Mit einer Blockchain und einer Kryptowährung wollte Telegram seine Nutzer endlich monetarisieren können (Bild: imago images/ITAR-TASS)

Telegram zieht der TON-Blockchain den Stecker – und die Investoren wussten von nichts

Paukenschlag in der Kryptowelt: Völlig überraschend kündigt Telegram-Gründer Pavel Durov an, das bereits mit Milliarden finanzierte Blockchainprojekt TON einzustellen. Seine Investoren informierte er darüber vorab nicht.

Satte 1,7 Milliarden Dollar sammelte Telegram, die beliebte Whatsapp-Alternative des schillernden Gründers Pavel Durov, 2018 ein, um mit TON eine Blockchain und mit Gram die dazu gehörige Kryptowährung auf die Beine stellen. Doch jetzt will Durov das Projekt beenden, wie er in einem Blogbeitrag angekündigt hat. Die Schuld gibt er der US-Finanzaufsicht SEC, mit der er sich seit langem in einem Rechtsstreit befindet.

Fast anderthalb Jahren hatte Telegram darum gekämpft, die Token des ICOs endlich an seine Investoren ausliefern zu dürfen – die SEC verlangte aber, diese als Wertpapiere zu registrieren, da auch US-amerikanische Geldgeber an Bord waren. (Die Details zum Rechtsstreit gibt es hier.)

Das Unternehmen hat den Kampf nun offenbar verloren – und Durov schiebt die Schuld den Vereinigten Staaten in die Schuhe. „Die USA können ihre Kontrolle über den Dollar und das globale Finanzsystem nutzen, um jede Bank oder jedes Bankkonto in der Welt zu schließen“, schrieb er am Dienstag. Er beende das TON-Projekt daher. „Leider sind wir – die 96 Prozent der Weltbevölkerung, die anderswo leben – von Entscheidungsträgern abhängig, die von den vier Prozent, die in den USA leben, gewählt werden.“

Unter den Investoren sind Kleiner Perkins, Lightspeed, Benchmark und Sequoia

Seine Investoren informierte Durov offenbar vorab nicht über den Schritt. Er habe erst über die Mitteilung vom Ende des Projekts erfahren, sagt ein Geldgeber im Gespräch mit Finance Forward. Er sei seither auch nicht vom Telegram-Team kontaktiert worden. Investor Relations sehen im Normalfall anders aus – doch Pavel Durov ist auch kein ganz normaler Unternehmer. Und die Token-Ökonomie keine Wirtschaftsbranche wie jede andere.

Kontakt zu Telegram hatte der Investor zuletzt im April – damals wurde ihm kommuniziert, dass sich Geldgeber 72 Prozent der von ihnen investierten Summe zurückzahlen lassen können. (Die Hintergründe dazu gibt es hier.) Er gehe davon aus, dass dies weiter gelte, so der Investor.

Denkbar ist, dass das Projekt auf eine andere Art weitergeführt wird. Möglicherweise plant Durov, es etwa in eine Stiftung auszulagern. Diesen Weg sind viele große Blockchain-Projekte gegangen: Ethereum, Libra und Tezos haben die Kontrolle ihrer Blockchain einem Non-Profit übertragen. Der Geldgeber vermutet, dass Telegram einen ähnlichen Plan verfolgen könnte. Doch es ist fraglich, ob unter den Investoren weiterhin Interesse besteht, das Projekt überhaupt noch zu finanzieren. Unter ihnen sind VC-Firmen wie Kleiner Perkins, Lightspeed, Benchmark und Sequoia – sie haben jeweils etwa 20 Millionen Dollar in das Vorhaben gesteckt.

Gegenüber Finance Forward sagt der Investor, er tendiere dazu, sich das Geld auszahlen zu lassen – selbst wenn Telegram das Projekt in eine Stiftung auslagern würde. Nach dem Bitcoin-Halving sehe er für die kommenden Monate interessante Investitionsmöglichkeiten, etwa bei Facebooks Kryptowährung Libra. „Das ist zwar dem ähnlich zu dem, was Telegram jetzt tun könnte, allerdings ohne den harten Anti-USA-Kurs“, so der Finanzier.

Für Telegram war die geplante Kryptowährung die Möglichkeit, mit seinen inzwischen 400 Millionen Nutzern endlich Geld verdienen zu können. Bislang wurde das Unternehmen vom Privatvermögen seines Gründers getragen. Jetzt muss ein Plan B her.

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