Penta-CEO Markus Pertlwieser (Bild: PR).

Kaufpreis zum Penta-Deal in Unterlagen aufgetaucht

Nach dem Verkauf des Berliner Banking-Startups Penta an den Konkurrenten Qonto sind noch wichtige Fragen offen: Wie sieht die Zukunft von CEO Markus Pertelwieser aus? Bleibt die Solarisbank überhaupt noch Partner der Penta-Kunden? Wie hoch lag die Bewertung? Nun gibt es die Antworten.

Markus Pertlwieser ist das prominenteste Beispiel eines deutschen Bankmanagers, der in die Fintech-Branche rübermachte. Im Februar 2021 übernahm der ehemalige Digitalchef der Deutschen Bank das Ruder beim Business-Banking-Anbieter Penta. Viele in der Szene stellten sich damals die Frage, ob das wirklich ein „Match“ ist. Der Mann aus dem Milliardenkonzern. Nun beim 130-Mitarbeiter-Startup.

Rund eineinhalb Jahre später lässt sich aus Anlass des Verkaufs an den ungleich höher finanzierten französischen Wettbewerber Qonto eine Bilanz ziehen – und die fällt durchaus positiv aus. Trotz Einstellung des kostenlosen Kontos wuchs Penta unter Pertlwiesers Ägide von rund 25.000 auf aktuell  50.000 Kunden. Mit der Folge, dass die Erträge zwar nicht rasant, aber doch stetig stiegen, wie Finance Forward und Finanz-Szene nachwiesen. Grob 800.000 Euro Umsatz dürfte Penta zuletzt pro Monat erwirtschaftet haben.

Indes – ein paar Fragen sind noch offen. Vor allem: Wie hoch war der Preis nun genau, den Qonto für Penta bezahlt hat? Oder: Was wird aus Markus Pertlwieser? Eine Management-Rolle wird der 47-Jährige in dem neuem Unternehmen nämlich nicht übernehmen. In den kommenden Monaten helfe Pertlwieser noch bei der Integration von Penta in Qonto, heißt es – danach soll er als „strategischer Berater für das Management“ agieren.

Hier die wichtigen Fragen und Antworten zum Penta-Verkauf:

Warum fiel die Wahl auf Qonto?

Fundraising oder Exit – das war die Frage, vor der Penta in den zurückliegenden Monaten stand. Ursprünglich tendierte das Management wohl eher zu einer Finanzierungsrunde. Je mehr sich allerdings die äußeren Bedingungen verschlechterten – desto plausibler wurde die Option, anstelle eines Fundings den Exit anzustreben.

Interessiert war nicht nur Qonto. So habe unter anderem ein namhaftes europäisches Bankhaus die Fühler ausgestreckt, heißt es von Insidern. Letzten Endes allerdings saß das Geld bei Qonto (die Franzosen hatten Anfang des Jahres fast 500 Millionen Euro bei Investoren eingeworben) am lockersten. „Wir haben in den vergangenen Monaten unterschiedliche strategische Optionen bewertet“, sagte Pertlwieser zum Exit dem Handelsblatt. Der Verkauf an Qonto sei „die attraktivste“ gewesen.

Zu welcher Bewertung wurde Penta verkauft?

Zum Kaufpreis (die beteiligten Parteien hatten offiziell Stillschweigen vereinbart) kursierten in den letzten Wochen unterschiedliche Zahlen; sogar von einem „mittleren“ dreistelligen Millionenbetrag wurde in Finanzkreisen spekuliert. So viel war es dann doch nicht. Wie Finance Forward und Finanz-Szene in Unterlagen des französischen Handelsregisters entdeckt haben, erhielten die bisherigen Penta-Gesellschafter allem Anschein nach Qonto-Anteile im Wert von 179 Millionen Euro. Hinzu kam dann noch eine Cash-Komponente, von der die am Unternehmen beteiligten Penta-Mitarbeiter profitiert haben sollen. Der Penta-Preis dürfte insgesamt bei grob 200 Millionen Euro gelegen haben.

Wie ist der Wert einzuschätzen?

Es kommt auf die Perspektive an: Der Company Builder Finleap hatte Penta im Frühjahr 2019 für grob 400.000 Euro aufgekauft – und dürfte nun Qonto-Anteile im Wert von mehr als 50 Millionen Euro besitzen. Ein starkes Ergebnis, auch wenn Finleap einige weitere Millionen auf dem Weg zum Exit investierte. Ein weiterer Datenpunkt: Bei einer Finanzierungsrunde im Frühjahr 2020 (also gut zwei Jahre vor dem Exit und einige Monate vor Pertlwiesers Amtsantritt) war Penta mit 65 Millionen Euro bewertet worden. Auch der frühere Deutsche-Bank-Manager darf also für sich verbuchen, entschieden zum Wertzuwachs beigetragen zu haben.

Für andere Anteilseigner fiel die bisherige Wertsteigerung kleiner aus. Im Sommer des vergangenen Jahres lag bei einer Finanzierungsrunde der Unternehmenswert bei rund 170 Millionen Euro, wie sich aus dem Handelsregister errechnen lässt. Seitdem ist der Wert also nur noch leicht gestiegen.

Zumal: Zwischenzeitlich kursierten sogar ganz andere Zahlen. „Bloomberg“ etwa berichtete im Frühjahr von einer anvisierten Funding-Spanne zwischen 400 und 500 Millionen Euro. Finance Forward wiederum schrieb beim Einstieg der Versicherung Signal Iduna im Februar 2022 von einem Firmenwert in der Größenordnung von 300 Millionen Euro. Allerdings soll es sich dabei um ein Wandeldarlehen gehandelt haben – also eine Finanzierungsform, die keine neue Bewertung begründet.

Wer übernimmt die Führung in Deutschland?

Zurzeit arbeiten die Teams von Qonto und Penta an einem Integrationsplan. Bislang ist alles noch in der Findungsphase. Nicht einmal eine gemeinsame Party soll es gegeben haben. Dabei wird die Frage zu klären sein, wer künftig die Führung für den wichtigen deutschen Markt übernimmt. Bislang verantwortete Torben Rabe als Country Manager das Qonto-Geschäft in Deutschland.

Bleibt die Solaris der Bankpartner des neuen Penta-Angebots?

Auch müssen die Weichen gestellt werden für die strategische Frage, wer künftig als Bankpartner in Deutschland fungiert. Bislang arbeitete Penta mit Solaris zusammen, bei dem Bankpartner liegen auch die Konten. Schon in der Zeit als eigenständiger Player wollte sich Penta unabhängiger von Solaris machen – mit einer E-Money-Lizenz.

Qonto besitzt eine Lizenz als Zahlungsinstitut. Werden früher oder später auch die Penta-Konten unter diesem Regime geführt? Laut einem Sprecher ist diese Frage noch nicht geklärt. Allerdings dürfte sich das Unternehmen langfristig bemühen, ein einheitliches Setup in Deutschland zu betreiben. Das spricht für eine technische Bankplattform für alle Deutschland-Kunden – und einen Umzug der Penta-Kunden.

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