Nuri-CEO Kristina Mayer-Walcker auf der Finance-Forward-Bühne (Bild: FFWD)

Celsius-Krise trifft „Ertragskonten“ der Berliner Neobank Nuri

Exklusiv: Der Auszahlungsstopp des Krypto-Anbieters Celsius hat auch Auswirkungen auf das deutsche Startup Nuri. Kunden des „Bitcoin-Ertragskontos“ kommen zurzeit nicht mehr an ihr Geld – und müssen um ihr Investment bangen.

Die hochgewettete deutsche Neobank Nuri (ehemals Bitwala) gerät in den Strudel des Krypto-Crashs rund um den US-Konzern Celsius Network. Celsius ist der zentrale Partner des sogenannten „Bitcoin Ertragskonto“, mit dem Nuri seit rund einem Jahr um Kunden wirbt. Konkret stellt das Berliner Fintech seinen Anlegern in Aufsicht, mit dem Konto bis zu 3 Prozent Ertrag pro Jahr auf gehaltene Bitcoins zu erwirtschaften und wöchentlich ratierlich auszuzahlen. Laut unseren Recherchen funktioniert das Modell so, dass Nuri das Krypto-Vermögen seiner Kunden an Celsius Network durchreicht. Die Amerikaner wiederum verleihen die Bitcoins der Nuri-Anleger gegen Zins an andere Anleger.

Am Montagmorgen indes hat Celsius Network – nach eigenen Angaben verwaltete das Unternehmen zuletzt Vermögenswerte im Umfang von rund 12 Milliarden US-Dollar verteilt auf rund 1,7 Millionen Kunden – sämtliche Rückzahlungen an Anleger ausgesetzt. Dies geschehe zum Schutz der Kunden, teilte der Konzern mit. Die naheliegende Vermutung ist, dass Celsius schlicht die Liquidationswünsche der Kunden in einem crashenden Krypto-Markt nicht mehr ausreichend bedienen kann. Es gibt Gerüchte im Markt, dass Celsius auch die Währung Luna gehalten hat, die schon Ende Mai zusammengebrochen ist. Entsprechend müssen nun auch die Nuri-Kunden mit einem „Bitcoin Ertragskonto“ um ihr Geld bangen. Nach eigenen Angaben kam das Fintech zuletzt auf fast 500.000 Kunden. Wie viele davon das „Bitcoin Ertragskonto“ nutzen, ist zur Stunde noch unklar. CEO Kristina Walcker-Mayer sagt, im ersten Schritt arbeite man daran, das Angebot aus der App zu nehmen und einen entsprechenden Warnhinweis zu publizieren. Weitere Informationen sollen im Laufe des Nachmittags folgen.

Die Berliner hatten das Produkt auf ihrer Homepage zuletzt offensiv beworben („Die Zeit der niedrigen Zinsen ist endlich vorbei. Unsere Partnerschaft mit Celsius Network verschafft dir Zugang zu Ertragsraten, die du mit einem Old-School-Bankkonto nicht erreichen könntest“). Zugleich ließen sich dem Angebot allerdings auch die enormen Risiken entnehmen. Zum einen bestehe kein Einlagenschutz. Zum anderen, so die gesonderten Risikohinweise zum Bitcoin-Konto, trügen die Anleger „vollständig das Risiko der Insolvenz von Celsius Network. Alleiniger Schuldner der Ansprüche der Anleger auf die vereinbarten Erträge sowie die Rückzahlung der eingesetzten Menge von Kryptowährungen ist Celsius Network“. Und: „Ob Celsius Network zukünftig die fälligen Ansprüche der Anleger wird bedienen können, hängt allein vom Erfolg ihrer Geschäftstätigkeit ab. Eine Zahlungsunfähigkeit (z.B. im Falle der Insolvenz) von Celsius Network bedeutet für den Anleger ein Totalverlust seiner Investition sowie ggf. der bereits verdienten noch nicht ausgezahlten Erträge.“

Regulatorisch entspricht das, was Nuri mit Celsius macht, der Anlagevermittlung – wobei die Krypto-Bank formal als Vertreter eines anderen Berliner Fintechs auftritt, nämlich der Solarisbank. Hintergrund: Solaris ist dank Vollbanklizenz der eigentliche Kontopartner und sorgt überdies für das für die Anlagevermittlung notwendige Haftungsdach. Die Nuri-Kunden schließen beim „Bitcoin-Ertragskonto“ dann mit dem US-Konzern Celsius Network wiederum ein eigenes Vertragsverhältnis. Auf dieser Grundlage können die Kunden ihre Bitcoins dann an Celsius übertragen. Für die temporäre Überlassung schuldet Celsius dem Kunden schließlich variable Zinserträge. Zudem muss das US-Unternehmen die Krypto-Währungen auch wieder rückübertragen, wenn der Kunde dies wünscht. Genau dieser Prozess ist nun aber ausgesetzt.

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