Der Fintech-Manager Marko Wenthin (Bild: PR)

Nächster Aufbau-Job – Marko Wenthin wird Chef von Crosscard

Exklusiv: Der ehemalige Penta-Chef Marko Wenthin will mit Crosscard einen neuen Anbieter für Plattform-Banking großmachen. Auch ein potentieller Konkurrent für die Solarisbank, die er einst mit aufbaute.

Er hat es schon einmal geschafft. Als Marko Wenthin 2019 zu dem Banking-Startup Penta kam, musste er viel umkrempeln. Als CEO entwickelte er das Produkt weiter, baute die Führungsriege um und holte neue Geldgeber an Bord, die Millionen in das Startup steckten. Mittlerweile zählt Penta – mit seinem digitalen Konto für Firmenkunden – zu einem der Fintech-Hoffnungsträger, trotz der internationalen Konkurrenz.

Bereits eineinhalb Jahre später schied Wenthin aus privaten Gründen bei Penta wieder aus und es wurde still um ihn. Im Karriere-Netzwerk schaltete er die Beschreibung auf „Time-off“ und investierte in ein paar Startups. Doch im Hintergrund arbeitete er an seinem Comeback.

Nun ist klar, wohin es den ehemaligen Banker verschlägt. Wieder steigt er als CEO bei einem bestehenden Fintech ein. Es handelt sich dabei um das Münchner Unternehmer Crosscard. „Die Situation ist nicht unähnlich zu meinem Einstieg bei Penta, es geht darum, eine neue Strategie zu entwickeln und diese dann zielgerichtet umzusetzen“, sagt Wenthin.

Eine ehemalige Tochter vom Hidden Champion PPRO

Crosscard ist ein Unternehmen, das bislang nur wenige Szenekenner auf dem Zettel hatten. Schon vor einiger Zeit wurde es aus dem Zahlungsdienstleister PPRO herausgelöst. Das deutsch-britische PPRO gehört zu den Hidden Champions, es wird seit einer Finanzierungsrunde Anfang des Jahres mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet.

Einer der PPRO-Gründer, Philipp Nieland, hat sich nun mit Wenthin verbündet und kaufte die bestehenden Investoren bei Crosscard heraus. Wie schon bei Penta soll die Firma einen Neustart hinlegen. Dabei muss das neue Management nicht bei Null starten: mit dem existierenden Geschäft setzte Crosscard im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 16 Millionen Euro um.

Als Service bietet die Münchner Firma Kreditkarten für große Unternehmen an. „Klassische Anwendungsfälle sind virtuelle Kreditkarten, die einmalig für eine Hotelbuchung hinterlegt werden“, erklärt Wenthin. Zu den Kunden zählen beispielsweise der Dax-Konzern Merck und der Reise-Konzern Booking.com. „Im Gegensatz zu Anbietern wie Pleo und Spendesk konzentrieren wir uns auf große Firmen, die Tausende Kreditkarten abnehmen, insbesondere für die Automatisierung von Geschäftsprozessen“, sagt der neue CEO.

Konkurrent von einem alten Bekannten

Unter der Marke Viabuy richtet sich die Firma zudem auch an Endkunden. Mit Zahlen, die nicht schlecht aussehen: Mehr als eine Million Karten hat die Firma ausgegeben, 120.000 Kunden verwenden das Konto jeden Monat. Das Angebot sei erfolgreicher als manches neuere Fintech, so Wenthin.

Das Fintech besitzt bereits eine E-Geld-Lizenz in Luxemburg, das Team zählt 70 Mitarbeiter in München und zehn in Luxemburg. „Im PPRO-Geschäft stand Crosscard nicht im Fokus, deswegen müssen wir die Firma strategisch neu ausrichten“, sagt Wenthin. An den konkreten Plänen arbeiten er und das Team zurzeit. „Es soll in Richtung eines Plattform-Angebots gehen – damit auch andere Partner ihre Produkte mit der Infrastruktur von Crosscard entwickeln können“, sagt der neue CEO.

Er tritt damit ausgerechnet in Konkurrenz zur Berliner Solarisbank, die er einst als Vorstand mit aufbaute. Gerade in der Anfangszeit verkaufte er die Vision der Plattform-Bank nach außen. Nun will er es mit Crosscard noch einmal versuchen – und ist überzeugt, der Markt vertrage noch „ordentlich Konkurrenz“.

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