Das Fintech hat nach eigenen Angaben drei Millionen Kunden (Bild: PR).

Sumup erhält Kredit über 750 Millionen Euro

Das deutsch-britische Fintech Sumup plant mit einer massiven Finanzierung weitere Zukäufe und neue Bank-Produkte, finanziert wird das Wachstum von Geldgebern wie Goldman Sachs und Bain Capital. Einen Börsengang peile die Payment-Firma unterdessen erst frühestens in drei bis fünf Jahren an, sagt der Gründer.

Immer mal wieder gab es in den vergangenen Monaten kleinere Meldungen zu Sumup: Drei Firmen übernahm das Berliner Fintech, darunter den Kassensoftware-Anbieter Tiller aus Paris. Es deutete sich bereits an, dass Sumup sein Produkt stark ausbaut. Bislang hat es vor allem kleine Terminals an Händler vertrieben, mit denen beispielsweise Cafés und Friseure ihre Kartenzahlungen abwickeln können.

Nun folgt der große Paukenschlag: Das deutsch-britische Payment-Unternehmen verkündet eine Finanzierung über 750 Millionen Euro, das Geld stammt unter anderem von Goldman Sachs, Bain Capital und dem Singapurer Staatsfonds Temasek. Die Besonderheit: Sumup erhält das Geld als Kredit, die Finanzierer bekommen dabei keine Anteile, sondern einen festen Zinssatz.

Finanzierungsprodukt für Händler geplant

Es handelt sich bei dem Deal um die höchste Kreditfinanzierung eines deutschen Fintech-Startups. Der Vorteil für die bisherigen Gesellschafter liegt darin, dass ihre Anteile nicht wie bei einer normalen Finanzierungsrunde verwässern. Schon in der Vergangenheit hat sich Sumup mit Darlehen finanziert: 2019 erhielt es 330 Millionen Euro, und im Juli des vergangenen Jahres berichtete Finance Forward bereits über eine Kreditlinie im kleineren Umfang.

Mit dem Geld will Sumup nun sein Produkt erweitern: „Unser Ziel ist es, zum Betriebssystem unserer Kunden zu werden und alle Dienste vom Payment über den Launch eines Online-Shops bis hin zur Steuererklärung zu übernehmen“, sagt Sumup-Mitgründer Marc-Alexander Christ im Gespräch. Um den Plan umzusetzen, entwickele Sumup nun seine Finanz-Produkte weiter – und will auch stärker in den Banking-Bereich vor dringen. Dafür hat es das britische Fintech Paysolut übernommen.

Zusätzlich arbeitet es bereits an einem Finanzierungsprodukt für kleine Händler: In Großbritannien laufen bereits Tests das sogenannte Merchant Cash Advance. Das bedeutet, die Kunden bekommen eine Summe als Finanzierung und zahlen diese in Anteilen ihres künftigen Umsatzes zurück. „Dieses Produkt wollen wir nach Deutschland bringen“, kündigt Christ an. In Großbritannien kann Sumup das Produkt mit seiner E-Money-Lizenz anbieten, hierzulande werde es mit einem Bankpartner kooperieren.

Einbruch bei Lockdown

Weiteres Geld soll in das Marketing und neue Märkte fließen, um weiter zu wachsen. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in 33 Ländern aktiv, darunter die USA und Brasilien, zusätzlich will es zum Beispiel nach Kolumbien expandieren. Insgesamt zählt Sumup nach eigenen Angaben drei Millionen Kunden.

Unbestritten ist, dass Sumup zu den größten und wichtigsten deutschen Fintech-Startups gehört. Es beschäftigt mehr als 2.000 Mitarbeiter und plane weiter seine Belegschaft „signifikant“ auszubauen, so der Gründer. N26, das ebenfalls zu den großen deutschen Fintechs gehört, verlor dagegen in den vergangenen Monaten Hunderte Mitarbeiter, wie Finance Forward berichtete.

Wie hoch die aktuellen Umsätze von Sumup sind, ist dagegen unklar. „Auch 2020 sind wir gewachsen, haben aber vor allem sehr stark in die Produktentwicklung investiert“, sagt Christ. In Lockdown-Phasen wird der Umsatz eingebrochen sein, denn Sumup verdient vor allem an den Transaktionsgebühren seiner Händler. In einem Geschäftsbericht, über den Finanz-Szene.de kürzlich berichte, bestätigte Sumup diesen Einbruch.

2019 soll der Netto-Umsatz nach Informationen von Finance Forward bei rund 180 Millionen Euro gelegen haben. Im vergangenen Jahr hätten die Umsätze nach dem Einbruch im Frühjahr wieder angezogen, heißt es aus Finanzkreisen. Die 2019er Zahlen würden damit unter den bislang kolportierten 200 Millionen Euro liegen, trotzdem ist Sumup damit das umsatzstärkste deutsche Fintech. Zum Vergleich: N26 lag in dieser Zeit bei 100 Millionen Euro. Das Unternehmen will sich nicht zu den Geschäftszahlen äußern.

Spac-Deal kommt nicht infrage

Das Fintech hat mit der Kreditlinie nun einen Puffer, um sich auf einen Börsengang in der Zukunft vorzubereiten: Der sei „noch mindestens drei bis fünf Jahre entfernt“, sagt Christ. Auch einem Spac-Deal erteilt der Gründer eine Absage, dabei übernimmt eine börsennotierte Firmenhülle ein Startup und bringt es so direkt an die Börse.

Bei der Finanzierung profitiert Sumup derweil nicht direkt vom Aufwind der Paymentbranche, in der die Unternehmensbewertungen in den vergangenen Monaten explodiert sind. Sumup hat lange keine klassische Finanzierungsrunde mehr eingesammelt, eigene Geldgeber bewerten die Firma intern  teilweise mit mehr als drei Milliarden Dollar.

Sumup wird versuchen, durch die weiteren Finanz- und Software-Produkte den Umsatz pro Kunde zu steigern – und zusätzlich Neukunden zu gewinnen. Es muss dabei versuchen,  Gewinne zu erzielen – um am Ende die Kredite zu tilgen. Ansonsten bleibt als Variante neue Kredite aufzunehmen, um die alten zu bedienen. Dies hat das Fintech bei dieser Finanzierung getan, ein Teil der 750-Millionen-Finanzierung fließt in die alten Kredite, heißt es in der Pressemitteilung.

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