Yassin Hankir hat Savedroid 2015 gegründet.

Savedroid gewinnt Prozess und steigert Aktienkurs – beginnt die Kehrtwende?

Savedroid, das krisengeplagte Krypto-Startup aus Frankfurt, kann einen juristischen Streit für sich entscheiden, der Börsenkurs legte zuletzt deutlich zu. Trotzdem bleiben viele Baustellen.

Zwischenzeitlich lag der Unternehmenswert bei mehr als 300 Millionen Euro – mitbekommen haben es nur wenige, erwartet wohl so gut wie niemand. Die Rede ist vom krisengebeutelten Fintech Savedroid. Um Vertrauen zu schaffen, hatte Gründer Yassin Hankir seine Firma in einem sogenannten Reverse-Takeover 2019 an die Börse gebracht.

„Krypto geht auch in seriös“, sagte er damals zu Gründerszene. Mitte Januar stieg der Kurs der Savedroid-Mutter Advanced Bitcoin Technologies von sieben Euro immer weiter – bis auf 16 Euro. Mit diesem Kurs wäre Savedroid eines der höchstbewerteten deutschen Fintechs.

Vor wenigen Tagen gab es eine weitere gute Nachricht: Savedroid konnte einen Gerichtsprozess gewinnen – im Streit mit einem Anwalt geht es um eine Millionenzahlung.

Vor zwei Jahren war Savedroid mit einem verunglückten PR-Stunt in die Krise gerutscht. Gründer Yassin Hankir hatte kurz nach dem erfolgreichen Kryptobörsengang, einem ICO, so getan, als wäre er mit den Anlegergeldern im Wert von mehreren Millionen Euro einfach abgehauen. Nach 24 Stunden – und viel Aufregung – löste er den „Gag“ auf. Er habe auf die „ganzen Betrügereien“ in der Szene aufmerksam machen wollte, sagte er im Gründerszene-Interview.

Die Probleme gingen auch nach dem PR-Stunt weiter. Savedroid stritt sich mit einem Anwalt um etwa vier Millionen Euro. Axel Hellinger hatte beim ICO Einnahmen als Treuhänder eingesammelt; weil es aus seiner Sicht „Unregelmäßigkeiten“ gegeben habe, hielt er die Kryptogelder zurück. Der Streit ließ sich nicht klären, Savedroid verklagte den Anwalt vor dem Bonner Landgericht.

„Positives Signal für Nutzer, Mitarbeiter und Investoren“

Das Gericht hat Savedroid nun Recht gegeben, wie ein Gerichtssprecher bestätigt. „Dass das Landgericht unserer Rechtsauffassung folgt, ist ein ebenso klares wie positives Signal für unsere Nutzer, Mitarbeiter und Investoren“, lässt sich der Savedroid-Gründer in einer Mitteilung zitieren. Die etwa 100.000 Euro Verfahrenskosten muss der Anwalt ebenfalls zahlen.

Noch gibt es für Savedroid allerdings keine grundsätzliche Entwarnung. Denn das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig. Und Anwalt Hellinger kündigt gegenüber Finance Forward an, dass er Berufung einlegen wolle, sollten sich die beiden Parteien nicht noch außergerichtlich einigen. Streitpunkt ist ein Passus im Vertrag zwischen Savedroid und dem Treuhänder.

Auch weitere juristische Konflikte, in die Savedroid verwickelt ist, sind nicht ausgestanden. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt weiter wegen eines Betrugverdachts gegen das Unternehmen, teilt sie auf Nachfrage mit. Und vor dem Amtsgericht in Frankfurt klagen mehrere ICO-Investoren, die ihr Geld zurückhaben wollen. Das erste Urteil solle dort nun Mitte März anstehen, heißt es vom Gericht.

Das Fintech hat die Handelsüberwachung der Börse informiert

Nun muss sich Savedroid im Tagesgeschäft beweisen. Im Herbst hatte Hankir gegenüber Gründerszene angekündigt, dass Savedroid „bald marketingtechnisch Gas geben“ und „die Nutzerzahlen richtig hochfahren“ werde. Zumindest im Dezember konnte das Unternehmen die Downloads für seine Krypto-App stark steigern, wie Zahlen des Schätzungstools Priori Data zeigen. Doch das Hoch ließ sich nicht halten, die Zahlen sanken in den vergangenen Wochen wieder deutlich. Am 10. Juni will die Savedroid-Mutter Advanced Bitcoin Technologies ihre Geschäftszahlen veröffentlichen, dann wird sich zeigen, wie das Fintech wirklich dasteht.

An der Börse konnte die Savedroid-Mutter ihr Momentum ebenfalls nicht halten. Der Kurs ist seit dem Hoch im Januar wieder gefallen und liegt aktuell bei vier Euro. Auffällig ist, dass trotz der Kursveränderungen keine Handelsaktivitäten angezeigt werden. Von Savedroid heißt es: „Grundsätzlich ist der Handelsstart eine gute Nachricht. Wir haben jetzt Zugang zum Kapitalmarkt. Das war unser erklärtes Ziel“, schreibt Hankir auf Nachfrage. Weiter teilt er mit: „Nachdem wir die anfängliche Kursentwicklung gesehen hatten, haben wir umgehend die Handelsüberwachung der Börse Düsseldorf informiert und sie aufgefordert, den Sachverhalt zu prüfen.“ Mehr Details zu möglichen Unregelmäßigkeiten nennt der Savedroid-CEO nicht, die Börse Düsseldorf will sich dazu nicht äußern.

Hinweis: Ein Detail zu den fehlenden Handelsaktivitäten wurden ergänzt.

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