Nikolay Storonsky am Rande der FFWD22 in Hamburg (Bild: Florian Thoss)

Revolut-Gründer Nik Storonsky – sie nennen ihn den „Hai“

Mit der britischen Neobank Revolut hat Nikolay Storonsky eines der wichtigsten europäischen Fintechs aufgebaut. Leute, die ihn gut kennen, nennen ihn hinter vorgehaltener Hand den „Hai“: leise, aber angriffslustig. Doch das, was den Revolut-Gründer für die Konkurrenz so gefährlich macht, könnte seine Mission auch zum Scheitern bringen: sein radikaler Leistungswille. Ein Portrait.

Nikolay Storonsky sitzt breitbeinig im Scheinwerferlicht, die Hände in den Schoß gelegt, und erzählt mit ruhiger Stimme von seinen Welteroberungsplänen. Der Unternehmer ist keiner, der dabei ins Schwärmen gerät. Kurz angebunden, fast emotionslos pariert er Fragen, längere Gedanken spult er numerisch ab. Erstens, zweitens, drittens, nächste Frage. Alles an seinem Auftreten atmet Effizienz. Für sein Vorhaben muss er sich die Kräfte auch gut einteilen.

„Wir bauen eine globale Bank mit lokalen Dienstleistungen“, sagt Storonsky auf dem Podium der Finance-Forward-Konferenz. Mit seiner App wolle er künftig sämtliche Finanzservices aus einer Hand anbieten, Bankgeschäfte, Versicherungen, Aktien- und Kryptohandel – aber auch: Shopping und Reisebuchungen. Eine Super-App rund ums Geld, Vorbildern wie Wechat und Alipay aus China nicht unähnlich. Und das alles, sagt er, „in jedem einzelnen Land der Welt“. In der Branche hat kaum jemand Zweifel daran, dass er es mit seinen Plänen ernst meint.

Storonsky ist Gründer und CEO von Revolut, einer Neobank, die bisher den traditionellen Geldhäusern mit einer schicken App und Billigtarifen die junge Kundschaft wegschnappt. Mit fast 20 Millionen Kunden und einer Unternehmensbewertung von 33 Milliarden Dollar ist Revolut eine der größten Smart­phone­ban­ken der Welt, fast so wertvoll wie die Commerzbank und Deutsche Bank zusammen.

Doch dem 37-Jährigen reicht das nicht: Er will die Finanzindustrie erobern, die Börse und dann den Rest der Welt.

Auf der Konferenz in Hamburg steigt Storonsky nun von der Bühne, Schatten unter den Augen, die Haare hinters Ohr geklemmt. Sein nüchterner Ton steht im krassen Kontrast zu seinem Aufzug: Der Revolut-CEO trägt eine zerrissene Jeans mit weißen Farbsprenkeln, dazu ein Leinenhemd. Fast so, als hätte er gerade renoviert. Zwischen den anderen Fintechmanagern in ihren Casual-Friday-Chinos sticht er sofort he­raus. Offenbar aus Prinzip: „Ein gutes Produkt baut man, indem man mit dem Status quo bricht“, sagt er.

Dabei hat der Anti-Banker, der so wenig auf die Konventionen der Finanzbranche gibt, selbst dort angefangen. Der Brite mit russischen und ukrainischen Wurzeln arbeitete mehr als sieben Jahre als Derivatehändler – erst bei Lehman Brothers, dann bei Credit Suisse – bevor er mit seinem Mitgründer Vladyslav Yatsenko die Idee für Revolut entwickelte.

2015 ging es richtig los. Das Fintech startete zunächst mit einer App für Vielreisende. Als Kernprodukt bot es international gebührenfreie Geldtransfers an. Zudem lockte es seine Kunden mit einer Mastercard, mit der man weltweit kostenlos Geld abheben kann. „Am Anfang wussten wir nicht viel über Zahlungen“, sagt Storonsky. Wichtig war nur, dass es kostenlos sein sollte. Das Kernprodukt gibt es noch immer – doch inzwischen sind viele weitere Funktionen hinzugekommen.

Schneller als die Deutschen

Revolut legte von Anfang an ein enormes Tempo an den Tag. Nach einem Jahr hatte es nach eigener Aussage 200 000 Kunden – doppelt so viel wie der deutsche Konkurrent N26 in seinem ersten Jahr. Den Investoren gefiel der Wachstumseifer, sie investierten immer mehr Geld für die Expansion: bis heute geschätzte 1,7 Milliarden Dollar an Risikokapital.

Geld verdient Revolut vor allem mit einer Transaktionsgebühr, die bei Kartenzahlungen anfällt, aber auch mit Kontoführungsgebühren und Finanzprodukten wie Versicherungen und einem Trading-Angebot. Der Umsatz lag 2020 bei knapp 360 Millionen Dollar. Insgesamt ist Revolut in 36 Märkten aktiv, in Europa, den USA und anderswo. Doch das soll nur der Anfang sein. „Mein Ziel ist, dass die Leute uns als globale, grenzenlose Bank sehen“, sagt Storonsky. Eine, die viel moderner sei als die Traditionsbanken. „Etwa so wie ein Elek­tro­auto gegenüber einem Dieselauto.“

Dabei hat Storonsky offenbar keine Zeit zu verlieren. Nach seinem Auftritt auf der Konferenz eilt er zum nächsten Termin. Im Gehen tippt er ein paar Nachrichten ins Smart­phone. Veranstaltungen wie diese seien für ihn eher „Entertainment“, erzählt er, keine richtige Arbeit. Die versucht er heute offenbar nebenbei im Laufschritt zu erledigen.

„Sich nie zufriedengeben, das ist superwichtig“, sagt er. „Denn je größer und erfolgreicher das Unternehmen wird, desto mehr Leute lehnen sich zurück.“ Seine Arbeitsmoral ist in der Branche berüchtigt. Genauso wie das Pensum, das er sich und seinen Mitarbeitern abverlangt.

Unser komplettes Portrait von Nikolay Storonsky lest ihr heute auf Capital.de (€).

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