Die N26-Gründer Maximilian Tayenthal (links) und Valentin Stalf (Bild: PR)

60 Euro Umsatz pro Kunde, 2,3 Millionen aktive Nutzer – die Hintergründe zu den N26-Zahlen

N26 veröffentlichte am Donnerstag explodierende Verluste für das Jahr 2019. In den detaillierten Zahlen zeigt sich nun, dass die Smartphonebank im vergangenen Jahr seine Kosten stärker gesenkt haben dürfte. Doch die neue Strategie muss sich noch beweisen.

Die neuen Geschäftszahlen wirken wie eine Bestätigung für alle Zweifler: Gründer Valentin Stalf verkündete am Mittwochabend, dass seine Smartphonebank N26 das Jahr 2019 mit einem Verlust von 217 Millionen Euro beendete, dagegen standen 100 Millionen Umsatz. Teure Länderexpansionen und die vielen Neueinstellungen hätten die Kosten in Höhe getrieben, lautete die Erklärung.

Für das Startup sind die Zahlen aus dem vergangenen Jahr derweil entscheidender – sie sind die Grundlage, mit der die beiden Gründer demnächst auf Investorensuche gehen werden. Stalf und Maximilian Tayenthal müssen zum einen zeigen, dass sie mehr Geld pro Kunde verdienen können, zum anderen, dass das Berliner Unternehmen seine Kosten in den Griff bekommt – und trotz Corona wächst.

Der ausführliche Geschäftsbericht, der Finance Forward inzwischen vorliegt, beantwortet die wichtigsten Fragen: Wie viel Kunden nutzen N26 tatsächlich? Wie viel Umsatz macht die Bank pro Kunde? Wie hoch dürfte der Umsatz 2020 gelegen haben?

Der Provisionsüberschuss lag bei 48 Millionen Euro. Erträgen von 83 Millionen Euro standen 35 Millionen Euro an Aufwendungen gegenüber. Das Verhältnis hat sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Zu den Provisionen zählen beispielsweise die Kosten für die Premiumkonten und die sogenannte Interchange-Gebühr. Die erhält das Unternehmen, wenn die Kunden ihre Karte einsetzen.

Die zweite Einnahmequelle einer Bank sind die Zinserträge: Beim Startup bleiben 9,3 Millionen Euro von ihnen übrig, davon entfallen 4,3 Millionen Euro auf das Kreditgeschäft, dabei wird es sich vor allem um die Dispokredite handeln.

Knapp knapp die Hälfte der Kunden verwendet N26 tatsächlich

Im Januar 2020 vermeldete N26 eine Kundenzahl von fünf Million. Wie aus dem Geschäftsbericht 2019 hervorgeht, waren es zu der Zeit allerdings lediglich 2,3 Millionen „ertragsrelevante Kunden“, also solche, mit denen die Fintech-Bank wirklich Geschäft macht. Schon 2018 zählte nur knapp die Hälfte zu den aktiven Kunden.

Laut dem Geschäftsbericht verdiente N26 pro aktivem Kunden im Schnitt 60 Euro. Die Bank erhält ihre Einnahmen etwa durch die Premiumkonten oder nimmt Gebühren ein, wenn Kunden die Bankkarte verwenden. Genau diese sogenannten Unit Economics sind für das Unternehmen eine zentrale Kennziffer, da sie zeigt, wie lukrativ ein Kunde ist.

Umsatz erstmals höher als Verluste

N26 hat in den vergangenen Monaten den Fokus nicht mehr auf das starke Kundenwachstum gelegt. Vielmehr will es verstärkt Services wie Trading auf seiner Plattform anbieten, um den Umsatz pro Kunden zu steigern. Doch 2020 ist es offenbar nicht gelungen: „Wegen der weltweiten Corona-Epidemie gehen wir von einer leicht rückläufigen Entwicklung des Umsatzes je Kunde in 2020 aus“, heißt es in dem Bericht.

Mit diesen Werten lässt sich nun auch eine Prognose für Jahr 2020 aufstellen. Sollte sich der Anteil der aktiven Kunden nicht verändert haben, zählen mittlerweile von den verkündeten sieben Millionen ungefähr 3,22 Millionen zu den „ertragsrelevanten Kunden“. Im Jahresschnitt dürfte das Unternehmen dabei auf zwischen 2,5 und 2,8 Millionen der aktiven Kunden kommen.

Sollten diese tatsächlich etwas weniger Umsatz eingebracht haben (Annahme: zwischen 50 Euro und 55 Euro) bleibt ein Jahresumsatz zwischen 125 Millionen und 154 Millionen Euro für das Jahr 2020. Dem steht ein Verlust von 110 Millionen Euro gegenüber, diesen Wert hat Valentin Stalf im Handelsblatt-Interview bereits verraten.

Kosten besser im Griff

Dadurch zeigt sich, dass die Smartphone-Bank ihre Kosten im vergangenen Jahr drücken konnte, zwischen 248 Millionen Euro und 265 Millionen Euro. 2019 lag dieser Wert noch bei ungefähr 310 Millionen Euro, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Das wäre eine substantielle Verbesserung.

Nicht nur die Expansionen nach Großbritannien und in die USA trieben dabei die Kosten, sondern auch weitere Faktoren: So investierte N26 insgesamt 15 Millionen Euro für eine ausgelagerte Kundenbetreuung. Anfang 2019 musste das Unternehmen heftige Kritik einstecken, weil der Kundenservice nicht erreichbar war. Einem Kunde waren 80.000 Euro entwendet worden – und er erreichte bei der Bank niemanden. CEO Valentin Stalf gelobte damals Besserung. Diese Investitionen schlug sich 2019 in den Zahlen nieder.

Weiter verbuchte N26 „deutlich über den Erwartungen liegende Abschreibungen in Höhe 16,79 Millionen Euro“. Wie es zu diesem Wert kommt, wollte das Unternehmen nicht beantworten. Teilweise wird es sich um Dispokredite handeln, die ausgefallen sind.

Wie viel dieser Kosten 2020 anfallen sind, ist noch unklar, doch die Kosten dürften gesunken sein – während das Unternehmen auch bei den „ertragsrelevanten Kunden“ weiter gewachsen ist. Nun muss es belegen, dass es auch pro Kunde mehr Geld verdienen kann. Ein erster Schritt war kürzlich die Einführung eines weiteren Premium-Kontos, das nur 4,90 Euro monatlich kostet. Auf diesem Weg will das Unternehmen mehr Kunden dazu bewegen für das Konto zu bezahlen.

Weitere spannende Fakten aus dem Geschäftsbericht 2019:

  • Die Marketingkosten sind stark gestiegen: Sie lagen bei 68 Millionen Euro (Vorjahr 26,9 Millionen). Bei etwa 3 Millionen neuen Kunden in dem Jahr hat N26 etwa 22 Euro pro Kunde an Marketingkosten gezahlt (sogenannten Customer Acquistion Costs). Pro ertragsrelevantem Kunden waren es allerdings etwa 52 Euro, im Branchenvergleich immer noch ein guter Wert.
  • Die Kosten der Kundenverifizierung verdoppelten sich auf 10 Millionen Euro, die der Kartenproduktion ebenfalls auf 13,8 Millionen Euro.
  • Die Geschäftsführung, in der die beiden Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal sind, hat sich 2019 2,1 Millionen Euro von dem Unternehmen geliehen. Mitglieder des Beirats haben sich 1,7 Millionen Euro geliehen.
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