in der Welt der Neobanken. Eine halbe Milliarde Dollar steckt er in die brasilianische Neobank Nubank. Seine Holding Berkshire Hathaway hat mit Großbanken wie der Bank of America und Goldman Sachs bereits viel Erfahrung in der traditionellen Finanzwelt. Nachdem sie über Jahrzehnte zu den wichtigsten Aktionären bei Wells Fargo gehörte, trennte sich die Holding erst vor wenigen Monaten fast vollständig von der Beteiligung.

Jetzt folgt der Wechsel zu den Digitalbanken. „Das ist eine große Bestätigung für das, was wir seit unserer Gründung geleistet haben“, zitiert das Wall Street Journal Nubank-Gründer David Vélez, der das Unternehmen zusammen mit Cristina Junqueira gegründet hat. „Damit sind wir sehr, sehr gut kapitalisiert und haben keine Pläne, zusätzliches Kapital zu beschaffen.“

Während es die Fintech-Welt als Auszeichnung wertet, fragen sich einige Anhänger Buffetts indes, was es mit Nubank auf sich hat. Insgesamt sammelt die Digitalbank 750 Millionen Dollar zu einer Bewertung von 30 Milliarden Dollar ein, sie richtet sich mit einem gebührenfreien Bankkonto besonders in Brasilien, Kolumbien und Mexiko an Menschen, die vorher noch kein Konto besaßen. Diese Art von Kunden ist günstig zu gewinnen, da sie nicht per Marketing zu einem Wechsel bewegt werden muss.

So ist Nubank im Vergleich zu anderen Challengerbanken besonders schnell gewachsen, inzwischen führt sie 40 Millionen Kunden. Zur Einordnung: Der europäische Angreifer Revolut liegt bei 15 Millionen, Tinkoff aus Russland kommt auf etwas mehr als 13 Millionen Kunden.

Zu den frühen Investoren von Nubank gehören Goldman Sachs und der namhafte US-Wagniskapitalgeber Sequoia Capital. Sein Geld verdient es mit einer Transaktionsgebühr, wenn die Kunden mit der Bankkarte zahlen, aber auch durch die Vergabe von Krediten. „Wir machen kein Geld mit Gebühren, aber unsere Betriebskosten sind auch viel geringer als bei anderen Banken“, hatte Vélez in einem Interview mit Finance Forward erklärt. Inzwischen bietet es auch weitere Produkte an wie etwa Versicherungen, Debitkarten, Konten für kleine und mittlere Unternehmen und einen Dienst, mit dem kleine Geldbeträge zwischen Freunden hin und her geschickt werden können.

Im April hatte die Nachrichtenagentur Reuters noch berichtet, dass Nubank eine Börsennotierung in den USA anstrebe, möglicherweise sogar noch in diesem Jahr. Das sei vorerst nicht in Planung, obwohl es „irgendwann“ sicher passieren werde, sagte Vélez anlässlich der jüngsten Finanzierungsrunde. Das Unternehmen plane, weiter zu expandieren, insbesondere in die Investment- und Versicherungsmärkte der drei Länder, die es bedient. Sein Hauptaugenmerk liege auf organischem Wachstum, sagte er dem WSJ, schloss dabei aber auch Akquisitionen nicht aus.

„Wir glauben, es ist ein Segen, unterschätzt zu werden“, hatte er 2019 noch zu Finance Forward gesagt. „Die großen Banken unterschätzen uns, wir wachsen ohne viel Lärm, und dann plötzlich: You are big!“ Das hat er spätestens mit dem Investment von Warren Buffett jetzt auch erreicht.

Vor einem Jahr hat Capital das Unternehmen portraitiert. Die komplette Geschichte könnt ihr hier nachlesen. Außerdem haben wir kürzlich mit Gerrit Glaß, der für N26 das Brasiliengeschäft aufgebaut hat, im Podcast über Nubank gesprochen.

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