Über die App hat Timeless einen Kunstdruck von Banksy verkauft (Bild: PR).

Deutscher NFT-Pionier Timeless erhält zwölf Millionen Euro

Exklusiv: Über seine Investment-App verkauft Timeless seltene Sneaker und teure Uhren. Ein Trend, auf den Startup-Geldgeber wie EQT nun wetten. Was verbirgt sich dahinter?

In Europa steht ein Gewinner bereits fest: Innerhalb von kurzer Zeit ist aus dem Fußballkarten-Startup Sorare eine Milliarden-Firma erwachsen. Es entstand ein regelrechter Wettbewerb der prominenten Geldgeber, bei der NFT-Firma investieren zu dürfen. Deutsche Fußballer wie André Schürrle oder Oliver Bierhoff stiegen mit ein, Hauptinvestor einer frühen Finanzierungsrunde war Headline (ehemals Eventures) und auch die Community ist in Deutschland angekommen, die mit den Fußballkarten auf der Blockchain handelt. Nur ihren Sitz hat die gehypte Firma in Paris.

Während vor allem in den USA Fintechs um das Hype-Thema Non-Fungible Token – kurz NFT – regelrecht boomen, war es gerade in Deutschland erstaunlich ruhig. Trotz der umtriebigen Berliner Krypto-Szene blieb der große Durchbruch bislang aus.

Nun gibt es ein erstes Marktsignal, dass ein größerer Player entstehen könnte: Timeless aus Berlin sichert sich zwölf Millionen Euro. Der schwedische Geldgeber EQT hat neun Millionen Euro investiert, weitere drei Millionen kommen von Altinvestoren wie Porsche Ventures oder EOS VC sowie La Roca Capital.

Kunstdruck von Banksy

Das Startup hat eine neuartige Investmentapp aufgebaut. Über die Timeless-App lassen sich seltene Sneaker, teure Uhren, Oldtimer oder Weine handeln – Kleinanleger können sich dabei ab 50 Euro einen kleinen Anteil an den Wertgegenständen kaufen. So will es Timeless ermöglichen, in eine neue Anlageklasse einzusteigen, die bislang eher wohlhabenden Investoren zur Verfügung stand. Auf der Blockchain festgeschrieben lässt sich ein kleiner Teil eines Sneakers erwerben. Das Fintech verwahrt die Gegenstände sicher und will sie in den kommenden Jahren gewinnbringend wieder verkaufen.

Gerade Kunstpreise sind zuletzt in die Höhe geschossen. Doch es lässt sich für die Kleininvestoren nur schwer abschätzen, wie sich Kunst von Banksy oder ein handsignierter Schuh vom Rapper Eminem im Wert entwickeln. Über verschiedene Portale für Uhren und Kunst oder Sneakerbörsen wie Stockx erhalte man zumindest ein Gefühl dafür, sagt Timeless-Gründer Jan Karnath. Je nach Kenntnis des Marktes sollten die Anleger auch nur einen kleinen Teil ihres Vermögens investieren, rät Karnath. Bei Anfängern eher fünf Prozent.

75 Gegenstände hat Timeless verkauft

Die neue Finanzierung soll das Wachstum des Startups befeuern, das Team wird ausgebaut – und Timeless kauft neue Wertgegenstände ein, die es teilweise vorfinanzieren muss. Zum Beispiel einen Macintosh, signiert von den Apple-Gründern Steve Jobs und Steve Wozniak.

75 Gegenstände hat Timeless mittlerweile in kleinen Teilen verkauft. Das Fintech verdient bei jedem Investment an einer Verkaufsgebühr und einem Verwahrgebühr von rund vier Prozent. Außerdem können die Anleger ihre Anteile handeln, auch dabei verdient Timeless.

Über die Anzahl der Nutzer und Umsätze spricht Timeless bislang nicht, aber das Investment deutet auf ein gutes Wachstum hin. Auch weil EQT einen großen Teil der Finanzierungsrunde alleine bestreitet. Die Bewertung soll nach Informationen von Finance Forward bei rund 50 Millionen Euro liegen. Karnath will die Bewertung nicht kommentieren.

Neue Konkurrenten tauchen auf

Der Fokus liegt nun erst einmal auf dem Wachstum in Deutschland. Das Projekt Gapless fährt das Team erst einmal zurück. Im Gegensatz zu Vorbildern in anderen Ländern konzentriert sich Timeless nicht auf ein Segment. So ist kürzlich ein Wein-Startup gestartet, das über seine Plattform nur die Anteile von teuren Weinen verkauft, die im Wert steigen sollen. Stockx bietet nur Sneaker an.

Zusätzlich drängen neue Wettbewerber auf den Markt. Beispielsweise Konvi, das einen ähnlichen Ansatz wie Timeless verfolgt. Dahinter steht die ehemalige deutsche Facebook-Managerin Lena Sonnen, die das Startup-Programm im deutschsprachigen Raum mitaufgebaut hat. Das junge Projekt dürfte allerdings bislang hinter Timeless liegen. Außerdem arbeitet die Deutsche Börse mit dem Fintech-Urgestein Carlo Kölzer an einem ähnlichen Projekt, das 360x heißt. Alle müssen noch beweisen, dass es für die neuartigen Investments einen großen Markt gibt.

Über die detaillierten Pläne von Jan Karnath und der Anziehungskraft von Sneakern, Uhren und Autos erfahrt ihr demnächst im FinanceFWD-Podcast, den ihr auf SpotifyDeezer oder iTunes findet.

Hinweis: Nachträglich wurde eine Information zur Bewertung ergänzt.

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