Nikolay Storonsky kam Mitte Mai 2022 nach Hamburg, um bei der Finance-Forward-Konferenz zu sprechen (Bild: Finance Forward)

Revolut knackt Eine-Millionen-Download-Marke – und bringt neues Feature

Die britische Neobank Revolut rollt ein eigenes Check-Out-Verfahren für Händler aus. Für den N26-Widersacher könnte sich das als lukratives Feature entpuppen.

Es wird ein heißer Sommertag im August gewesen sein, als Revolut den wichtigen Meilenstein erreicht hat. Nach Schätzungen der Analyseplattform Airnow Data wurde die Banking-App des britischen Startups in den vergangenen Wochen zum einmillionsten Mal heruntergeladen – in Deutschland allein. Die offizielle genannte Kundenzahl hierzulande ist „mehr als 500.000“. Klar, weitaus nicht jeder Download führt zu einer Kontoeröffnung – geschweige denn aktiven Nutzung. Trotzdem unterstreicht die Zahl die Ambitionen des Startups.

Die hat Gründer und CEO Nik Storonsky im Mai auch auf der Bühne der Finance-Forward-Konferenz formuliert. „Mein Ziel ist, dass die Leute uns als globale, grenzenlose Bank sehen“, sagte er. Eine, die viel moderner sei als die Traditionsbanken. „Etwa so wie ein Elektroauto gegenüber einem Dieselauto.“ Das Unternehmen kratzt in Sachen Umsatz an der Milliardenmarke – erst bei „fünf bis sechs Milliarden Dollar“ sei ein Börsengang in Sicht, sagte Storonsky. Dafür arbeitet es neben dem rasanten Kundenwachstum auch an neuen, im besten Fall margenstarken Produkten.

Vor kurzem ist Revolut mit „Buy Now, Pay Later“ und einem eigenen Kartenterminal gestartet, jetzt kommt eine eigene Zahlungsmethode für Online-Händler dazu. Was ist für Revolut im Zahlungsmarkt zu holen?

Möglichst viele Nutzer im Revolut-Universum

Am Montag startet das Finanz-Startup mit „Revolut Pay“, einer eigenen Click-to-Pay-Funktion, mit der Händler Revolut als Zahlungsmethode beim Check-Out angeben können. Die Kunden können so mit einem Klick bezahlen, der Vorgang wird per Face-ID oder Fingerabdruck validiert. So solle verhindert werden, dass Kontodetails mit Dritten geteilt werden, heißt es von dem Unternehmen. Die Zahlungsinfrastruktur kommt direkt von Revolut selbst.

Revolut-Kunden können mit ihrem Kontoguthaben direkt bezahlen. Für das Wachstum des Unternehmens ist jedoch viel spannender: Die Käufer müssen keine Revolut-Kunden sein, um die Zahlungsmethode zu nutzen. Sie müssen lediglich eine eine Karte von Mastercard- oder Visa bei Revolut Pay hinterlegen. Zu Beginn wird das Feature in Großbritannien und im europäischen Wirtschaftsraum ausgerollt.

Für das Startup mit Super-App-Ambitionen ist die neue Zahlungsart eine niedrigschwellige und günstige Methode, wesentlich mehr potenzielle Kunden zu erreichen. Statt teurer Marketingkosten kommen so über Online-Einkäufe bei Händlern mehr Nutzer in das Revolut-Universum. Und möglicherweise bleiben sie als Kunden.

Die Händler könnten mit Revolut Pay „in mehr als 20 Währungen zu niedrigen Gebühren“ Zahlungen entgegennehmen, heißt es in einer Mitteilung. Wie das im Detail aussieht, lässt das Fintech indes offen. Als erste Kunden nennt es das Shop-System Shopify und das britische Buchhandelsunternehmen WH Smith.

Revolut startete 2015 ohne Gebühren

Gestartet war das Startup 2015 als App für Vielreisende mit dem Kernprodukt international gebührenfreier Geldtransfers. Wichtig war: Die Transaktionen sollten kostenlos sein. Das neue Produkt im Zahlungsverkehr wird allerdings nicht komplett kostenlos sein. „Revolut Pay punktet durch Schnelligkeit, Sicherheit und niedrige Gebühren“, lässt sich Storonsky zitieren. „Damit verschafft Revolut Pay Händlern einen Wettbewerbsvorteil in einem schnell wachsenden E-Commerce-Markt.“

Ein Vorteil sei beispielsweise, dass die Gelder den Händlern ohne zusätzliche Kosten innerhalb von 24 Stunden überwiesen würden. Die Integration dauere nur wenige Minuten.

In Zeiten, in denen andere Startups auf die Bremse treten, rollt Revolut also weiterhin munter Produkte aus. An Kapital fehlt es dabei nicht, im vergangenen Jahr hatte die Neobank von Softbank und Tiger Global 800 Millionen Dollar eingesammelt. Zu einem Bericht der Financial Times, wonach Revolut aufgrund des aktuellen Fintech-Downturns seine Belegschaft verkleinern will, sagt das Unternehmen: Man stelle „trotz der Behauptungen über Kostensenkungen“ aktiv neue Mitarbeiter ein, passe aber „die geplante Mitarbeiterzahl an unser prognostiziertes Wachstum an“.

Und auch an Marketingkosten für die App sparen die Briten offenbar nicht: Besonders in den vergangenen Monaten hat Revolut in Deutschland nochmal ordentlich Kunden eingesammelt, allein in den sechs Monaten zwischen März und August kam die App auf 285.000 Downloads. Bis Ende 2020, also drei Jahre nach dem Deutschland-Launch, dümpelte die gesamte Kundenzahl bei gerade mal 300.000 herum – dabei waren sicher viele ungenutzte Konten.

Seit März hat die britische Neobank auch einen Verantwortlichen für das Deutschland-Geschäft: Wiktor Stopa. Mit den inzwischen 130 Berliner Kollegen sind die Ziele groß, der Standort gewinnt innerhalb des Unternehmens an Bedeutung: Das Startup siedelt hier auch immer mehr Manager an. Er trete an, „um die Party der traditionellen deutschen Banken zu beenden“, hat Storonsky mal gesagt. Langsam ist zu erkennen, was er meint.

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