Klarna ist mit knapp fünf Milliarden Euro das wertvollste Fintech Europas. (Bild: Presse)

Die erfolgsverwöhnte Klarna-Tochter Sofort wächst langsamer – warum?

Ohne viel Aufsehen erwirtschaftet der Payment-Anbieter Sofort jedes Jahr zweistellige Millionengewinne. Die eigenen Ziele konnte die Klarna-Tochter zuletzt nicht erreichen. Schwächelt das Fintech?

Dem bayrischen Fintech Sofort gelang einer der ersten großen Startup-Exits in Deutschland. Bereits 2014 kaufte Klarna das Startup für 150 Millionen Dollar. In dieser Zeit gab es nur wenige Unternehmensverkäufe, die einen dreistelligen Millionenbetrag einspielten.

Sechs Jahre später macht das Payment-Unicorn Klarna mit dem unspektakulären Produkt seiner Tochter immer noch Millionengewinne – jedes Jahr. Kunden können mit dem Service Sofortüberweisung im Internet bezahlen, sie loggen sich dafür in ihr Online-Banking ein und veranlassen so bereits die Zahlung.

Der neueste Jahresabschluss zeigt nun: Das Unternehmen wächst – und macht weiter einen zweistelligen Millionengewinn. Doch die selbstgesetzten Wachstumsziele hat es verpasst. Was ist der Grund?

Noch zeigt die Kurve weiter nach oben. 2018 lag das Rohergebnis, das etwa dem Umsatz entspricht, bei 63 Millionen Euro. Dies geht aus den Bundesanzeiger-Zahlen hervor, die vor wenigen Tagen erschienen sind. Doch das starke Wachstum der vergangenen Jahre konnte Sofort nicht durchhalten. 2017 übertraf es noch seine eigenen Ziele und wuchs um 31 Prozent. Für das folgende Jahr visierte die Sofort GmbH noch ein Umsatzwachstum von 25 Prozent an.

Herausgekommen ist für 2018 ein Umsatzwachstum von 6,4 Prozent (siehe Grafik). Grund dafür sei eine „strategische Verschiebung der Konzernausrichtung“, schreibt das Unternehmen in dem Bericht. Die Sofort-Mutter Klarna will sich dazu nicht äußern. Aus dem Umfeld des Unternehmens heißt es, neue Online-Händler würden mittlerweile öfter über eine Klarna-Schnittstelle angebunden.

Sie können so verschiedene Bezahlmethoden von Klarna anbinden wie zum Beispiel den Ratenkauf oder die Sofortüberweisung. In diesem Fall würden die Einnahmen über Klarna selbst laufen und nicht über die Sofort GmbH. Wie hoch die Umsätze ausgefallen sind, ist unklar – im Unternehmen sei man aber „zufrieden“, wie sich die Tochtergesellschaft entwickele, heißt es aus dem Umfeld der Firma.

Klarna habe in den vergangenen Jahren den Fokus auf andere Produkte gelegt und Sofort „eher etwas vernachlässigt“, heißt es dagegen von einem Branchenkenner. „Sofort passt nicht mehr zur Story von Klarna, dass alles schnell und einfach funktioniert und man zahlen kann, wann man will“, sagt ein anderer Paymentexperte. Bei Sofort müsse man die Zugangsdaten vom Online-Banking erst einmal eintippen, das sei nicht sonderlich einfach. Außerdem bezahle man sofort.

Doch die Gewinnmargen seien immer noch „traumhaft“. Klarna nehme die Gewinne von Sofort als Cash Cow gerne mit, so der Experte. Auch 2018 machte Sofort einen Gewinn von 23,5 Millionen Euro. Die wenigsten Fintech-Firmen in Deutschland machen überhaupt einen Euro Gewinn.

Doch auch beim Ergebnis verpasste Sofort das selbst gesetzte Ziel von 29 Prozent Wachstum. Stattdessen sank der Gewinn im Vorjahresvergleich deutlich um mehr als zehn Millionen Euro. Verantwortlich sei „zu einem Großteil (…) die geänderte konzerninterne Leistungsverrechnung“, heißt es in dem Jahresabschluss. Es handelt sich dabei wohl um Leistungen, die von der Muttergesellschaft Klarna für die Sofort GmbH erbracht – und dann der Tochtergesellschaft in Rechnung gestellt wurden.

So sind die Personalkosten für die 150 Mitarbeiter leicht auf etwa zwölf Millionen Euro gesunken. Die betrieblichen Aufwendungen sind aber von acht Millionen auf 26 Millionen Euro in die Höhe geschnellt. Laut Unternehmenskennern deutet es daraufhin, dass Klarna seine Tochter stärker integriert.

Dazu heißt es in dem Jahresabschluss, Sofort werde „zunehmend auch konzerninterne Aufgaben übernehmen“, das könnte auch Auswirkungen auf die künftigen Erträge habe. 2019 plante das Unternehmen, seinen Umsatz um zehn Prozent zu steigern. Die Gewinnen solle sogar etwas stärker steigen. In dem nächsten Jahresabschluss wird sich auch der Effekt der PSD2-Umstellung zeigen, bei dem viele Firmen Probleme hatten. Wie hoch das Ergebnis tatsächlich ausgefallen ist, wollte Klarna nicht sagen.

Klar ist: Das Tochterunternehmen soll stärker investieren. Klarna hat der Sofort GmbH 2018 ein Darlehen über 27 Millionen Euro gewährt.

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