Die Zentrale der Wirecard AG (Bild: imago images / Future Image)

Wirecard-Mitarbeiter stimmen für Betriebsratswahlen

Am Donnerstagnachmittag haben drei Wirecard-Gesellschaften jeweils einen Wahlvorstand bestimmt. Die Personen sollen nun in den kommenden Wochen Betriebsratswahlen organisieren. Etwa 160 Mitarbeiter kamen in eine Caféteria nach Aschheim.

Das Skandal-Unternehmen Wirecard wird bald einen Betriebsrat wählen. Beschäftigte der drei Tochter-Gesellschaften Wirecard Acceptance Technologies, der Wirecard Service Technologies und der Wirecard Bank haben am Donnerstag für einen Wahlvorstand votiert, das teilt die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit. Der Wahlvorstand organisiert nun zeitnah die weiteren Schritte für die Betriebsratswahl. Für jede der drei Tochtergesellschaften erschienen in der Wirecard-Caféteria in Aschheim zwischen circa 40 und 70 Mitarbeiter, die Wahlen verliefen ohne besondere Vorkomnisse.

„Es ist unsere Absicht, zum nächstmöglichen Zeitpunkt ordentliche Betriebsratswahlen zu organisieren und erfolgreich durchzuführen“, teilen die Wahlvorstände in einem Statement mit. „Die gesamte Belegschaft der Wirecard möchte damit die aktuelle Transformation unserer Firma unterstützen und dazu beitragen, das bestmögliche Ergebnis für Mitarbeiter und Gläubiger zu erreichen.“

Wahlen für weitere Wirecard-Töchter sollen schon in der kommenden Woche folgen, sie sollen die Mitarbeiter in der Krise unterstützen. Das Payment-Unternehmen ist in einen großen Bilanz-Skandal verwickelt. Bis auf die Bank haben alle Gesellschaften Insolvenz angemeldet, die Firma ist nun auch aus dem Leitindex Dax geflogen. „Mit der Gründung von Betriebsräten erhalten die Beschäftigten ein Recht auf umfassende Informationen und die Möglichkeit, für die betroffenen Beschäftigten etwa Sozialpläne auszuhandeln“, lässt sich Gewerkschaftssekretär Kevin Voss zitieren. Bislang ist unklar, wie es mit dem Unternehmen weitergeht. Nach Informationen von Finance Forward laufen Verkaufsgespräche für Teile von Wirecard. Unter den Interessenten sollen sich Branchengrößen wie die Deutsche Bank und Paypal befinden.

Es ist die zweite Wahlversammlung von einem prominenten Fintech-Player innerhalb von wenigen Tagen. Erst vor einer Woche hatten Mitarbeiter des Banking-Startups N26 eine Betriebsrats-Initiative gestartet. Das Management hatte in einer Mail geschrieben, ein Betriebsrat widerspreche den „Werten“ von N26, mit einstweiligen Verfügungen versuchte das Berliner Unternehmen die Sitzung zu stoppen, weil ein Hygiene-Konzept gefehlt habe – die Wahlen fanden trotzdem statt. N26-Gründer Valentin Stalf entschuldigte sich in Nachgang dafür.

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