Wiktor Stopa geht zu Revolut (Bild: imago/Scanpix)

Revolut bekommt Deutschlandchef – Berlin wird zum wichtigen Standort

Exklusiv: Revolut hat einen verantwortlichen Manager für den deutschen Markt gefunden. Das Wachstum hierzulande ist im vergangenen Jahr massiv angezogen, die britische Neobank siedelt immer mehr Manager in Berlin an.

Er trete an, „um die Party der traditionellen deutschen Banken zu beenden“, hat Revolut-Gründer Nikolay Storonsky mal gesagt. Das war vor fünf Jahren, danach ist lange nichts passiert. Die Kundenzahl dümpelte noch Ende 2020 bei rund 300.000 Nutzern.

Plötzlich, inmitten der Pandemie, fand Revolut in Deutschland dann zu neuem Leben. Die Neobank eröffnete ein Büro in Berlin und stellte massiv Mitarbeiter ein. Eine Million Menschen aus dem deutschsprachigen Raum verwenden nun Revolut, davon gut 500.000 hierzulande.

Und endlich hat die britische Neobank auch einen Verantwortlichen für das Deutschland-Geschäft gefunden. Sein Name: Wiktor Stopa. Sein bisheriger Arbeitgeber: das Versicherungs-Startup Clark. Er hat dort das Offline-Marketing geleitet, für Revolut soll er nun das weitere Wachstum vorantreiben. Mit den inzwischen 130 Berliner Kollegen sind die Ziele groß, der Standort gewinnt innerhalb des Unternehmens an Bedeutung: Das Startup siedelt hier auch immer mehr Manager an.

Der neue Chef muss einiges aufholen

Stopa muss nun einiges aufholen: Der 2017 eingestellte DACH-Chef Claudio Wilhelmer hatte das Unternehmen bereits nach wenigen Monaten wieder verlassen, die Suche nach einem Nachfolger blieb notorisch erfolglos. Stattdessen verantwortete Benelux-Chef Georges Nilles das Deutschland-Geschäft nebenher. Im Sommer 2019 kündigte Revolut 80 Stellen für das Technologiezentrum in der Berliner Friedrichstraße an, Ende 2020 waren 77 dann besetzt.

Auch mit der Suche nach einem Nachfolger für Wilhelmer hat sich das Startup über all die Jahre nicht leicht getan, Stopa ist als „Head of Growth DACH“ ebenfalls nicht die finale Lösung. Um die übliche Bezeichnung „Country Manager“ macht das Unternehmen in seiner Pressemitteilung noch einen Bogen. Unklar ist allerdings, ob ein Country Manager überhaupt noch eingestellt wird.

Denn alleine ist Stopa als Manager in Berlin bei weitem nicht, vor wenigen Wochen kam beispielsweise Christoph Kuban. Der ehemalige Ferratum-Manager soll als „Head of Lending Germany“ die Entwicklung von Banking- und Kreditprodukten vorantreiben – als Versuch, neben dem allgemeinen Kundenwachstum auch die Zahl Produkte pro Kunde zu steigern. Der entscheidende Mann allerdings ist Stopa.

Finanzchef der Bank kommt von N26

Hatte Revolut anfangs den deutschen Markt außer acht gelassen – möglicherweise aufgrund der damaligen Marketing-Omnipräsenz von Platzhirsch N26 –, scheint es nun seine Chance hierzulande erkannt zu haben. Auch der ehemalige N26-Manager Oliver Schreiber kam im November als Finanzchef der Revolut Bank hinzu (Finance Forward berichtete), mit Quentin Luce sitzt der „Global Head of Integrated Media“ ebenfalls in Berlin. In Zukunft werden sicherlich weitere Managementpositionen in der deutschen Hauptstadt besetzt.

Ein Faktor ist dabei das Geld, im Sommer hatte Revolut 800 Millionen Dollar eingesammelt – es kann sich eine größere Präsenz in Deutschland also durchaus leisten. Damit setzt Gründer Nikolay Storonsky N26 stark unter Druck, zumal sich die Berliner Neobank seit Monaten mit Problemen herumschlagen muss.

Das größte: Während Revolut Millionen in das Neukundenwachstum stecken kann – beispielsweise mit prominenten Werbeplatzierungen in der gehypten Liefer-App Gorillas –, hat die Finanzaufsicht Bafin N26 das Wachstum gedrosselt.

Seit Januar hat die Revolut Bank eine europäische Banklizenz, mit der Kunden in Deutschland von der Einlagensicherung abgesichert werden. Zuvor war sie hierzulande lediglich mit einer E-Money-Lizenz aktiv. Noch in diesem Jahr sei eine eigene Bankniederlassung in Deutschland geplant, dann würden auch Sparprodukte und Kreditkarten folgen, heißt es. In der Jobbezeichnung Stopas steht zudem, er solle lokale Partnerschaften aufbauen.

„Head of Investor Relations“ gesucht

Für Revolut wird ein erfolgreiches Wachstum in Deutschland auch wichtig für ein etwaiges Börsenprospekt sein. Ab einem Firmenwert von 20 Milliarden Dollar würde er anfangen, über einen Börsengang nachzudenken, sagte Storonsky einmal in einem Interview. Die Hürde ist längst überschritten, bei der jüngsten Finanzierungsrunde haben Softbanks Vision Fund 2 und Tiger Global sein Unternehmen mit 33 Milliarden Dollar taxiert.

Mitte 2021 hatte Revolut zudem die Position eines „Head of Investor Relations“ auf LinkedIn ausgeschrieben. Diese Stelle wird für gewöhnlich dann ausgeschrieben, wenn ein Unternehmen einen Börsengang anpeilt. Noch ist die Stelle allerdings offen.

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