Robinhood ist Anfang des Jahres nach Großbritannien expandiert (Bild: PR).

Fintech-Unicorn Robinhood nähert sich dem deutschen Markt

Exklusiv: Der Fintech-Pionier Robinhood hat in den USA eine junge Zielgruppe an den Aktienmarkt herangeführt – und den Broker-Markt durcheinandergewirbelt. Nun gibt es erste Zeichen, wie konkret sich das Milliarden-Fintech den deutschen Markt für eine Expansion anschaut.

Lange haben die Startups auf diesen Moment gewartet. Die Aktienmärkte melden Rekordwerte, erst am Wochenanfang gab es einen neuen Höchststand beim deutschen Leitindex Dax. Und deutsche Fintechs profitieren von den guten Märkten, da Kunden ihr Geld bereitwilliger in Aktien oder ETFs anlegen. So verkündeten die Robo-Advisor etwa im Januar einen Rekordmonat. Auch die deutschen Trading-Apps spüren den Aufwind. Eine neue Generation von Brokern wie Trade Republic oder Justtrade versucht gerade, mit gebührenfreiem Aktienhandel und schicken Apps eine junge Zielgruppe zu erschließen.

Ihr großes Vorbild heißt Robinhood. Das 2013 gegründete Fintech führte das Prinzip zero-commission investing in den USA ein. Es zählt zehn Millionen Kunden, prominente Geldgeber wie Index Ventures und Sequoia bewerten Robinhood mit 7,6 Milliarden US-Dollar. Anfang des Jahres kündigte Robinhood an, nach Großbritannien zu expandieren – das erste Land außerhalb der Heimat. Den deutschen Markt schaue sich das Unternehmen ebenfalls an, hieß es. „Einen genauen Expansionsplan außerhalb von Großbritannien gibt es derzeit jedoch nicht“, sagte Landeschef Wander Rutgers damals dem Handelsblatt.

Doch wie konkret die Vorbereitungen sind, zeigen nun Recherchen von Finance Forward. Seit wenigen Tagen hat Sherwood Research eine Facebook-Anzeige geschaltet, um das Anlageverhalten der deutschen Nutzer zu erkunden. In der Umfrage soll man beispielsweise Angaben zum eigenen Anlageverhalten machen („Stell Dir vor, jemand schenkt Dir 1.000 Euro, welche Du investieren musst. Von welchen Unternehmen würdest Du Aktien kaufen?“). Details zur Hausbank und der Zufriedenheit mit dem eigenen Broker fragt Sherwood Research ebenfalls ab. Mit ausgewählten Nutzern will das Forschungsinstitut dann am kommenden Donnerstag und Freitag in Berlin Interviews führen.

Schon die Anspielung auf „Sherwood Forest“ lässt erahnen, dass Robinhood selbst hinter der vermeintlichen Marktforschungsfirma steht. Auch im Facebook-Impressum ist das US-Fintech aufgeführt. Offiziell will sich Robinhood zu den Kundenbefragungen nicht äußern. Die Umfrage zeigt, dass das Startup den deutschen Markt zurzeit genau analysiert.

Gleichzeitig erkundigt sich der Trading-Anbieter nach Informationen von Finance Forward nach potentiellen Bankpartnern. Das Unternehmen bräuchte eine eigene Banklizenz oder einen Bankpartner, um mit seiner Brokerage-App starten zu dürfen. Der deutsche Konkurrent Trade Republic arbeitet beispielsweise mit der Solarisbank zusammen, Justtrade mit der Sutor Bank. Auch dazu äußert sich Robinhood auf Nachfrage nicht. „Wir (…) haben nichts Neues zu berichten“, heißt es von einer Sprecherin. Auf dem Jobportal von Robinhood ist bislang noch keine Stelle für den deutschen Markt ausgeschrieben. Sollte sich das Unternehmen nach der Marktanalyse für die Expansion entscheiden, wäre dies der nächste Schritt.

In den USA ist der Tradingmarkt umkämpft. Die etablierten Broker Charles Schwab und Fidelity senkten im vergangenen Jahr die Gebühren ebenfalls auf null – als Reaktion auf die neue Konkurrenz. In Deutschland könnten die klassischen Broker ebenfalls nachziehen und mit den Gebühren runtergehen, prognostizierte Unternehmensberater Matthias Hübner gegenüber Capital vor einigen Monaten: „Ich kann mir aber vorstellen, dass die Gebühren im Schnitt sinken.“ Flatex, einer der größeren Anbieter, ging vor wenigen Wochen einen anderen Weg – und kündigte eine Gebührenerhöhung an. Nach starker Kritik ruderte der Flatex-Chef bereits teilweise zurück. Trotzdem ist dies kostenlose Werbung für Trade Republic und Co. – und vielleicht bald auch für Robinhood.

Eine ausführliche Analyse zu den Nachteilen der neuen Broker ist Ende des vergangenen Jahres im Capital-Magazin erschienen.

Mitarbeit: John Stanley Hunter

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