Zwei Hamburger Unternehmen wollten fusionieren (Bild: Christian Lue/Unsplash)

Warum lebt Zinsland drei Jahre nach dem Zusammenschluss mit der Exporo AG weiter?

Exklusiv: Vor drei Jahren teilte das Crowdfunding-Startup Exporo mit, mit Zinsland zu fusionieren. Doch Zinsland gibt es immer noch – nicht nur die Marke, sondern auch die GmbH. Was ist da los?

Es war eine der spektakulärsten Zusammenschlüsse des Jahres 2019 im Fintech-Sektor: Im Oktober 2019 schlossen sich die Nummer eins im Markt für Immobilien-Schwarmfinanzierer (Exporo) und die Nummer zwei (Zinsland) zusammen, wie Finance Forward damals exklusiv berichtete.

Gemeinsam kamen die beiden vor allem dank der dominierenden Marktstellung von Exporo auf rund 85 Prozent Marktanteil im damals noch rasch wachsenden Markt für Immobilien-Crowdfunding. Der Zusammenschluss sei „der logische nächste Schritt“, hieß es. Mit der damals just überschrittenen Schwelle von 500 Millionen Euro vermitteltem Kapital bei Exporo gelinge „ein signifikanter Schritt in Richtung einer Marktkonsolidierung“.

Nun geht eine Konsolidierung in der Regel auch mit dem Verschwinden von Unternehmen einher – und oftmals auch von Führungskräften. Zinsland-CEO Henning Frank suchte jedenfalls schon im Frühjahr 2020 das Weite, Gründer und Vorstand Carl von Stechow zog zwar noch in den Exporo-Vorstand ein, verließ das Unternehmen aber im März 2021 und wurde Geschäftsführer der Cube Real Estate Nord.

Joint Venture statt Fusion

Das Unternehmen indes, über das Zinsland seinerzeit operativ tätig war – die Civum GmbH – das gibt es immer noch. Übrigens auch – anders als im eigenen Linkedin-Profil angegeben – mit dem Geschäftsführer Carl von Stechow, wie auch die quicklebendige Internetseite zinsland.de zeigt. Das zumindest erfahren unter anderem Kunden alter Zinsland-Projekte, die sich nach dem Verbleib ihrer Gelder erkundigen.

Bei Exporo erhalten sie keine Auskunft. Man könnte ihm „bezüglich Zinsland-Projekte nicht unterstützen“. Zinsland (Civum) sei „ein eigenständiges Unternehmen mit eigenständigen Verantwortlichkeiten“, postete Anfang August ein Nutzer der „Investmentcheck-Community“ – einem frei zugänglichen Forum des kritischen Journalisten Stefan Loipfinger – eine E-Mail des Kundendienstes von Exporo.

Eine Nachfrage bei Exporo ergibt, dass dies den Tatsachen entspräche: Zinsland, beziehungsweise Civum, lebt weiter. Hintergrund: Die „Fusion“ war tatsächlich die Gründung eines gemeinsamen Joint Ventures, nämlich der Exporo Zinsland JV GmbH & Co. KG, welche an die Exporo überging. Genauer gesagt: Technik und Mitarbeiter und natürlich auch Kontakte und Kunden.

Was ist passiert?

Die alten, bereits platzierten Zinsland-Projekte aber? Die waren offenbar nicht Teil der Fusion. Und werden entsprechend weiter von Zinsland bedient. „Projekte und Projekt-Betreuung waren und sind weiterhin Aufgabe der Civum GmbH. Exporo verantwortet nicht die Civum GmbH. Auch die Geschäftsleitung sind hier unterschiedliche Personen. (…)“; heißt es in der E-Mail an den Zinsland-Kunden.

Ein Exporo-Sprecher erklärt gegenüber Finanz-Szene und Finance Forward, das sei so damals auch so kommuniziert worden. Gleichwohl: In der Pressemitteilung zum Zusammenschluss ist davon keine Rede. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Naheliegend ist: Zahlreiche Zinsland-Projekte waren im Herbst 2019 bereits im Verzug oder hatten gar mit Pleiten von Projektpartnern zu kämpfen. Exporo hatte mutmaßlich großes Interesse an Kunden und Kontakten – aber nicht an alten Problem-Projekten. Um die muss sich also Zinsland bis heute kümmern.

Mit hoffentlich geduldigen Anlegern. „Anfragen können nur noch schriftlich (…) gestellt werden. Da die Civum GmbH keinen offiziellen Kundenservice mehr anbietet, werden Anfragen zwar beantwortet, dies aber mit zeitlicher Verzögerung“, heißt es in der E-Mail an Kunden.

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