Das Vantik-Team sitzt in Berlin (Bild: PR).

Cashback als Altersvorsorge: Vantik startet mit Bankkarte

Exklusiv: Für das Berliner Fintech Vantik war es bislang teuer, Kunden von seiner Altersvorsorge-App zu überzeugen. Mit einer Bankkarte und einem Trick soll es nun gelingen.

Als die Coronapandemie im März Deutschland erreichte, passte auch Til Klein die Pläne an. Er trat auf die Bremse und verringerte die Marketingausgaben seines Startups Vantik. Mit der Investment-App können junge Menschen für das Alter vorsorgen, sie investieren dafür in ETFs, das eingezahlte Geld wird dabei abgesichert.

Mehrere tausend Nutzer zählt das Unternehmen. Doch es gab zwei grundlegende Probleme. „Die Marketingkosten pro Kunde lagen bei weit über 100 Euro, was für das Geschäftsmodell zu teuer ist“, sagt der Vantik-Gründer. Außerdem würde es extrem lange dauern, bis sich ein Kunde nach dem ersten Werbekontakt überzeugen ließe – bis zu einem halben Jahr. Generell würden sich viele vor dem Thema Altersvorsorge scheuen und es vor sich her schieben. „Die Kunden bekommen, bei dem, was sie an Informationen zum Thema finden, das kalte Kotzen“, sagt Til Klein.

Ohne Pandemie hätte Vantik einfach weiter gemacht und versucht, die Marketingkanäle besser auszusteuern – die Kosten zu senken. Doch in der Krise hinterfragten Klein und sein Team ihren Ansatz grundsätzlich. „Wir wollten nicht dumm rumsitzen und haben angefangen zu testen“, so der Gründer.

Der Kartentrick

Herausgekommen ist ein neues Produkt mit einer Bankkarte und einem Trick: Bei jedem Einkauf mit der Debitkarte erhält der Kunde ein Prozent des Wertes zurück (Cashback) und dieses Geld wird in die Altersvorsorge investiert, in das ETF-Produkt von Vantik. „Beim Einstieg in die Altersvorsorge gibt es große Angst, etwas falsch zu machen“, sagt Klein. „Genau das umgehen wir mit der Vantikcard, der Einstieg ist extrem einfach.“

Nur mit einem Prozent Cashback, das sich vielleicht auf fünf Euro pro Monat beläuft, kann das Vorsorge-Problem jedoch nicht gelöst werden. „Die 20 Cent, die du bei einem Einkauf, für die Rente sparst, werden dich nicht reich machen, aber es ist der Anfangspunkt“, um mehr Geld bei Vantik zu investieren, sagt Klein. Beim eigentlichen Produkt fließt das Geld in ETFs und ein kleiner Teil in einen Sicherungstopf, so will das Unternehmen sicherstellen, dass bei einem Ausstieg immer mindestens das eingezahlte Geld zur Verfügung steht.

Durch die Karte und die Pushnachrichten bei den Ausgabe komme Vantik mit seiner App auch öfter in Kontakt mit den Nutzern. Es soll sich dabei um eine Debitkarte handeln, die an das normale Girokonto angebunden ist. Weitere Funktionen könnten folgen. Mit Bankpartnern ist Vantik gerade in den Verhandlungen. Die Solarisbank oder die Raisin Bank würden dabei in Frage kommen.

In den vergangenen Wochen hat Vantik die Produktidee unter der Marke Vashcard getestet, es gab eine Produkt-Website mit Warteliste. Das Produkt sei viel besser angekommen als das bisherige, sagt Klein. Die Marketingkosten, um einen Kunden zu überzeugen, sich auf die Warteliste einzutragen, seien drastisch gesunken. Das Startup schaltete die Tests vor allem auf Facebook und Instagram, die Kosten lagen bei deutlich unter zehn Euro. Um Zufallstreffer auszuschließen, testeten sie weiter. Nach weiteren Ergebnissen hat sich Vantik nun entschieden, die Karte herauszubringen.

Ein Produkt für die große Masse?

Es gibt natürlich zahlreiche Bonusprogramme und auch Cashbacks, etwa bei der Neobank Vivid oder Check24. Doch Til Klein glaubt, dass die Kombination mit der Altersvorsorge trotzdem einschlagen wird. Zusammen mit Partnern sollen außerdem neue Anreize geschaffen werden – mit Summen, die das Sparen sinnvoll machen, so Klein.

Gerade durch den Sicherheitspuffer hebt sich Vantik von anderen Robo-Advisorn ab. „Dieser Sicherheitsaspekt spielt bei uns eine wichtige Rolle“, sagt der Gründer. Er wolle dabei auch nicht die Kunden erreichen, die zum Beispiel bereits mit Aktien ihr Geld anlegen, sondern die große Masse, die noch kein Geld am Finanzmarkt anlegt.

Anfang des kommenden Jahres soll es mit der Vantikcard losgehen. Davor wird das Startup nur die Warteliste und einige Testkunden zulassen. Etwa zehn Leute beschäftigt das Unternehmen zurzeit, mit dem kleinen Team soll es auch weitergehen. Der bekannte Business Angel Christophe Maire, N26-Gründer Maximilian Tayenthal und der Fintech-Vordenker André Bajorat sind bereits bei Vantik investiert. In den kommenden Monaten will Til Klein für den nächsten Schritt auch mit Startup-Investoren sprechen.

Vantik ist ein weiteres Beispiel für den Kartentrend. Über die Suchmaschine Ecosia und ihre Karten hatten wir kürzlich berichtet. Weitere Hintergründe zu der Fintech-Strategie lest ihr in unser Analyse.

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