Die beiden Brüder hinter Staking Rewards: Jannik (links, CTO) und Mirko Schmiedl (CEO) (Bild: PR)

Staking Rewards – wie zwei Brüder ein Krypto-Vergleichsportal aufbauen

Die Brüder Mirko und Jannik Schmiedl bieten mit ihrer Website „Staking Rewards“ Anlegern eine Übersicht des gesamten Staking-Marktes – und stoßen damit auf großes Interesse. Auch der Fonds des chinesischen Tech-Riesen Ant Financial wettet auf das Geschäft.

Ein Problem durchzieht die Krypto-Welt seit Beginn: fehlende Preistransparenz. So unterscheiden sich etwa die Preise für bestimmte Währungen je nach Handelsplatz. Auch beim sogenannten Staking ändern sich die Erträge häufig. Bei dem Krypto-Investment werden Coins dafür einsetzt, neue Blöcke zur dazugehörigen Blockchain zu generieren. Im Gegenzug erhalten die Anleger eine Belohnung. Mirko Schmiedl hat mit seinem Bruder Jannik eine Plattform aufgebaut, die mehr Transparenz bieten soll – genau für dieses Krypto-Segment. Sie fasst eine Übersicht aller aktuell 170 Coins zusammen, die auf dem Prinzip „Proof of Stake“ (PoS) basieren. Es ist ein Staking-Vergleichsportal.

Die Brüder kennen beide Welten gut, Mirko beschäftigt sich seit acht Jahren mit Kryptowährungen und hat die verschiedenen Hochs und Tiefs mitgemacht. Sein Bruder Jannik arbeitete vor der Gründung als Software-Entwickler bei dem Vergleichsportal-Platzhirsch Check24, er kennt die etablierte Vergleicherwelt. Mit einem kleinen Team erwirtschaften die beiden bis zu 90.000 Euro pro Monat. Die Krypto-Firma zählt dabei zu den ersten Investments von A&T Capital, dem kürzlich gestarteten Fonds von Ant Financial.

Vier Millionen Zugriffe pro Monat

Die rund 400.000 Nutzer kommen mehrfach wieder, insgesamt verzeichnet die Seite „Staking Rewards“ jeden Monat drei bis vier Millionen Zugriffe. Obwohl die Schmiedl-Brüder am Staking nicht direkt mitverdienen, bietet ihre Seite zwei lukrative Einnahmequellen: Abgesehen von Bannerwerbung auf ihrer Webseite bieten sie Krypto-Unternehmen wie Coinbase oder BTC Suisse über eine API-Schnittstelle Zugang zu ihrer Datenbank. Jeden Monat bringt das zwischen 50.000 und 60.000 Euro an Umsatz, Tendenz steigend, sagt CEO Schmiedl. Im August waren es sogar 90.000 Euro.

Als Mirko Schmiedl 2018 damit loslegte, gab es noch keine vergleichbaren Angebote, das Wachstum basiere maßgeblich darauf, diese Übersicht als erster erstellt zu haben, sagt er. Die Erträge, die Staking mit sich bringt, variieren. Nutzer der Methode wollen also regelmäßig vergleichen, ob sie aktuell auf das beste Pferd setzen. „Weil mir ein entsprechendes Informationsangebot zu Staking am Anfang gefehlt hat, wollte ich es dann selbst aufbauen“, sagt der Gründer. Sein Bruder bringe die technische Expertise mit, er selbst kümmere sich um das Geschäftsmodell. „Wir ziehen die Daten direkt von den einzelnen Blockchain-Nodes, dafür haben wir für jedes Protokoll ein eigenes Tool gebaut, das automatisch die Daten zusammenführt“, sagt er.

Zunächst ging es darum, eine Community aufzubauen, sagt Schmiedl. Klar, er habe von Anfang an Geld verdienen wollen, dafür sei eine solide Grundlage jedoch wichtig. Im ersten Monat hatte die Seite 30 Nutzer. Während der einfache Handel mit Kryptowährungen inzwischen eine breite Masse anspricht, auch über beliebte Apps wie Coinbase oder Bitpanda, ist die Staking-Community noch recht übersichtlich. Das bringt allerdings auch eine gewisse Ruhe in das Geschäft. „Man sollte einen Coin nicht kaufen, nur um ihn zu staken, man muss schon auch richtig an ihn glauben“, sagt Schmiedl. Denn reich werde man mit Staking sowieso nicht. Die Rendite beim Staking variiert, sie liegt in den meisten Fällen zwischen fünf und 13 Prozent.

Eine Schwierigkeit für das Geschäftsmodell von Staking Rewards ist derweil die Abhängigkeit vom Krypto-Hype. 60 Prozent des Umsatzes verdient es mit Werbebannern, die meisten Partner kommen direkt aus der Branche, aktuell etwa ist die israelische Börse Etoro prominent vertreten. Die Klickrate dieser Banner sei höher als beispielsweise bei Coinmarketcap, das eine Übersicht der Krypto-Kurse bietet. Die Zielgruppe, die Staking-Rewards vergleicht, ist in der Regel erfahrener und für Krypto-Anbieter lukrativer, als die breite Masse, die etwa den Bitcoin-Kurs nachschaut. Sie kommen vor allem über Google auf die Seite.

Ein Staking-Index ist in Planung

Gleichzeitig sind die Schmiedl-Brüder mit ihrem Angebot auch von den Kryptomärkten sehr abhängig: Brechen sie ein, dann wird das auch einen deutlichen Effekt auf die Werbebudgets der Player haben – und damit auch den Umsatz von Staking Rewards. Das ist in den vergangenen Jahren mehrfach passiert, Kryptowährungen sind sehr volatil. „Wir sorgen da vor und legen uns extra ein Backup zurück“, sagt Schmiedl. Die allermeisten Kosten entfallen auf die derzeit acht Mitarbeiter, die sich über die Welt verteilt haben.

Die restlichen 40 Prozent des Umsatzes verdient Staking Rewards mit seiner API-Schnittstelle, für zwischen 99 und 1599 Euro im Monat bekommen Unternehmen Zugang zu den Echtzeitdaten, die es erhebt. Für das Geschäftsfeld besteht die Gefahr, dass die Kunden früher oder später das Angebot selbst nachbauen, um diese Kosten zu sparen. „Unser zeitlicher Vorsprung in der Entwicklung unseres Angebots gibt uns eine gute Position gegenüber potentiellen Nachahmern“, sagt Schmiedl. Man solle nicht unterschätzen, wie komplex der Aufbau einer solchen Echtzeitdatenbank sei.

Staking Rewards wächst mit der Branche, jeden Monat steigt die Nutzerzahl. Direkt mitverdienen am Staking der Kunden kann es allerdings nicht. „Auf einer Blockchain gibt es kein Referralprogramm“, sagt Schmiedl. Das bedeutet, auch wenn die Volumina, die ihre Nutzer staken, stetig wachsen, verdient das Unternehmen pro Nutzer trotzdem immer den gleichen Betrag. Ein Bereich, in den die beiden Brüder eintreten wollen.

Dafür bauen sie derzeit einen Staking-Index, der die 20 größten Coins, die auf dem Prinzip „Proof of Stake“ (PoS) basieren, zusammenführt. Was im ersten Schritt ein Informationsangebot darstellt, um ein Gefühl für den Staking-Markt zu geben, soll schon bald ein eigenes Angebot sein. Dann sollen Kunden über Staking Rewards direkt in den Index investieren können.

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