N26 baut seine App immer weiter aus (Bild: imago/Rüdiger Wölk)

N26 setzt bei Krypto-Feature auf Bitpanda

Exklusiv: N26 arbeitet für sein langerwartetes Krypto-Feature mit dem österreichischen Startup Bitpanda zusammen, wie Finance Forward aus vertraulichen Quellen erfuhr. Für die Neobank ist es ein wichtiger Schritt in Richtung profitables Geschäftsmodell.

Bevor er in Bitcoins investiere, würde er lieber mit Freunden ins Casino gehen, hat Valentin Stalf vor ein paar Jahren mal gesagt. „Das macht mehr Spaß.“ Im gleichen Interview mit der Welt meinte der N26-Gründer allerdings auch: „Wir überlegen, vielleicht nächstes Jahr einen Bitcoin-Wechsel in die App zu integrieren.“ Ende 2017 war das.

Seitdem ist viel passiert. Aus den damals 500.000 Kunden sind inzwischen acht Millionen geworden, davon schätzungsweise 2,5 bis drei Millionen, mit denen N26 tatsächlich regelmäßig Umsatz macht. Aus dem kleinen Challenger ist eine ernstzunehmende Bank geworden, die im Zuge der jüngsten Finanzierungsrunde mit rund neun Milliarden Dollar und damit zwischenzeitlich so hoch wie die Commerzbank bewertet wurde. Was indes seit dem Stalf-Interview vor gut vier Jahren immer noch nicht passiert ist: N26-Kunden haben immer noch keinen Zugriff auf Kryptowährungen. Nun allerdings kommt endlich Bewegung in die Sache. Jüngst hat N26 eine Stelle als „Backend-Engineer Crypto“ ausgeschrieben, wie T3N berichtete. Ein erster Hinweis.

Es gibt allerdings inzwischen noch mehr. Nach Informationen von Finance Forward und Finanz-Szene.de arbeitet das Berliner Fintech bei seinem Krypto-Projekt bereits konkret mit einem Partner zusammen – nämlich einem anderen Unicorn: Bitpanda. Die Krypto-Börse kommt, genau wie die beiden N26-Gründer, aus Österreich.

Bitpanda ist 2014 gestartet und richtet sich an Endkunden, sie können dort Kryptowährungen, Edelmetalle, Teilaktien und ETFs handeln. Mehr als drei Millionen Kunden zählt das Wiener Startup inzwischen, kam bei seiner Funding-Runde im August seinerseits auf eine Taxierung von rund vier Milliarden Dollar. Seit einem halben Jahr bietet Bitpanda zudem anderen Unternehmen seine technische Infrastruktur als sogenanntes White-Label-Produkt an. Genau dieser Service dürfte Bitpanda nun auch für N26 interessant machen.

Mit Lydia, einem französischen Fintech mit 5,5 Millionen Nutzern, hatte es dafür im November bereits einen großen Kunden gefunden (Finance Forward berichtete). Und nun also N26. Bekannt war bislang nur, dass die Berliner in der Sache partnern. Aber wer das war? Betriebsgeheimnis. Das nun gelüftet ist.

Was N26 und Bitpanda selber zu dem Projekt sagen

Das Angebot könnte per API-Schnittstelle direkt in die Banking-App von N26 eingebettet werden. Wie lange es bis zum Launch braucht, ist unklar. Die beiden Unternehmen befinden sich noch im Entwicklungsstadium des gemeinsamen Angebots.

Für N26 könnte die Integration von Kryptowährungen ein wichtiger Schritt in Richtung eines profitablen Geschäftsmodells sein – wiewohl der Schritt reichlich spät kommt, der ganz große Hype hatte zuletzt ein bisschen nachgelassen. In den vergangenen Jahren hatte Co-CEO Stalf noch das Ziel ausgerufen, mit N26 eines Tages auf 100 Millionen Kunden zu kommen. 2020 wandte sich das Unternehmen jedoch von seiner Wachstums-Strategie ab und konzentrierte sich stärker auf neue Produkte und Profitabilität. Jetzt zählt die Metrik „Produkte pro Kunde“. Krypto-Handel soll dabei im Provisionsgeschäft zu einer dritten wahrnehmbaren Einnahmequelle neben der Interchange-Gebühr aus dem Kartengeschäft und der Kontoführungsgebühr der Premium-Kunden werden.

Auf Anfrage wollen die beiden Unternehmen die Informationen weder bestätigen noch dementieren. Unter den eigenen Kunden verzeichne N26 ein „reges Interesse“ am Thema Krypto-Trading, sagte eine Sprecherin lediglich. „Daher arbeiten wir daran, ein entsprechendes Produkt für unsere KundInnen zusammen mit einem Partnerunternehmen auf den Markt zu bringen.“ Man werde sich hierzu und zu der Partnerschaft detaillierter äußern, wenn ein Datum für den Marktstart steht.

„Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu Spekulationen rund um etwaige zukünftige Partner-Unternehmen“, hieß es von Bitpanda. „Sobald es etwas Konkretes zu verkünden gibt, werden wir das unverzüglich tun.“ Eine Rolle bei dem Timing könnte auch die von Bitpanda beantragte Lizenz bei der deutschen Finanzaufsicht Bafin spielen. Bevor diese nicht erteilt ist, hält sich das österreichische Startup hierzulande bedeckt. Im Juli hatte die Firma ein Büro in Berlin eröffnet.

Für Bitpanda ist das White-Label-Angebot eine niedrige Hürde für signifikantes Kundenwachstum. Im vergangenen Jahr konnte die Krypto-Börse bereits beeindruckende Zahlen vorweisen, bei einem Umsatz von 55,3 Millionen Euro kamen die Österreicher auf einen operativen Gewinn (Ebitda) von 12,7 Millionen Euro.

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