Peter Thiel in China (Bild: imago)

Krypto-Börse von Peter Thiel und Christian Angermayer: Bullish Global geht per SPAC an die Börse

Es wurde als Milliardenprojekt angekündigt, jetzt geht Bullish Global per SPAC an die New Yorker Börse. Das Unternehmen baut eine Krypto-Börse, die noch 2021 an den Start gehen soll.

Vor wenigen Monaten, kurz nach dem großen Coinbase-Börsengang, machten bekannte Investoren wie Peter Thiel und Christian Angermayer eine Ankündigung, die es in sich hatte: Mit fast zehn Milliarden US-Dollar Funding wollen sie die Krypto-Börse Bullish Global aufbauen – unter dem Dach von ihrem gemeinsamen Portfolio-Unternehmen Block.One. Das Projekt soll auf der eigenen EOS-Blockchain laufen, für die Block.One 2018 rund vier Milliarden Dollar in einem ICO eingesammelt hatte.

Nun bringen die Krypto-Investoren Bullish Global bereits an die New Yorker Börse, wie Finance Forward erfuhr. Und das per Spac (Special-Purpose Acquisition Company) – es wird also von der börsennotierten Mantelfirma des ehemaligen Präsidenten der New York Stock Exchange, Thomas W. Farley, aufgekauft. Über entsprechende Gerüchte hatte Bloomberg berichtet. Jetzt ist klar: Farley steigt als CEO von Bullish Global ein, während Block.One-Chef Brendan Blumer die Rolle des Chairman übernimmt.

Das Projekt verfolgt einen ambitionierten Plan, das zeigt auch eine Investorenpräsentation, die Finance Forward vorliegt. Neben rund 400 institutionellen Kunden rechnet es mit rund 40 Millionen Privatanlegern. „Die Chance liegt natürlich im vom Umsatz her riesigen Markt für Krypto-Handel und DeFi“, sagt Techaktien-Experte Philipp Klöckner. „Die führenden Börsen wie Coinbase, Binance und Kraken sind zusammen mehr als 100 Milliarden Dollar wert, davon will sich Bullish sicher einen Teil abschneiden.“

An dem Vorhaben kommt allerdings auch Kritik auf – an der Börse wird Kleinanlegern nun eine Aktie angeboten, hinter der noch gar kein gelaunchtes Produkt steht. Auch in der Präsentation heißt es: „Bullish hat noch keine Produkte vollständig entwickelt, getestet oder auf den Markt gebracht und es ist nicht sichergestellt, dass das Geschäft profitabel ist.“ Seine Markt-Prognosen wird Bullish Global zudem vor allem auf Basis der Rekordumsätze des ersten Quartals 2021 gemacht haben. „Ob man diese aber als richtungsweisend für langfristige Volumina annehmen kann, bleibt fraglich“, so Klöckner.

Für das Timing des Spacs, also vor Launch eines Produktes, gibt es laut Angermayer zwei Gründe. „Eine der wichtigsten Eigenschaften der Kryptowelt ist der Gemeinschaftsgedanke“, sagt er. „Da es in vielen Ländern immer noch rechtliche Hürden für Equity-Tokens gibt, hat Bullish sich entschlossen, den traditionellen Weg eines Börsenlistings zu gehen, um allen Kunden bereits zum Start der Handelsplattform die Möglichkeit zu geben, sich an Bullish zu beteiligen.“

Für das Geschäftsmodell der Börse sei die zusätzliche Liquidität aber auch wichtig. Durch den Spac sollen rund 900 Millionen Dollar zusammen kommen, wobei ein Drittel davon im Rahmen einer privaten Vereinbarung mit ausgewählten Investoren eingesammelt wurde, ein sogenannter Pipe-Deal. Das Spac-Geld kommt zu den bestehenden 164,000 Bitcoins (aktuell etwa 5,4 Mrd Dollar), rund 100 Millionen Dollar und 20 Millionen EOS-Token hinzu. Denn das Ziel von Bullish Global ist, institutionellen und privaten Anlegern Market-Making-, Kreditvergabe- und Portfoliomanagement-Produkte anzubieten, ohne dabei auf Intermediäre wie Banken zurückgreifen zu müssen. Es wird mit Kryptowährungen starten, sukzessive seien aber auch andere Assetklassen geplant, sagt Angermayer. Als Alleinstellungsmerkmal will sich das Unternehmen von Konkurrenten wie Coinbase mit einer großen Liquidität absetzen.

Für Bullish wird es wichtig, einen Unterschied zu bestehenden Börsen klar zu machen, denn das Unternehmen startet recht spät in den Bereich. Andere Börsen sind bereits einige Jahre am Markt und konnten so viele Kunden sammeln. „Die aktivsten Trader werden von den großen Börsen bereits gut bedient“, sagt Experte Klöckner. „Bullish scheint zu glauben, ein besseres Konzept für die an Börsen wichtige Liquidität gefunden zu haben und könnte Effizienz-Gewinne mit Anlegern teilen.“ Ob es diese Versprechen halten könne, stünde gerade vor dem Hintergrund, dass die Plattform nicht einmal vollständig gelauncht ist, noch in den Sternen.

Von Angermayer heißt es dazu: „Da bei Börsen die Kunden immer zu den liquidesten Handelsplätzen tendieren, bin ich zuversichtlich, dass Bullish sehr schnell nach Launch eine der weltweit führenden Kryptobörsen wird.“ Der Investor hat gleich auf mehreren Ebenen ein Interesse am Erfolg von Bullish Global: Neben einem eigenen Engagement ist seine börsennotierte Cryptology Asset Group sowohl bei Bullish als auch Block.One investiert.

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