Bezahlen mit dem Smartphone / © Jonas Leupe (Unsplash)

Analyse zu Apple Pay vs. Google Pay: Welche Bank partnert mit wem – und wer macht sein eigenes Ding?

In der IT-Szene wurden schon Wetten darauf abgeschlossen, wer das Rennen macht: Nun hat Google seinen mobilen Bezahldienst „Pay“ noch vor Apple in Deutschland gelauncht. Der Konzern aus Cupertino soll ebenfalls kurz vor dem Launch von Apple Pay stehen. Für wen entscheiden sich Deutschlands Banken? Und wer setzt auf eigene Lösungen? Ein Überblick.

Zum Deutschlandstart konnte Google Pay vier Partner gewinnen: die Commerzbank und deren Tochter Comdirect, Wirecard sowie die Smartphone-Bank N26. Demnächst wollen außerdem die LBBW aus Stuttgart, die über die BW-Bank auch Privatkunden bedient, sowie Revolut Google Pay unterstützen. Die Smartphone-Bank mit Sitz in London gilt als größter Konkurrent für die deutsche N26 und zieht allein schon aus strategischer Sicht nach.

In Sachen Innovation haben sich mit der Comdirect sowie Wirecard und N26 die üblichen Verdächtigen versammelt, mit Google die Chancen von Mobile Payment in Deutschland auszuloten. Währenddessen kann die Commerzbank wiederum von der technologischen Umtriebigkeit ihrer Direktbank profitieren und sich mal als technologischer Vorreiter in der sonst eher trendscheuen deutschen Bankenlandschaft profilieren.

Viele Geldhäuser halten sich noch bedeckt

Im Gespräch mit FinanceFWD ließ Google zudem verlauten, dass bis Ende des Jahres weitere deutsche Banken nachziehen werden. Welche, das will der Konzern freilich noch nicht kommunizieren. Und auch die Geldhäuser halten sich mit Äußerungen noch bedeckt. Das kann zwei Gründe haben: Entweder ist die Implementierung in die hauseigene IT mal wieder komplizierter als gedacht – wofür auch der langsame Start von „Instant Payment“ sprechen würde (FinanceFWD berichtete über die Release-Pläne). Oder aber einige Banken behalten sich vor, lieber mit der Konkurrenz aus Cupertino zu partnern.

Google: Weitere Banken bis Ende des Jahres

Apple Pay wird allem Anschein nach im Herbst an den Start gehen in Deutschland. Genauer: im September. Noch genauer: Rund um die Präsentation neuer iPhones, die für gewöhnlich in der ersten Septemberwoche stattfindet. Weniger interessant ist dabei die technische Komponente – die benötigte NFC-Hardware unterstützen schließlich alle Apple-Smartphones seit dem iPhone 6, also seit 2014 – sondern die Software. Zusammen mit den neuen iPhones wird Apple sein mobiles Betriebssystem iOS 12 für alle kompatiblen Geräte ausrollen. Und aus gut informierten Kreisen heißt es, dass Apple Pay dann auch auf deutschen iPhone-Homescreens Einzug halten wird. Wem das noch nicht als Beleg reicht: Die Einrichtungshilfe zu Apple Pay gibt es bereits – wenn auch nicht offiziell verfügbar – in deutscher Sprache.

Die Sparkassen dürften allem Anschein nach nicht zu den Partnern zählen – zumindest wenn man den Aussagen auf Twitter Glauben schenkt. So ließ das Social-Media-Team Ende Juni zunächst auf Anfrage verlauten, dass eine Kooperation mit Google derzeit keine Option sei.

Auf Nachfrage hieß es dann, dass man „grundsätzlich an Apple Pay interessiert“ sei. Doch auch von dieser Äußerung ruderte man wenige Minuten später zurück – und verwies auf die neue, eigene Mobile-Payment-App „Mobiles Bezahlen“. Sie ist Teil einer Strategie, sich nach außen als technologisch innovativ zu präsentieren. Mit „Kwitt“ ist Anfang des Jahres eine App für Echtzeitüberweisungen gestartet, am Dienstag rollte man das Feature für alle 50 Millionen Kunden deutschlandweit aus.

Apple-Nutzer geben lieber Geld aus als Android-Nutzer

Dass Sparkassen-Kunden mit Android-Smartphones wohl nicht in den Genuss von Google Pay kommen werden, scheint fast gesetzt. Unklar ist, ob das Vertrauen in die Eigenlösung größer ist als in einen Erfolg Apple Pay. Der offenkundige Vorteil von Diensten wie Google und Apple Pay für die Endnutzer ist die einfache Benutzung. Weil es sich um Systemapps unter Android und iOS handelt, sind sie komfortabler zu nutzen als die Anwendungen von Drittanbietern. Kein App-Öffnen, sondern die einfache Bestätigung mit dem Fingerabdruck oder einer PIN, um zu bezahlen. Mehr braucht es nicht. So gelingt es Apple immer wieder, nachhaltig Trends zu setzen und Technologien in den Mainstream zu pushen.

Tim Cook: Nutzerzahl von Apple Pay verdreifacht

Und auch wenn die Verbreitung von Android-Smartphones auch im deutschen Markt höher ist: Die Bereitschaft von Apple-Nutzern, über und mit ihren Devices Geld auszugeben, ist seit Entstehung des App Store signifikant höher als unter Android-Usern. Apple-CEO Tim Cook hatte im Conference Call zum ersten Fiskalquartal 2017 bestätigt, dass das Transaktionsvolumen von Apple Pay um mehr als 500 Prozent gestiegen sei. Die Zahl der Nutzer hätte sich zum Vorjahreszeitraum sogar verdreifacht.

