Die drei Bitpanda-Gründer Christian Trummer, Paul Klanschek und Eric Demuth (Bild: PR)

Bitpanda erhält Bafin-Lizenz – N26 kann mit Kryptohandel starten

Das Fintech-Unicorn Bitpanda bekommt von der Finanzaufsicht Bafin eine Krypto-Lizenz, mit der es hierzulande künftig aktiv Kunden anwerben darf. Damit kann auch das Krypto-Feature von N26 in Deutschland starten, bei dem Bitpanda der Partner ist. Was bedeutet der Schritt für das österreichische Startup?

In Wien hatte man bereits sehnlichst auf den Brief gewartet. Fast zwei Jahre ist es her, dass die Gründer der größten deutschsprachigen Kryptobörse einen Antrag bei der Finanzaufsicht Bafin gestellt haben. Jetzt, während die gesamte Finanzbranche auf den Zusammenbruch von FTX schaut, kann Bitpanda nun endlich Vollzug verkünden.

Die in Frankfurt ansässige Tochtergesellschaft Bitpanda Asset Management GmbH hat eine Lizenz erhalten, um das Kryptoverwahrgeschäft und den Eigenhandel für Kryptowerte in Deutschland anzubieten. Für Bitpanda ein wichtiger Meilenstein, denn das österreichische Startup konnte ohne die regulatorischen Rahmenbedingungen bislang kein Marketing hierzulande schalten.

Die Kundinnen und Kunden, die es in Deutschland gesammelt hatte, kamen ohne Werbung zu dem Anbieter. Gleichzeitig konnten US-Player Coinbase, der seit dem vergangenen Jahr eine Lizenz besitzt, und das Digital-Projekt der Börse Stuttgart, Bison, aktiv Kunden anwerben. „Deutschland hat mit das größte Potential“, hatte Coinbase-Deutschlandchef Sascha Rangoonwala im FinanceFWD-Podcast gesagt. Mit Bitpanda wird nun der Wettbewerb um Kunden noch einmal größer.

Lief auch ohne Lizenz gut

Bitpanda hat nach seiner Gründung erst mehrere Jahre eigenfinanziert gearbeitet. 2020 fing das Startup an, Investorengelder aufzunehmen, damit wollte es das internationale Wachstum befeuern. Insgesamt hat es inzwischen 545 Millionen Euro eingesammelt, wird von namhaften Investoren wie Hedosophia und Peter Thiels Valar Ventures mit 4,1 Milliarden Dollar bewertet. Insgesamt kommt es eigenen Angaben zufolge auf fast vier Millionen Kunden, ein großer Teil davon soll nach Informationen von Finance Forward aus Deutschland stammen.

Das Geschäft lief bereits vor der Lizenz gut: Im Hypejahr 2021 steigerte Bitpanda seinen Umsatz um 764 Prozent, wie Finance Forward berichtete. In der Hochphase von Währungen wie Bitcoin, Ethereum und Co. erzielte die Firma einen Umsatz von 477,9 Millionen Euro. Sie ist damit wesentlich größer als andere Fintech-Unicorns wie N26 oder Trade Republic. Eine weitere Besonderheit bei Bitpanda im Vergleich zu den anderen Finanz-Startups: Am Ende blieb ein Jahresüberschuss von 37,5 Millionen Euro hängen. Doch im aktuell schwierigen Jahr wird Bitpanda keine vergleichbaren Zahlen liefern können, daran wird auch die Bafin-Lizenz nichts ändern.

Die Zeit für große Marketing-Kampagnen ist zurzeit nicht. Spätestens seit dem FTX-Crash ist klar, dass die Krise andauern wird und bestehende Player mit ihren Budgets haushalten müssen. Im Sommer hat Bitpanda bereits rund 270 Mitarbeiter von mehr als 1.000 entlassen.

Wenn die Öffentlichkeitsarbeit nun losgehen darf, wird das Startup wahrscheinlich seinen Fokus auf Finanzbildung und die eigene „Bitpanda Academy“ richten – und den Fakt, dass es ein regulierter und lizensierter Anbieter ist, herausstellen. Denn fortan gilt es, sich von Fällen wie FTX stärker abzugrenzen.

Seitenhieb gegen Sam Bankman-Fried

Gründer Eric Demuth nutzt die Verkündung der Lizenz direkt für einen Seitenhieb gegen FTX. „Wir sind fest entschlossen, die Dinge richtig zu machen und die richtigen Dinge zu tun“, lässt er sich in einer Mitteilung zitieren. Er wolle seinen Kundinnen und Kunden ein sicheres und reguliertes Umfeld für ihre Investments geben. „Dabei ist die strikte Trennung von Kunden-Assets zu Firmenwerten selbstverständlich, was leider heutzutage nicht überall der Fall ist.“

Gegenüber Finance Forward hatte er zu dem Absturz der zweitgrößten Kryptoböse noch gesagt: „Die Regulierungsbehörden freuen sich, wenn es Player gibt, die nach den Regeln spielen.“ Problematisch seien immer nur die Firmen, die nicht in Europa oder den USA sitzen, sondern an Orten wie den Bahamas – oder ganz ohne Standort unterwegs sind. „Die spielen Wilder Westen, pumpen ihre Firma in kürzester Zeit und gamblen mit den Geldern ihrer Kunden.“ Vernünftig regulierte Firmen hätten dieses Problem nicht. Seine österreichische Kryptobörse will sich über die Lizenzen in Österreich, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Tschechien und Schweden von den dubiosen Krypto-Projekten abgrenzen. „Auch in 2023 werden wir weitere Lizenzen und Produktneuerungen liefern“, sagt Demuth.

N26 darf nun auch in Deutschland mit Krypto starten

In Reaktion auf den Crash von FTX und den damit verbundenen Unsicherheiten wollte Bitpanda seine Kunden beruhigen und ließ die Lagerbestände an Kryptowährungen von der Wirtschaftsprüfung KPMG untersuchen. Das Ergebnis: Das Volumen übersteige die Kundeneinlagen, sie seien „zu 100 Prozent gedeckt“, wie Bloomberg berichtete.

Wachsen will das Startup auch mit seiner White-Label-Lösung. Neben den Endkunden sind nun also auch weitere deutsche Fintechs unter den möglichen Kunden von Bitpanda. Als erster Kunde kann die Berliner Neobank N26 nun direkt starten, sie hatte bereits im vergangenen Jahr das Krypto-Feature angekündigt und setzt dabei auf ein Whitelabel-Produkt von Bitpanda. Das Startup hält sich dazu allerdings noch bedeckt. Es wolle das Feature „über die kommenden Monate schrittweise in weiteren europäischen Märkten verfügbar machen“, sagt eine Sprecherin auf Anfrage. „Zu unseren Plänen für die Markteinführung des Produkts äußern wir uns zu gegebener Zeit.“


Am Mittwoch sprechen wir mit den beiden Bitpanda-Gründern Eric Demuth und Paul Klanschek im FinanceFWD-Podcast über den Kryptomarkt nach FTX, ihr Verhältnis zur Aufsicht und die Entstehungsgeschichte von Bitpanda. Den Podcast gibt es bei SpotifyDeezer oder iTunes.

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