Harry Hurst gehört zu den Phänomenen des aufgeheizten Fintech-Marktes (Bild: PR)

Creandum ist unbemerkt beim Hype-Startup Pipe eingestiegen

Exklusiv: Das gefeierte Funding-Startup Pipe expandiert nach Europa – und sucht bereits einen Manager für den Start in Großbritannien. Unterdessen hat sich der schwedische Top-Investor Creandum bei Pipe beteiligt.

Es soll jetzt schnell gehen. Wenige Tage nachdem Harry Hurst verkündet hatte, sein Startup Pipe bereite einen Start in Großbritannien vor, postete er auf Twitter Stellengesuche für mehrere Schlüsselpositionen. Nur Stunden später tauchte die Tochtergesellschaft im britischen Handelsregister auf. Auf Nachfrage beim Unternehmen hieß es im Mai noch: Pipe sei eine globale Plattform und andere Länder seien „zwangsläufig“ auf der Roadmap. Bis Ende des Jahres sei der erste Marktstart abseits des USA geplant, Ländernamen nannte eine Sprecherin nicht.

Doch für Hurst und sein Startup Pipe ist Großbritannien als nächster Startpunkt naheliegend. Der 31-Jährige stammt gebürtig aus London und der britische Markt ist zudem offen für alternative Finanzierungsformen. Die Idee: Software-Anbieter bekommen die monatlichen Zahlungen ihrer Kunden von Pipe für ein Jahr im Voraus, die wiederkehrenden Einnahmen lassen sich gut voraussagen. Von einer Bank erhalten die Firmen oft keine Kredite. Institutionelle Anleger stellen wiederum das Geld auf der Pipe-Plattform bereit.

Mit diesem Prinzip hat das Fintech-Unternehmen aus Miami einen beispiellosen Aufstieg hingelegt. Nach einer 250-Millionen-Finanzierungsrunde bewerten die Geldgeber Pipe mit zwei Milliarden Dollar, dabei ist die Firma erst im Sommer 2019 gestartet. Zu den Investoren gehören beispielsweise die Investmentbank Morgan Stanley und der E-Commerce-Konzern Shopify.

Der schwedische Venture Capitalist ist für aussichtsreiche Fintech-Wetten bekannt

Bislang war nicht bekannt, dass ein prominenter europäischer Fintech-Investor auch an Bord ist: Creandum. Der schwedische Fonds hat sich in diesem Jahr an der gefeierten Firma beteiligt, wie auf der eigenen Website zu lesen ist. Kommentieren will der Investor die Information nicht weiter. Creandum ist für seine vielen erfolgreichen Fintech-Wetten bekannt, darunter die Payment-Firma Klarna, die Anlage-App Trade Republic und das Factoring-Startup Billie.

Bei vielen der Fintech-Wetten hat sich der Wert der Creandum-Anteile bereits vervielfacht, Pipe ist diesen Beweis noch schuldig. Gerade durch die Europa-Expansion will das US-Fintech sein Wachstum befeuern. Auch hat es seinen Kundenkreis erweitert. Mittlerweile finanziert Pipe nicht mehr nur Software-Anbieter, sondern unterschiedliche Firmen, deren Einnahmen sich vorsagen lassen. Sogar ein Sportclub gehöre dazu, sagte kürzlich der Manager Michal Cieplinski in einem Podcast.

Der Wettkampf steht bevor

In Europa formieren sich unterdessen die ersten Konkurrenten (Finance Forward berichtete), darunter zum Beispiel die Berliner Teams Re:cap und Rails, sowie Bridg, dessen Gründer Shahram Rezasade von München aus arbeitet. Sollte sich die Finanzierungsform auch in Ländern wie Deutschland etablieren, ist sicherlich Platz für mehrere Player.

Gerade die Frühphasen-Geldgeber waren in den vergangenen Wochen auf der intensiven Suche nach ihrer Wette in diesem neuen Markt. Bei Re:cap sind bereits einige Szeneköpfe wie Jan Beckers und Ramin Niroumand eingestiegen, Rails und Bridg stehen vor Finanzierungsrunden. Ein Wettkampf zeichnet sich ab. Pipe-Gründer Harry Hurst wird den Konkurrenzkampf nicht scheuen, seine Tweets dazu werden nicht lange auf sich warten lassen.

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