Junge Smartphone-Nutzerin (Bild: Kev Costello/Unsplash)

Krypto-Startup Ultimate im Test: Defi-App im Trade-Republic-Stil

Ultimate gehört zu den aktuell gehypten neuen Krypto-Apps, mehr als eine halbe Million Menschen befinden sich auf der Warteliste. Das Berliner Team will „Decentralized Finance“ in den Massenmarkt bringen. Was kann die App bislang? Ein Test.

Schon für die Anmeldung mussten interessierte Nutzer sich bei vielen Krypto-Angeboten durch eine Masse an Details durchwühlen. Die Welt der sogenannten Decentralized Finance – kurz Defi – war bislang vor allem erfahrenen Anlegerinnen und Anlegern zugänglich. Die App Ultimate ist gestartet, um das zu ändern. Mit viel Resonanz. Rund 515.000 Interessierte befinden sich aktuell auf der Warteliste.

Über die Krypto-App, die in wenigen Tagen offiziell international starten soll, kann man sich tatsächlich unkompliziert ein Konto anlegen, wie ein Test von Finance Forward zeigt.  Die „Secret Phrase“ für eine neue Wallet wird innerhalb von einer Minute erstellt. Sie ist das wichtigste Detail, wer den Code verloren hat, kann auf seine Kryptowährungen nicht mehr zugreifen. Deswegen haben die Ultimate-Macher eine Speicherfunktion in Apples „iCloud“ eingebaut – das widerspricht sicherlich dem ursprünglichen Gedanken von dezentralen Strukturen, aber fühlt sich sicherer an.

Portfolio-Tracking von anderen Wallets

Über den Service Moonpay kann man sich nun Kryptowährungen auf das Konto laden und mit diesen arbeiten. Bislang läuft Ultimate nur über die Solana-Blockchain. Mit ein paar Klicks – und ein paar Fehlermeldungen in der Testversion – lassen sich die gekauften Solana wieder anlegen. Dafür erhält man über den Service Lido Zinsen in Höhe von 5,6 Prozent pro Jahr. Das klappt schnell und fast reibungslos.

Etwas versteckt finden sich weitere Features: In die App lassen sich auch andere Wallets und Portfolios integrieren und den Wertverlauf tracken. Da einige Portfolio-Adressen öffentlich sind, kann man sich beispielsweise anschauen, wie sich der Wertverlauf der größten Solana-Accounts verhält – und welche NFTs die Personen besitzen. Später wird sich dann auch beispielsweise die Wallet von Ethereum-Gründer Vitalik Buterin verfolgen lassen. Eigene andere Wallets lassen sich ebenfalls integrieren.

Bislang ist das Angebot noch eingeschränkt, in ein paar Monaten soll die Ethereum-Blockchain hinzukommen. Doch in der App sieht man, welches Potential Ultimate hat. Denn Ultimate schafft es, durch ein schickes und einfaches Design die Nutzererfahrung zu gewährleisten, die man von Fintech-Anbietern wie Trade Republic oder Coinbase gewohnt ist.

Die Schwierigkeit mit dem Massenmarkt

Allerdings: Wer gar keine Ahnung von dem Thema hat, wird sich eher schwertun – nicht mit der Bedienung, sondern mit der Frage, was er oder sie dort gerade macht. Auch wenn Ultimate auf einer Seite erklärt, warum die „Secret Phrase“ wichtig ist und was die Risiken bei einer Geldanlage über Lido sind.

Tatsächlich ist Ultimate von seinem Plan etwas abgewichen. „Im aktuellen Kryptowinter wollen wir erst einmal die etwas erfahrenen Nutzer erreichen“, sagt Mitgründer Max von Wallenberg auf Nachfrage. Das Fintech will sich im ersten Schritt von ihrem ursprünglichen Ziel „Defi für die Masse“ erst einmal etwas abkehren und eine Zielgruppe erreichen, die bereits etwas Erfahrung mitbringt, aber sich trotzdem von der einfachen Bedienung überzeugen lässt. „Im Vergleich zu Kryptowallets wie Metamask bieten wir einfach schon jetzt viele weitere Funktionen wie den angezeigten Wertverlauf zum Beispiel“, sagt von Wallenberg. Das Interesse sei groß. In der Marktphase lässt sich derweil nur schwer absehen, wie die Resonanz auf die neue Krypto-App sein wird. Nutzerinnen und Nutzer hierzulande müssen auch erst einmal warten. „In Deutschland müssen wir noch ein paar regulatorische Abstimmungen vornehmen und hoffen, dass wir in Kürze auch hier verfügbar sein werden“, teilt ein Sprecher mit.

Lehren für die Szene

Langfristig wird Ultimate für ein Massenpublikum weiter vor einer Schwierigkeit stehen: Die Macher müssen die App so einfach wie möglich halten, aber es braucht genügend Erklärung, um beispielsweise zu verstehen, dass man selbst gerade seine Kryptowährung über einen bestimmten dezentralen Krypto-Anbieter anlegt. Für seine Wallet selbst trägt man die Verantwortung, auch wenn Ultimate die angezeigten Anbieter prüfen will.

Der Fall des insolventen Startups Nuri ist sicherlich anders gelagert, weil es ein deutsches Unternehmen Geld an einen zentralen Kryptoverleiher in dem Fall Celsius weiterreichte. Manche Reaktionen der Nutzerinnen und Nutzer zeigen, dass sich einige in dem Massenmarkt den Verbindungen und Haftungsfragen bei ihrem Investment nicht bewusst waren. Genau diese Kommunikation muss Ultimate gelingen, wenn sie sich wieder dem Massenmarkt zuwenden.

Hinweis: Ein Statement des Sprechers wurde ergänzt.

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