Das Finleap-Team in der Zeit vor der Krise. (Bild: PR)

Check24, Finleap und Sumup – Fintech-Stars gehen in Kurzarbeit

Exklusiv: Nach dem Banking-Startup N26 melden weitere prominente Fintech-Unternehmen Kurzarbeit an. Die Coronakrise hat die Finanz-Startups damit endgültig erreicht.

Ramin Niroumand hält Kurzarbeit für ein „sehr gutes Modell“. Mit dem Fintech-Inkubator Finleap ist er nun diesen Schritt gegangen. Betroffen seien „Funktionen, die gerade weniger gebraucht werden“ – etwa in Unternehmensbereichen wie Recruiting oder Veranstaltungen. Darüber sprach der Finleap-CEO am Dienstag im Capital-Podcast „Die Stunde Null“ (ein ausführliches Gespräch gibt es am Mittwoch im FinanceFWD-Podcast).

Finleap zählt zu den wichtigsten Fintech-Playern in Deutschland. Mehr als 1.000 Mitarbeiter sind bei dem Company Builder beschäftigt. Der Schritt zeigt: Die Coronakrise ist in der Fintech-Szene endgültig angekommen. In der vergangenen Woche hatte bereits das Banking-Startup N26 insgesamt 150 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Laut Finanz-Szene.de nutzen nun weitere Unternehmen, beispielsweise die Spar-App Savedroid, ebenfalls das Instrument.

Bei einer Finance-Forward-Umfrage gaben Ende März etwa 20 Prozent an, Kurzarbeit anmelden zu wollen. Ein Viertel der befragten Unternehmer wollte die Option prüfen. Die Nachrichten der vergangenen Tage zeigen nun, dass die Fintech-Startups die Konsequenzen der Krise spüren. Mithilfe der Kurzarbeit sind sie in der Lage, länger mit ihrem Geld auszukommen – und die Krise besser zu überstehen. Dabei reduzieren Mitarbeiter ihre Arbeitszeit und bekommen das wegfallende Gehalt teilweise vom Staat erstattet.

Bei Sumup sind auch andere Märkte von der Kurzarbeit betroffen

Gleich mehrere großen Fintech-Firmen melden nun ebenfalls Kurzarbeit an. Dazu gehört seit vergangener Woche auch Sumup, wie das Startup Finance Forward auf Nachfrage mitteilte.

Das Unternehmen bietet ein Gerät an, mit dem kleine Händler Kartenzahlungen akzeptieren können. Die Sumup-Kunden – Cafés und Restaurants – sind von der Coronakrise besonders hart betroffen – und damit auch Sumup, denn das Unternehmen verdient anteilig an den Transaktionen. Es hatte bereits angekündigt, bei kontaktlosem Bezahlen auf die Gebühren zu verzichten, um seine Kunden zu entlasten. Außerdem hat es einen kleinen Hilfsfonds über eine Million Euro für betroffene Händler aufgelegt.

Mit 1.700 Mitarbeitern und mehr als 100 Millionen Euro Umsatz gehört Sumup zu den größten Fintechs in Deutschland. Von dem Unternehmen heißt es, in Deutschland würden sämtliche Mitarbeiter für drei Monate ein Drittel weniger arbeiten. Auch in anderen Märkten würde die Arbeitszeit reduziert, selbst wenn es keine Instrumente wie Kurzarbeit gebe.

Das Vergleichsportal Check24 merkt die Konsequenzen im Reisebereich

– Auch Check24 schickt ab Mittwoch Mitarbeiter im Reisebereich in Kurzarbeit: „Teile der Belegschaft“ seien dort betroffen, teilt das Unternehmen mit. Reisebuchungen sind seit Beginn der Coronakrise eingebrochen, was das Vergleichsportal nun spürt. Das Münchner Unternehmen will das Nettogehalt der betroffenen Mitarbeiter allerdings auf 100 Prozent aufstocken.

– Beim Finleap-Startup Joonko sind das Marketing und der Kundenservice teilweise von Kurzarbeit betroffen, wie das Unternehmen mitteilt. „Das Kfz-Neuversicherungsgeschäft läuft aufgrund der coronabedingten Schließungen aller Autohäuser und Kfz-Zulassungsstellen schleppend“, schreibt eine Sprecherin als Begründung. Das Unternehmen bietet seit Kurzem ein Vergleichsportal für Autoversicherungen an.

– Über Kurzarbeit bei der Crowdinvesting-Plattform Exporo hatte Finanz-Szene.de bereits berichtet. Auf Nachfrage von Finance Forward erklärt Exporo, dass die Teams in dem Hamburger Unternehmen unterschiedlich betroffen seien. Man reagiere mit Kurzarbeit auf das geringere Arbeitsaufkommen. „Oberste Priorität der Maßnahme hat natürlich der Erhalt der Arbeitsplätze, da wir aktuell nicht einschätzen können, wie sich die Pandemie und die resultierenden Auswirkungen weiter entwicklen“, teilt CEO Simon Brunke mit.

Weitere wichtige Fintech-Player sind bislang nicht betroffen, darunter die Zinsplattform Deposit Solutions, das Vergleichsportal Verivox und das Payment-Unternehmen Klarna, das in Deutschland ein eigenes großes Büro hat und mit den Zukäufen Billpay und Sofort vertreten ist.

Hinweis: Das Statement von Joonko wurde nachträglich ergänzt.

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