Finoa verwahrt die Kryptoassets in hochsicheren Rechenzentren. (Symbolbild: Taylor Vick on Unsplash)

Millionen für Finoa

Exklusiv: Das Berliner Blockchain-Startup Finoa verwahrt die Kryptoassets von Anlegern – und ebnet den Weg für mehr große Geldgeber in dem Markt. Für das weitere Wachstum erhält es nun Wagniskapital.

Christopher May beriet für McKinsey Banken und Versicherungen, als die Krypto-Welle losging. Um die neue Anlageform zu verstehen, handelte er ein bisschen – und hatte Pech. Sein Account bei der Kryptobörse Kraken, an der er die digitale Währung gekauft hatte, wurde von Kriminellen gehackt. In dem Goldrausch hatte er damit einen Teil seines Einsatzes direkt wieder verloren.

Aus der Erfahrung heraus erarbeitete er mit seinem Berater-Kollegen Henrik Gebbing die Idee, einen Kryptoverwahrer aufzubauen. „Institutionelle Anleger wie Fonds hatten ähnliche Probleme – nur in einer anderen Größenordnung“, sagt Gebbing im Gespräch mit Finance Forward. Mit den vorhandenen technischen Lösungen fühlten sie sich nicht wohl.

Seit Jahren gilt genau das als Hürde, denn viele der milliardenschweren Geldgeber schauen noch skeptisch auf den Kryptomarkt. Ein Grund dafür: Sie wissen nicht, wo sie ihre Kryptowerte sicher verwahren können. Die beiden Berater sahen die Marktlücke, kündigten ihre Jobs und gründeten Finoa. Seit dem vergangenen Frühjahr sind sie mit ihrem Berliner Fintech-Startup nun am Markt.

Blockchain-Investoren und Wagniskapitalgeber lassen ihre Kryptowerte von Finoa verwahren

Mit Investorengeldern will Finoa nun das weitere Wachstum beschleunigen: Das Startup erhält von Wagniskapitalgebern einen Millionenbetrag. Die genaue Summe teilt das Unternehmen nicht mit. Angeführt wird die Finanzierung von Venture Stars, der Münchner Geldgeber hat etwa die Ferienhaussuchmaschine Holidu finanziert. Ebenfalls bei der Finanzierung dabei sind der Blockchain-VC Signature und Coparion, der staatliche Wagniskapitalgeber ist mit 275 Millionen Euro ausgestattet.

Etwa 60 Kunden verwenden Finoa bereits, dazu zählen beispielsweise der Blockchain-Investor Invao, aber auch Wagniskapitalgeber wie Atlantic Labs, die Kryptowerte halten – oder an sogenannten Security Token Offerings teilnehmen. Einzelne Kunden lassen Werte im zweistelligen Millionenbereich bei Finoa verwahren. Über eine App können die Kunden ihre Anlagen verwalten.

Mit hohen Sicherheitsstandards sollen die Anlagen vor Hackerangriffen geschützt werden. Finoa setzt dabei auf sogenannte Hardware-Security-Module, die auch Banken verwenden. Die Kryptoassets würden in hochsicheren Rechenzentren in Deutschland gespeichert, auch dies entspreche Bankenstandards, heißt es von den Gründern. Für seinen Service erhält Finoa etwa 0,4 Prozent der aufbewahrten Summe. Wie viel Anlagewert das Unternehmen bereits für seine Kunden vorhält, will es nicht verraten.

„Es tut sich etwas im Markt“

Seit Anfang Januar ist nun ein Gesetz in Kraft, das auch Finoa betrifft. Es schafft Rechtssicherheit für Kryptoverwahrer, es gelten künftig hohe regulatorische Standards. „Durch die Gesetzesänderung tut sich etwas im Markt, alle traditionellen Finanzinstitute schauen sich den Markt an“, sagt der Finoa-Gründer Gebbing. Die Berliner Solarisbank hat bereits angekündigt, ebenfalls einen Kryptoverwahrer aufzubauen. Andere Institute wie die Commerzbank oder die DZ Bank hegen dagegen noch keine konkreten Pläne, wie das Branchenmedium BTC Echo berichtete.

Finoa will mit seiner vorläufigen Lizenz als Kryptoverwahrer und einem Jahr Entwicklungsarbeit seinen Vorsprung ausspielen. Aktuell bereitet es den Antrag für die Kryptoverwahrlizenz vor. Und Henrik Gebbing sucht sogar nach Bankpartnern, die die Finoa-Technik verwenden – anstatt eine eigene zu entwickeln.

Die Finoa-Gründer Henrik Gebbing und Christopher May (von links)
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