Wie Klarna sich im Banking mit Revolut duelliert
Nach dem Börsengang baut Klarna sein Bankkonto weiter aus – sogar Kryptohandel hat Gründer Sebastian Siemiatkowski ins Gespräch gebracht. Dabei greift das schwedische Unternehmen auch den britischen Konkurrenten Revolut an. Details eines ambitionierten Kurses.
Sebastian Siemiatkowski (44) weiß, wie man sich in Szene setzt. Der Gründer und CEO des schwedischen Zahlungsdienstleisters Klarna feierte im September den lange erwarteten Börsengang seines nun 20 Jahre alten Unternehmens. Per Livestream über eine Meta-Smartbrille ließ er die Welt teilhaben, wie er die Glocke der New York Stock Exchange läutete und sein Unternehmen in eine neue Ära führte. „That was difficult“, hörte man ihn aus dem Off sagen – ob er damit das Eröffnungsprozedere oder den holprigen Weg mit zwei Anläufen bis zum Börsengang meinte, bleibt Interpretationssache.
Der Pitch für die Investoren lautete: Klarna, die globale Neobank. Zwar glückte der Börsengang, doch seitdem hat die Aktie rund 17 Prozent an Wert eingebüßt. Siemiatkowski und seine Truppe müssen nun einlösen, was sie versprochen haben: Die Erträge zu diversifizieren – gut drei Viertel stammen noch aus dem Geschäft mit Einzelhändlern. Und damit Revolut angreifen.
Ziel sei es, dass die Umsätze künftig stärker von den Konsumenten getragen werden, sagt David Sandström (42) im Gespräch mit dem manager magazin. Klarnas Marketingschef spielt dabei eine zentrale Rolle. Er leitete einst den schwedischen Ableger der US-Digitalagentur DBB und kam nach einem Beratungsauftrag für Klarna als CMO an Bord. Seitdem hat er den Umbau der Marke maßgeblich mitgestaltet, etwa durch das umfassende Rebranding samt Farbwechsel von Blau zu Pink und aufsehenerregende Kampagnen mit Stars wie Snoop Dogg (54) oder Paris Hilton (44). Nun soll er Klarna als Neobank positionieren.
In den umkämpften Markt dringt Klarna vergleichsweise spät vor. Doch die Ambitionen sind keineswegs bescheiden: „Wir müssen uns daran erinnern, dass Revolut zehn Jahre voraus ist“, schrieb Klarnas Aufsichtsratschef Michael Moritz (71) an CEO Siemiatkowski kurz nach dem Börsengang. Das war halb Witz, halb Ernst. Der Maßstab scheint jedenfalls gesetzt. Wie also sind die beiden Kontrahenten aufgestellt?