Nuri-CEO Kristina Mayer-Walcker auf der Finance-Forward-Bühne (Bild: FFWD)

Celsius-Schock kommt zur Unzeit – Krypto-Startup Nuri war auf Geldgebersuche

Exklusiv: Kunden der Berliner Neobank Nuri müssen seit Mitte Juni um ihr Geld bangen, das bei dem angeschlagenen Kryptoverleiher Celsius eingefroren ist. Nuri soll sich unterdessen laut Insidern in den vergangenen Monaten auf Investorensuche befunden haben.

Kristina Walcker-Mayer erhielt vor wenigen Tagen eine Nachricht: „Man kann nicht sagen, dass du nicht viele Möglichkeiten bekommst, 5 Jahre ceo Erfahrung in einem zu haben ;)“, hieß es dort. Die Chefin der deutschen Smartphone-Bank Nuri teilte die Nachricht selbst in dem sozialen Netzwerk Twitter mit den Worten: „Man kann es nicht besser zusammenfassen.“

Tatsächlich ist die Lage für Walcker-Mayer und ihr Krypto-Startup ernst. Erst musste Nuri circa ein Viertel der Mitarbeiter entlassen. Dann rutschte der US-Partner Celsius in eine Krise – und fror Gelder ein, darunter auch ein Millionenbetrag von Nuri-Kunden. Noch ist ungewiss, wie es mit dem Geld weitergeht, eine Einlagensicherung gibt es nicht (Finance Forward berichtete).

Neues Kapital wurde gesucht

Unterdessen wird klar, dass es sich dabei nicht um die einzigen beiden Ereignisse handelt, die die Startup-Chefin zurzeit umtreiben. Das Unternehmen habe vor der Celsius-Krise mit Investoren über eine Finanzierungsrunde gesprochen, heißt von mit den Vorgängen betrauten Personen. Eine Größenordnung von grob 30 bis 40 Millionen Euro wird dabei genannt. Ferner soll sich die Firma schon länger um eine eigenen Banklizenz bemühen, sagen Insider. Bislang arbeitet Nuri dafür mit der Solarisbank zusammen. Eine Sprecherin teilte mit, dass man „Marktgerüchte“ nicht kommentiere.

Wie der aktuelle Status der beiden Großprojekte ist, ist nicht bekannt. In einer derartigen Phase der Ungewissheit dürfte es jedoch schwierig sein, neue Investoren zu überzeugen. Walcker-Meyers größtes Problem dreht sich um jene sogenannten „Bitcoin-Ertragskonten“, mit denen Nuri-Kunden über den amerikanischen Krypto-Anbieter Celsius ihre Bitcoin verliehen hatten. Noch bevor das Marketing für das Produkt überhaupt hochgefahren worden war, lag der deren Wert im Juni 2021 bei rund 40 Millionen Euro.

Seitdem dürfte es weitere Zuflüsse gegeben haben, allerdings ist auch der Wert der Bitcoin seit dieser Zeit massiv gefallen. Aus diesem Grund könnte der aktuelle Wert niedriger liegen, heißt es aus dem Unternehmensumfeld. Nuri nennt keinen konkreten Wert. Der Reputationsschaden ist jedoch schon jetzt immens. Seit knapp einem Monat sind die Gelder eingefroren. Gerade erst hat Celsius eine neue Anwaltskanzlei mandatiert, um eine Restrukturierung zu erarbeiten, berichtet das Wall Street Journal.

Downloadzahlen auf hohem Level

Für Nuri kommt die Krise damit zur Unzeit. Wie eine Auswertung des Analysedienstes Airnow zeigt, befanden sich ausgerechnet in der Woche vor dem Celsius-Crash die Download-Zahlen auf Rekordniveau. Offiziell zählt Nuri rund eine halbe Millionen Kunden, doch nur ein kleinerer Teil davon dürfte aktiv sein.

Erst vor einem Jahr durchlebte das Unternehmen einen grundsätzlichen Wandel. Es änderte seinen Namen von Bitwala zu Nuri – und entwarf eine neue App, die nicht nur Krypto-Begeisterte anziehen sollte. Die Firma sammelte im vergangenen Jahr in zwei Finanzierungen 24 Millionen Euro ein. Insgesamt sind laut Crunchbase schon mehr als 40 Millionen Euro in das Unternehmen geflossen, von Geldgebern wie dem Maschmeyer-Fonds Alstin, N26-Investor Earlybird und dem staatlichen Wagniskapitalgeber Coparion.

Der Kryptowinter dürfte das Fundraising nun zusätzlich erschweren. Und auch die Finanzaufsicht Bafin wird den Fall Nuri wohl genau verfolgen.

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