Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland einen Bauboom. Davon profitieren die Startups. (Bild: Marc Schorr/Unsplash)

Immobilien-Crowdinvesting: Marktführer Exporo übernimmt Zinsland

Exklusiv: Der Markt für Crowdinvesting steht vor einem Umbruch. Die Hamburger Startups Exporo und Zinsland schließen sich zusammen. Der neue große Player will sich nun gegen die alte Anlagewelt behaupten.

Das Hamburger Fintech Exporo, Deutschlands Marktführer im Crowdinvesting für Immobilien, wird noch mächtiger: Es übernimmt seinen schärfsten Konkurrenten Zinsland, der ebenfalls aus Hamburg stammt. Beide Startups finanzieren Immobilienprojekte mit dem Geld von Crowdanlegern. Exporo ist in dem Markt bereits der mit Abstand wichtigste Player: Das Unternehmen hat Crowdgelder in Höhe von einer halben Milliarde Euro eingeworben – etwa die Hälfte des bislang insgesamt finanzierten Volumens entfällt damit auf die Hamburger Plattform.

Zinsland, die Nummer zwei, kommt nach eigenen Angaben auf ein Finanzierungsvolumen von etwa 90 Millionen Euro. Das Rennen im Markt ist damit so gut wie entschieden. Denn gemeinsam vereinen die beiden Player laut Crowdinvest.de nun etwa drei Viertel des Immobilienmarktes für Kleininvestoren auf sich. Andere Startups wie Bergfürst, Zinsbaustein oder die Digitalplattform der Maklerfirma Engel & Völkers liegen weit abgeschlagen dahinter.

Exporo-Chef Simon Brunke setzt sich daher schon neue Ziele: „Die anderen Immobilien-Crowdinvesting-Portale sind nicht mehr unsere Konkurrenz, sondern es ist die große alte Anlagewelt wie zum Beispiel Immobilienfonds“, sagt er im Gespräch mit Finance Forward.

Bei Exporo und Zinsland werden Teile von Immobilienprojekten durch Crowdinvestments finanziert. Die Summen liegen meist zwischen einer und zwei Millionen Euro. Crowdanleger können ab einer Summe von 500 Euro einsteigen und erhalten zwischen fünf und sieben Prozent Zinsen für ihre Anlage. Die Plattformen verdienen über eine Vermittlungsprovision.

Die Marke Zinsland verschwindet, die Mitarbeiter bleiben

Exporo bezahlt für Zinsland eine nicht genannte Summe, zusätzlich sollen die Zinsland-Eigentümer Anteile an der Exporo AG erhalten. Zinsland wird dabei mit einer Summe im „niedrig zweistelligen Millionenbereich“ bewertet, so das Unternehmen. Der Marktführer kam bei seiner letzten Finanzierungsrunde auf eine Bewertung von 150 Millionen Euro. Das Machtverhältnis ist klar, Exporo gibt in diesem Bündnis den Ton an.

So wird die Marke Zinsland verschwinden, sobald die bestehenden Projekte zurückbezahlt sind. Die 40 Mitarbeiter bleiben jedoch alle an Bord – auch das Führungsteam von Zinsland fängt beim ehemaligen Konkurrenten an. „Beide Teams waren und sind auf massivem Wachstumskurs, wir brauchen jede Hand und jedes Hirn“, heißt es von Henning Frank, dem CEO von Zinsland. Künftig beschäftigt das Gemeinschaftsunternehmen damit etwa 200 Mitarbeiter – und will bis Ende des ersten Quartals 2020 noch einmal 50 neue Leute einstellen.

„Beide Teams waren und sind auf massivem Wachstumskurs – wir brauchen jede Hand und jedes Hirn“

Zinsland stand in den vergangenen Jahren mehrfach in der Kritik, weil mehrere auf der Plattform angebotene Crowdprojekte in finanzielle Schieflage geraten waren. Zwei Projektentwickler mussten Insolvenz anmelden – noch immer ist unklar, ob die Kleinanleger insgesamt 2,6 Millionen Euro zurück bekommen werden.

Beim Marktführer Exporo sind bislang noch keine Finanzierungen ausgefallen – auch wenn es schon Zahlungsverzögerungen gab. „Wir begleiten die Projektentwickler über die gesamte Laufzeit eng und fahren bei Problemen auch zur Baustelle hin und bieten unsere professionelle Unterstützung an“, sagt Brunke. „Dass es zu Verzögerungen kommt, ist nicht schön, aber gehört zum Baugewerbe dazu.“

Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen die Plattformen die Ausfallquoten niedrig halten. 70 Mitarbeiter seien allein bei Exporo damit beschäftigt, die Immobilienprojekte auszusuchen und zu kontrollieren. „Bei Projektfinanzierungen kommen weniger als zehn Prozent der Anfragen auf die Plattform“, sagt Brunke.

Expansion in Nachbarländer steht an

Mit neuen Investmentprodukten wollen die beiden Fintech-Startups das Wachstum in den kommenden Monaten beschleunigen. Exporo kauft zum Beispiel selbst Häuser an und beteiligt seine Anleger an den Mieteinnahmen. Außerdem setzt die Plattform seit kurzem Token ein, um auch kleinere Teile der Immobilienprojekte über die Blockchain handelbar zu machen.

Die beiden CEOs: Simon Brunke (Exporo) und Henning Frank (Zinsland) (v.l.).

Die Investmentgrenze könnte durch die Technologie bis auf einen Euro fallen. „Wir arbeiten zum Beispiel an einem Sparplan, mit dem Anleger jeden Monat einen bestimmten Betrag in Immobilien stecken können“, sagt Brunke. Wie bei einem Robo-Advisor können Anleger vor dem Investment Risikokriterien für den Sparplan festlegen.

In der neuen Zusammensetzung sollen auch weitere Schritte ins Ausland folgen. Die Expansion nach Frankreich und in die Niederlande ist in den kommenden Monaten geplant. In Österreich ist Exporo bereits am Markt.

Vor einigen Monate hatte Exporo von Wagniskapitalgebern noch 43 Millionen Euro eingesammelt, um den Schritt ins Ausland zu finanzieren. Insgesamt haben Investoren wie Eventures und Holtzbrinck etwa 60 Millionen in das Unternehmen gesteckt. Die Finanzierungssumme von Zinsland ist nicht bekannt. Der neue Partner soll Exporo nun eine schnellere Expansion ermöglichen.

Szenekenner sehen Konsolidierung als notwendigen Schritt in der Entwicklung des Markts. „Der Aufstieg von Exporo ist auf jeden Fall ein großer Erfolg“, sagt Nikolas Samios, der mit dem Wagniskapitalgeber Proptech1 Tech-Unternehmen mit Immobilienfokus finanziert. „Erst ab mehreren Milliarden ist aber die kritische Masse erreicht, um im Markt mit den großen Finanzierern zu konkurrieren.“ Bei entsprechender Größe könnten dann die Kosten für Exporo – etwa durch günstigeres Marketing – deutlich sinken.

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