Klarna zählt auch in Deutschland zu den populärsten Shopping-Apps (Bild: IMAGO/Rüdiger Wölk).

Super-App und #Klarnaschulden – wie wird der gehypte Payment-Dienst Klarna genutzt?

Schuldenfalle oder praktische Bezahlapp? Das schwedische Fintech Klarna ist auch in Deutschland populär, um seinen Online-Einkauf zu finanzieren. Erstmals gibt das Unternehmen nun Zahlen heraus, wie der Paymentdienst verwendet wird – und kündigt an, die Zahlungsoptionen grundlegend anzupassen.

Minütlich kommen neue Tweets über Klarna, oft verpackt in Witzen. „Ich bezahle meinen Käsekuchen in vier zinslosen Raten mit Klarna“, schreibt beispielsweise jemand auf dem sozialen Netzwerk Twitter. Um nachzuschieben: „Never mind, meine Kreditwürdigkeit reicht nicht aus, um diesen Käsekuchen zu kaufen.“

Ein harmloser Witz, der für mehr steht: Dem gefeierten schwedischen Payment-Anbieter ist gerade in den vergangenen Monaten ein Marketing-Kunststück geglückt – Klarna ist stellvertretend zur Marke einer neuen Kategorie geworden. So wie es Google für Internet-Suchen und Paypal für Zahlungen an Freunde gelungen ist. Klarna steht nun für Rechnungs- und Ratenkauf. Nur wenige globale Anbieter schaffen es zu einer solchen Markenbekanntheit.

Gleichzeitig besteht für Klarna die Gefahr, zum Synonym für ungesundes Finanzverhalten zu werden. Im sozialen Netzwerk Tiktok prahlten junge Erwachsene kürzlich mit ihren Schulden bei Klarna, wie Finance Forward berichtete. Doch bislang ist unklar, wie stark der Einfluss von Klarna wirklich ist: Wie verwenden die Nutzer den Dienst eigentlich? Kommen sie mit ihren Zahlungen in Verzug? Welche Rolle spielt die Banking-App? Eigene Zahlen und eine Umfrage, die für Finance Forward erstellt wurde, geben nun Aufschluss.

Auffällig ist: Fast die Hälfte aller Klarna-Nutzer bezahlt direkt, eine überraschend hohe Zahl. Klarna hatte für diesen Service das deutsche Fintech Sofortüberweisung gekauft. Der Anteil dürfte besonders in Deutschland hoch sein, weil die Sofort-Methode hierzulande beliebt ist.

Zahlungsziel von 14 Tage auf 30 Tage erhöht

Gerade den Anteil des Rechnungskaufs wird Klarna in Zukunft noch einmal erhöhen. Denn es kündigt nun an, das Zahlungsziel von 14 Tagen auf 30 Tage zu erhöhen. In dieser Zeit müssen die Kunden keine Zinsen mehr zahlen. Außerdem gibt es als weitere Alternative ein Bezahlen in drei zinslosen Raten.

Nach Angaben des Unternehmens kaufen in Deutschland nur drei Prozent auf Raten und holen sich damit einen Kredit. Rund jeder zehnte davon bekommt eine erste Mahnung, beim Inkassounternehmen landen allerdings nur 1,03 Prozent der Rechnungen insgesamt – ein gutes Ergebnis. Umfragen in den USA unter Nutzern von „Buy now, pay later“ hatten ergeben, dass rund ein Drittel in Verzug gekommen ist.

Klarna will generell der Kritik an der Branche entgegen kommen und wird nun seine Kunden sechs Mal gebührenfrei an die Zahlung erinnern, teilt es mit. Zusätzlich schafft es den Service ab, in dem man seine fällige Zahlung für eine Gebühr nach hinten verschieben kann. In anderen Märkten sei diese Änderung bereits gut angekommen, heißt es.

Das Zukunftsprojekt Super-App

Die App wird weltweit monatlich von 23 Millionen Menschen genutzt, heißt es vom Unternehmen. Insgesamt belaufe sich die Kundenzahl auf 147 Millionen – das beinhaltet jeden, der beim Online-Shopping mal Klarna als Zahlungsmethode angegeben hat. Die Zahl zeigt aber: Klarna hat bei seiner Smartphone-App noch Wachstumspotential.

Die App wird auch in Deutschland bekannter, wie eine Appinio-Umfrage unter 1.000 Menschen zwischen 18 und 65 Jahren ergab. Die Erhebung wurde für Finance Forward erstellt und ist hinsichtlich des Alters und Geschlechts repräsentativ. Dies zeigt sich auch in den Downloads, die gerade in Deutschland im Dezember stark gestiegen sind. Klarna muss sich gerade mit dem Produkt beweisen, laut einem Bloomberg-Bericht befindet es sich wieder auf Kapitalsuche.


Als Reaktion auf die Recherche zu den Klarna-Schulden hatte Finance Forward seine Leserschaft gefragt – es gab 253 Antworten. Das sind die Ergebnisse:

– Die Zahl der säumigen Kunden ist unter den FinanceFWD-Lesern höher als im Bundesschnitt und liegt bei rund einem Drittel: rund 20 Prozent haben nur eine Mahnung erhalten, bei rund zehn Prozent kam der Brief von einem Inkasso-Unternehmen.
– Circa sieben Prozent besitzen bereits das Konto, das Festgeldprodukt wird erst von drei Prozent verwendet. Auch hier gibt es noch Wachstumspotential.
– Die Shopping-App wird  von vier Prozent („Fast immer“) und von 15 Prozent gelegentlich verwendet. Rund drei Viertel haben angegeben: „Nein, kein Interesse.“

Tägliche Fintech-News in Dein Postfach!