Die Vorbehalte gegen die „Zuckerberg-Währung“ sind groß – wie hier in einer Anhörung des US-Kongresses (Bild: picture alliance / AP Photo)

Facebook-Kryptowährung: Libra erwägt Verzicht auf Devisenkorb

Exklusiv: Facebook passt seine Pläne für die Digitalwährung Libra an – sie soll nicht mehr durch einen Korb verschiedener Währungen gestützt werden. Damit kommt das Unternehmen seinen Kritikern entgegen.

David Marcus wollte sich nicht beirren lassen. „Ich bin ein Optimist“, verkündete Facebooks Blockchain-Vordenker am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos auf die Frage nach der konstanten Kritik an Libra, dem ambitionierten Kryptowährungsprojekt von Facebook und einer – schwindenden – Zahl weiterer Konzerne. Die Libra-Mitglieder begännen, „diese Sorgen mit einer gemeinsamen Stimme anzusprechen“, so Marcus. „Wir werden Veränderungen vornehmen müssen.“

Was genau Facebook am Libra-Projekt verändern würde, um seine Kritiker zu besänftigen, ließ Marcus offen. Im Hintergrund aber spielt das Unternehmen fundamentale Korrekturen an der Architektur der Währung bereits durch. Nach Informationen von Finance Forward betrifft das vor allem den Devisenkorb, mit dem das digitale Geld hinterlegt werden soll.

So erwägt Facebook, auf den geplanten „gemischten“ Währungskorb aus Dollar, Euro, Pfund, Yen und Singapur-Dollar zu verzichten, mit dem Libra gestützt werden sollte. Stattdessen soll Libra jeweils nur an eine Währung gekoppelt werden – es gäbe dann eine Euro-Libra, eine Dollar-Libra und so weiter. Im Oktober sprach Marcus schon einmal vor US-Bankvertretern über die Möglichkeit, das Projekt so anzupassen.

Nun spricht viel dafür, dass Facebook sich für diese Variante entschieden hat. So haben Konzernvertreter den Plan für mehrere, an jeweils eine Fiatwährung geknüpfte Stablecoins politischen Entscheidern in Brüssel und Berlin vorgestellt. Das haben mehrere voneinander unabhängige Quellen Finance Forward bestätigt. Ein Sprecher der Libra Association wollte den Vorgang auf Anfrage nicht kommentieren.

Ein Verbot wird schwieriger

Ursprünglich sah der Libra-Plan vor, dass die Euro, Yen oder Dollar von Nutzern, die Libra erwerben, in einen gemeinsamen Topf fließen, der von der Libra Association in Genf verwaltet wird. Diese Einlagen stützen sodann den Wert von Libra, deren Kurs damit weitgehend stabil bleibt und die sich als sogenannter Stablecoin somit auch für das tägliche Bezahlen eignet – etwas, das andere Kryptowährungen wie Bitcoin wegen ihrer wilden Kursschwankungen nicht leisten können.

Kritiker von Zentralbanken und Regierungen fürchteten, Libra würde damit zu mächtig werden. Der Währungskorb werde „so durch die Nationalbanken nicht akzeptiert“, urteilte kürzlich der Schweizer Bundespräsident Ueli Maurer. Damit wäre „das Projekt in dieser Form eigentlich gescheitert“. Mit dem Verzicht auf den mächtigen Währungskorb geht Facebook nun einen Schritt auf seine Kritiker zu. Aus Berliner Regierungskreisen heißt es dazu, in dieser Form wäre Libra tatsächlich „schwierig zu verbieten“.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann glaubt nicht, dass Libra in Europa zu verhindern ist. „Hält sich Libra an die Regeln, ist da nichts zu machen“, so Heilmann im Gespräch mit Finance Forward. „Das entscheidet die Finanzaufsicht und die hält sich an Recht und Gesetz. Die Vorstellung, dass wir das in Europa verbieten können, daran glaube ich nicht. Wir können es erschweren, aber mehr auch nicht.“

Bei den Vorbehalten gegenüber Libra ging es neben dem Währungskorb auch um Fragen von Geldwäsche, Steuerflucht und Datenschutz. Wegen der starken öffentlichen Kritik haben inzwischen ein Viertel der ursprünglichen Gründungsmitglieder dem Projekt den Rücken gekehrt – darunter Mastercard, Visa, Paypal, eBay und zuletzt Vodafone. Er sehe „den Rückzug von namhaften Akteuren, wie jüngst Vodafone, als Ausdruck, dass das Libra-Projekt weiterhin mit großen Zweifeln behaftet ist und eine baldige Regulierung befürchtet wird“, meint der Europaabgeordnete Stefan Berger (CDU) zu Finance Forward.

Der Verzicht auf den Währungskorb schwäche das Projekt, „denn Libra wurde schließlich zu Anfang als ‚globale‘ Währung vorgestellt“. Aber auch Berger glaubt nicht, dass das Vorhaben grundlegend gefährdet sei: „Ob Libra nun an einen Währungskorb gebunden ist oder ‚mehrere Systeme‘ betreibt, ist im Ergebnis allenfalls ein kosmetischer Unterschied, da die internen Verrechnungsmechanismen von Bedeutung sein werden.“

Ist ein Start 2020 realistisch?

In der Tat wirft der Facebook-Plan neue Fragen auf: Würde Libra weiter nach außen einheitlich und als ein System auftreten können? Wie würden Bezahlvorgänge etwa von Euro-Libra zu Yen-Libra funktionieren? Behielte das ganze Projekt seine Anziehungskraft, die es ja vor allem aus der Aussicht speist, dass das Bezahlen über Währungsgrenzen mit Libra schneller, billiger und einfacher werden würde?

In Notenbankkreisen wird zudem moniert, dass ein Libra-Stablecoin, der nur mit einer Währung hinterlegt sei, trotzdem in diesem Währungsraum eine hohe Marktmacht erlangen würde – als einer der wichtigsten Gläubiger des jeweils ausgebenden Staats. Diese Aussicht missfällt vielen Notenbankern und Finanzministern. Aus den Kreisen heißt es daher, es sei schwer vorstellbar, dass Libra wie geplant 2020 an den Start gehen könne.

David Marcus, der selbsternannte Optimist von Facebook, gab sich in Davos dagegen zuversichtlich, dass sich Währungshüter und politische Entscheidungsträger überzeugen ließen. „Noch vor einem Jahr haben wir keine Unterhaltungen führen können, die meiner Meinung nach zu einem Regelwerk führen werden, das Projekten wie dem unsrigen erlauben wird, das Licht der Welt zu erblicken.“ Offen bleiben zwei Fragen: Wann das sein wird – und in welcher Form.