Vantik-Gründer Til Klein endet sein Angebot im Oktober. (Bild: PR)

Das Ende der Altersvorsorge-App Vantik – Vivid und Evergreen übernehmen die Kunden

Exklusiv: Das insolvente Berliner Fintech-Startup Vantik stellt sein Geschäft im Oktober ein. Die Kunden sollen an das Leipziger Geldanlage-Startup Evergreen und die Neobank Vivid vermittelt werden. Neue Zahlen zeigen: Das Startup war kleiner als bislang angenommen.

Vantik war eines der ersten Opfer der in diesem Sommer abgekühlten Investoren-Stimmung. Nach einer geplatzten Finanzierungsrunde musste die Finanz-App Ende Mai Insolvenz anmelden. Das Startup bietet seinen Kunden eine Bankkarte, die per Cashback eine Altersvorsorge aufbauen soll.

Eigentlich sah sich Vantik stark aufgestellt. Es habe mehr als 20.000 Nutzer gewinnen können, die mehr als zwölf Millionen Euro umgesetzt und mehr als fünf Millionen Euro angespart hätten, hieß es in einer Pressemitteilung. „Wir machen weiter“, ließ sich Gründer Til Klein zitieren. Und: „Unsere Mission ist noch nicht zu Ende.“ Der Insolvenzverwalter Christian Otto ging auf weitere Investorensuche.

Doch eine umfassende Lösung konnte auch Otto nicht finden – im Oktober stellt Vantik sein Geschäft ein, wie das Unternehmen am Montagmorgen seinen Kunden mitteilt. Wie bereits bei der gescheiterten App Rubarb schlägt Evergreen zu, heißt es gegenüber Finance Forward. Das Leipziger Investment-Startup wird den Kunden ein Angebot machen. Zusätzlich wirbt die Neobank Vivid um Vantik-Kunden. Dabei stellt sich die Frage: Wie stand es zuletzt wirklich um Vantik – was ist da noch zu holen?

Nur die Hälfte der Kunden hatte tatsächlich Depots

Die Idee von Vantik war, zwei verschiedene Fintechprodukte miteinander zu verbinden. Durch die Nutzung der Bankkarte sollten die Kunden Cashback erhalten, das dann direkt in die Altersvorsorge investiert wird – in ein ETF-Produkt von Vantik. Der bekannte Business Angel Christophe Maire, N26-Gründer Maximilian Tayenthal und der Fintech-Vordenker André Bajorat investierten früh.

Anfang 2021 setzten weitere Investoren auf die Idee, eine genaue Summe oder Bewertung der Finanzierungsrunde nannte Vantik allerdings nicht. Doch die Anteile des Gründers verwässerten dabei von rund 37,5 Prozent auf 17,1 Prozent, wie Gründerszene berichtete. Ein ungewöhnlich großer Machtverlust, der Zweifel an guten Konditionen weckte.

Der Gründer glaubte dennoch weiterhin an die Idee. „Beim Einstieg in die Altersvorsorge gibt es große Angst, etwas falsch zu machen“, hatte Gründer Til Klein gegenüber Finance Forward 2020 erklärt. „Genau das umgehen wir mit der Vantikcard, der Einstieg ist extrem einfach.“

Damals hatte das Startup „mehrere Tausend Nutzer“, es war ursprünglich 2018 mit einer Altersvorsorge-App gestartet, die wie ein Robo-Advisor funktionierte. „Die Marketingkosten pro Kunde lagen bei weit über 100 Euro, was für das Geschäftsmodell zu teuer ist“, sagte der Vantik-Gründer. Außerdem dauere bis zu einem halben Jahr, bis sich ein Kunde nach dem ersten Werbekontakt überzeugen ließe. „Die Kunden bekommen, bei dem, was sie an Informationen zum Thema finden, das kalte Kotzen“, sagte Klein über den Markt.

Das Problem von Vantik habe allerdings woanders gelegen, sagt ein Branchenkenner, der die Firma gut kennt. „Das Produkt spricht zwei verschiedene Zielgruppen an, die sich nur sehr schwer miteinander kombinieren lassen.“ Eine Bankkarte muss anders vermarktet werden als etwa ein Investment-Produkt.

Diese Schwierigkeiten werden von der Kundenzahl untermauert. Von den 20.000 Nutzern, die Vantik öffentlich nennt, hatte nach Informationen von Finance Forward nur rund die Hälfte tatsächlich ein Depotkonto bei der Partnerbank DAB BNP Paribas. Einige davon hätten Vantik nur probeweise genutzt und kleine Beträge des einprozentigen Cashbacks darin liegen. Die andere Hälfte hatte den Anmelde- und Identifikationsprozess noch nicht vollständig durchlaufen. Zahlen, die kein gutes Licht auf das Startup werfen. Gründer Til Klein äußerte sich auf eine Anfrage von Finance Forward nicht.

Die Kunden teilen sich nun auf

Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Kundengruppen von Vantik hat der Insolvenzverwalter nun eine passende Lösung gefunden. Sowohl die Neobank Vivid als auch der digitale Vermögensverwalter Evergreen machen ihnen ein Angebot. Vivid bietet bereits eine Bankkarte mit Cashback, zu Evergreen können die Kunden die bereits angesparten ETF-Vermögenswerte übertragen.

Ähnlich wie bereits bei Rubarb nutzt das Leipziger Startup den denselben Depotanbieter, deshalb ist für die Kunden kein aufwendiger Depotübertragung nötig. Die Kunden müssen quasi nur ein Häkchen setzen und bekommen Zugangsdaten für Evergreen zugeschickt, wo dann bereits die Vermögenswerte angezeigt werden.

Dafür hat Evergreen-Chef Iven Kurz mit Vantik eine Gebühr vereinbart, hinzu kommt eine Provision für jeden erfolgreichen Übertrag, genaue Zahlen will er nicht nennen. „Wir wollen nicht höher liegen als bei unseren üblichen Kundenakquisekosten, die sind im Schnitt unter 100 Euro“, sagt er. Er rechnet mit zehn bis 20 Prozent der Vantik-Kunden mit werthaltigen Depots, die das Angebot annehmen werden, besondere Werbekonditionen für einen Wechsel zu Evergreen gibt es nicht. Bei Vivid gibt es zu Beginn ein höheres Cashback.

Aus dem Kombi-Angebot von Vantik werden sich die Kunden nun also wieder in einzelne Anbieter einsortieren: Die ETF-Sparer und die Cashback-Fans mit Bankkarte. Die Idee, die beiden Angebote zu vereinen, ist gescheitert.

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