Die Banken müssen sich also nach Marktanteil oder Kaufbereitschaft entscheiden, mit wem sie technologisch partnern wollen. Gleichzeitig ist die Angst der Geldhäuser begründet, mit dem Aufkommen neuer, mobiler Bezahllösungen (PayPal kündigt ebenfalls Interesse an) den direkten Kundenkontakt an Google, Apple und Co. zu verlieren. Die ewige GAFA-Gretchenfrage, die sich jede von der Digitalisierung betroffene Industrie zwangsläufig stellen muss in einer Zeit, in der die IT-Riesen den Kundenkontakt dominieren.

Ein Blick auf den europäischen Markt gibt Aufschluss

Dass dürfte die Ing-Diba dennoch nicht davon abhalten, mit Google und Apple gleichermaßen eine Kooperation einzugehen. Deutschlands größte Direktbank ist extrem darum bemüht, seine Kunden zu „Mobile First“-Nutzern zu erziehen. Während die ING-Kunden in den Niederlanden zu rund 80 Prozent via Smartphone und Tablet auf ihr Konto zugreifen, sind es in Deutschland nach unseren Informationen nur knapp über 20 Prozent. CEO Nick Jue erklärte im Rahmen der Money 20/20 gegenüber FinanceFWD, dass ihm viel daran gelegen ist, das zu ändern. Insofern ist eine Kooperation mit Google und Apple Pflicht. In Polen ist Google Pay übrigens schon für ING-Kunden nutzbar.

Die zweitgrößte Direktbank DKB scheint zumindest besonders an Apple Pay interessiert zu sein. Das könnte man zumindest aus einer Präsentation aus dem März zu entnehmen. Dass ein derartiges Mockup in einer offiziellen Präsentation gelandet ist, dürfte in in Apples PR-Abteilung auf wenig Begeisterung gestoßen sein. Insofern will die Kreditbank auch eine mögliche Kooperation nicht kommentieren. Für gewöhnlich entstehen solche Mockups aber auch nur in enger Abstimmung mit Apple.

Umso bezeichnender ist, dass Paymentandbankings Jochen Siegert die Grafik im Rahmen einer Präsentation über „Herauforderungen der GAFAs für Bank, Branding und Kundenbeziehungen“ entdeckte.

Dass die Santander in Deutschland mit Apple Pay kooperieren wird, dürfte ebenfalls als gesetzt gelten. Schließlich bietet die Bank den Support für Apples Bezahldienst schon in Spanien, Norwegen und Großbritannien an.

Bei der Hypo-Vereinbank lehnen wir uns mit Blick auf die internationalen Kooperationen der Konzernmutter mal ein wenig aus dem Fenster und behaupten, dass die HVB ebenfalls zu den ersten Partnern von Apple Pay in Deutschland zählen wird. So ist die Konzernmutter Unicredit etwa im Heimatmarkt Italien mit Apple Pay vertreten. Wir erinnern uns: Auch bei Instant Payments legte die Unicredit im vergangenen Herbst in Italien vor, und die Hypo zog umgehend für Deutschland nach.

Die Postbank und die Mutter Deutsche Bank hingegen werden wohl weiterhin ihre eigene Mobile-Payment-Lösung in ihren Banking-Apps forcieren. Seit vergangenem September können Kunden mit ihrem Smartphone über den „Postbank Finanzassistent“ und „DB Mobile Banking“ (schon seit April 2017). Damit waren sie die ersten Geldhäuser, die mobiles Bezahlen in Deutschland anbieten. Kunden brauchen dafür ein Smartphone mit Android-Betriebssystem sowie eine NFC-fähige Kreditkarte – iPhone-Nutzer sind außen vor.

Kunden sind (noch) skeptisch

Weitaus skeptischer als die Banken sind allerdings die Kunden. 61 Prozent nutzen Smartphone-Zahlung oder kontaktloses Zahlen mit der Giro- oder Kreditkarte bisher nicht – und planen das auch nicht. Das ergab eine Umfrage der Postbank unter 3100 Personen. Ähnliche Erkenntnisse lieferte eine Befragung des IT-Lobbyverbandes Bitkom, wonach 59 Prozent der Kunden nie mit dem Smartphone zahlen. Nur 20 Prozent haben laut der Postbank-Studie schon per Smartphone ihre Einkäufe begleichen oder kontaktlos mit ihrer Giro-oder Kreditkarte bezahlt. Der Hauptgrund: Angst vor dem Daten- und damit auch Geldverlust. 61 Prozent führen vor allem Sicherheitsbedenken an und glauben, dass Hacker so auf ihr Konto zugreifen könnten.

Und dass, obwohl schon rund 60 Prozent der Bezahlterminals im Einzelhandel mit NFC-Hardware ausgestattet sind und beim mobilen Bezahlen über das HCE-Verfahren die Kunden- und Kontodaten bei der Bank bleiben. Dabei App fungiert dabei als virtuelle Kreditkarte, während beim Bezahlvorgang nur verschlüsselte Transaktionsdaten übertragen werden, aber eben keine Kunden- und Kontodaten. Dennoch ist Mobile Payment ein Trend, dem sich die Bankenbranche nicht verschließen kann und wird. Und sei es, um das Momentum zu nutzen, das nun Google und Apple erzeugen und die Technologie in Deutschland auf Millionen Geräten schlagartig verfügbar machen.