Der deutsche Ableger der Silicon Valley Bank sitzt in Frankfurt (Bild: cmophoto.net/Unsplash)

Der schwierige Start der Silicon Valley Bank

Exklusiv: In den USA gehört die Silicon Valley Bank zu den etablierten Geldhäusern der Startup-Szene. Auch der deutsche Ableger konnte in den vergangenen drei Jahren sein Ergebnis steigern, doch steht mit rund 60 Millionen Euro an vergebenen Unternehmenskrediten im Jahr 2020 noch am Anfang. 

Startups machen mittlerweile täglich Schlagzeilen mit außerordentlichen Finanzierungsrunden. Der Software-Anbieter Contentful erhielt knapp 150 Millionen Euro, bei dem Fintech Solarisbank waren es 190 Millionen Euro – beide Berliner Firmen stiegen allein in dieser Woche zum Unicorn auf, also einem jungen Unternehmen mit Milliarden-Bewertung.

In dem Windschatten der Funding-Flut wollte auch die Silicon Valley Bank in Deutschland aufsteigen, zu ihren Produkten gehört beispielsweise das sogenannte Venture Debt. Das Fremdkapital vergrößert eine Finanzierungsrunde, aber die Gründer müssen nicht mehr Anteile abgeben. Stattdessen zahlt die Firma Zinsen.

Das Geschäft der Silicon Valley Bank ist hierzulande trotz des Booms noch klein. Rund 60 Millionen Euro hat die Bank 2020 an Unternehmenskrediten vergeben und weitere 100 Millionen Euro zugesagt. Im Vorjahr lag der Wert der vergebenen und zugesagten Finanzierungen noch bei 76 Millionen Euro, wie aus einem Geschäftsbericht hervorgeht. 2018 ging es mit gerade einmal 20 Millionen Euro im ersten Geschäftsjahr los.

Venture Debt – in den USA eine gängige Finanzierungsform

Das Geldinstitut vergibt dabei nicht nur Venture Debt, sondern auch sogenanntes Working Capital und finanziert Firmenübernahmen oder verleiht Geld an Fonds (die Fondsfinanzierungen sind nicht in den 160 Millionen Euro enthalten).

Auf dem US-Markt sind viele Fremdkapitalformen bereits etablierter. Venture Debt macht rund zehn Prozent des Finanzierungsmarktes aus (siehe Grafik für die Marktentwicklung). In Deutschland ist der Markt immer noch klein, der Analyse-Dienst PitchBook – sonst mit einem umfassenden Datenmaterial ausgestattet – kann keine Angaben zum hiesigen Venture-Debt-Markt machen.

Insgesamt hat sich der Markt für neue Fremdkapitalformen in den vergangenen Monaten jedoch auch in Deutschland entwickelt. So bieten mehrere Firmen zum Beispiel sogenannte umsatzbasierte Finanzierungsformen (Revenue-based-Financing – Finance Forward berichtete). In den vergangenen Monaten gab es auf dem deutschen Markt gleich mehrere große Finanzierungen dieser Art. So sammelte das Payment-Fintech Sumup insgesamt 750 Millionen Euro an Krediten ein, zu den Geldgebern gehörte Goldman Sachs, Bain Capital und der Singapurer Staatsfonds Temasek.

Der E-Scooter-Verleiher Tier Mobility holte sich bei Goldman Sachs ein Funding über 60 Millionen Euro, als sogenanntes Assed-Backed-Funding, mit den Rollern als Sicherheit. Und der Fonds Fasanara Capital aus London steckte eine Milliarde in den Elektroverleiher Grover – nach dem gleichen Prinzip wie bei Tier.

„Die klassischen Venture Capitalists machen uns Konkurrenz“

Die Investmentbank Goldman Sachs geht „in den Markt, um sich mit Debt-Linien die Mandate für den IPO zu sichern“, sagt Deutschland-Chef der Silicon Valley Bank, Christian Hoppe. Hinzukommt: „Die klassischen Venture Capitalists machen uns Konkurrenz.“ Die Geldgeber würden selbst große Runden stemmen und die Gründer der Unternehmen sich darauf einlassen, auch wenn ihrer Anteile verwässern.

Die verschiedenen Finanzierungsformen lassen sich nicht direkt mit einander vergleichen, allerdings zeigt allein die Summe des Kredits an Sumup, dass auch die Silicon Valley Bank in Deutschland noch am Anfang steht. „2020 war ein starkes Jahr, im ersten Quartal gab es einen Schockeffekt, danach zog es schnell wieder an“, sagt Hoppe und will dieses Ergebnis weiter steigern. „Wir sind im dreistelligen Bereich gewachsen, das werden wir dieses Jahr nicht ganz schaffen, aber die Ambitionen sind da“, sagt er.

Der Manager muss dafür weiter auch Werbung im Markt machen, in dem gutlaufenden Firmen viele Finanzierungsquellen offen stehen. „Über unser Netzwerk in die Venture-Capital-Szene können wir bei weiteren Finanzierungen helfen“, wirbt Hoppe. Wie viel Firmen sich Geld von der Silicon Valley Bank holen, wird dabei nicht immer öffentlich. Manche wollen explizit nicht, dass es bekannt wird, berichtet ein Brancheninsider. Deswegen zeigt sich erst im nächsten Geschäftsbericht, wie sich der aktuelle Funding-Boom in den Zahlen der Silicon Valley Bank niederschlägt. In diesem Jahr beteiligte sich die Bank bereits an einem 80-Millionen-Kredit für das Travel-Startup Getyourguide.

In einem Bericht haben wir uns im vergangenen Jahr mit dem Ruf von Venture Debt in Deutschland auseinandergesetzt.

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