In einem Videocall wie in diesem Symbolbild kündigte CEO Valentin Stalf Gehaltserhöhungen an (Bild: Chris Montgomery/Unsplash)

N26 reagiert auf Kritik – und kündigt Gehaltserhöhungen an

Exklusiv: Nach Kritik seiner Mitarbeiter bietet N26 einigen von ihnen Gehaltserhöhungen und Mitarbeiterbeteiligungen an. Dies geht aus einer internen Mail der Geschäftsführung hervor.

Valentin Stalf war kurz angebunden, als er sich am Montagmittag vor seine Mitarbeiter stellte. Per Videokonferenz verkündete der N26-Chef, dass sie ab April eine außerplanmäßige Gehaltserhöhung erhalten würden, Details sollten in einer Email folgen. Das berichten mehrere Personen, die dabei waren. Stalf habe betont, dass es auch darum ginge, als Arbeitgeber attraktiv zu sein und ein „wettbewerbsfähiges Angebot“ machen zu können. Er wolle verhindern, Mitarbeiter zu verlieren.

Doch das hat er bereits: Seit Beginn der Coronakrise sind mindestens 300 Mitarbeiter gegangen, wie Finance Forward am Montag nur wenige Stunden vor dem Meeting berichtet hatte. Das wichtigste deutsche Fintech verliert sein Personal an gutfinanzierte Startups wie Trade Republic oder Vivid Money. Ein Grund für die Unfriedenheit soll die Bezahlung sein, berichten zahlreiche Mitarbeiter.

Die Ankündigung und der Artikel über die zahlreichen Abgänge sorgte für Gesprächsstoff unter den Mitarbeiter. Am Donnerstagsnachmittag um halb zwei kam dann die erwartete Mail des Firmenchefs.

N26 will wettbewerbsfähig bleiben

Als Dank für die harte Arbeit in der Coronakrise – aber auch, um als Arbeitgeber wettbewerbsfähig zu bleiben – würden Mitarbeiter in den kommenden Tagen bezüglich einer Gehaltserhöhung oder Mitarbeiterbeteiligungen von ihren Vorgesetzten kontaktiert werden, heißt es in der Mail, die Finance Forward vorliegt. Diese sollen zum üblichen Beförderungszyklus hinzu kommen. „Wir erkennen an, das 2020 auf verschiedenen Ebenen ein schwieriges Jahr war“, schreibt der CEO. Weiter heißt es: „Da wir die Chance haben, das Banking für Millionen von Kunden zu verändern, ist für uns weiterhin am wichtigsten, die besten Talente aus aller Welt anziehen und halten zu können“.

Gleichzeitig stimmt der Firmenchef seine Mitarbeiter bereits auf den Börsengang ein. „Unsere Reise in den kommenden Monaten und Jahren wird noch spannender, wenn wir unseren IPO vorbereiten“, schreibt er ihnen. Dafür hat Stalf bereits den prominenten Finanzchef Jan Kemper an Bord geholt, der den erfolgreichen Börsengang des Online-Händlers Zalando vorbereitet hat.

Berliner Fintech-Talente werden immer beliebter

Wie viele und welche Mitarbeiter von den angekündigten Gehaltserhöhungen profitieren, geht dagegen aus der Email nicht hervor – was unter den Mitarbeiter, mit denen Finance Forward gesprochen hat, für Skepsis sorgte. „In meinem Team sagen alle: ‚Das wird uns wahrscheinlich eh nicht betreffen‘“, sagt einer. Die Aussagen Stalfs sind tatsächlich vage formuliert. In der Mail heißt es, die Erhöhung sei von der „Performance“ der einzelnen Mitarbeiter abhängig. Ein Sprecher lehnte es auf Anfrage ab, interne Entwicklungen zu kommentieren.

Das Fintech kann es sich unterdessen nicht leisten, seine Mitarbeiter nach der Ankündigung zu enttäuschen. Es braucht qualifizierte Mitarbeiter, denn die Konkurrenz um Talente hat zugenommen. Berlin ist zu einem der wichtigen globalen Fintech-Standorte aufgestiegen. Viele der konkurrierenden Startups konnten in den vergangenen Monaten hohe Finanzierungen einsammeln und stellen neue Leute ein.

Nach einem Jahr 300 Mitarbeiter weniger

Schon einmal hat N26 seine Mitarbeiter in den vergangenen Monaten verärgert, als es den üblichen Beförderungszyklus, unter Berufung auf die Coronakrise, aussetzte. Es habe lediglich Mitarbeiterbeteiligungen, sogenannte ESOPs, gegeben, die sich erst bei einem potentiellen Börsengang oder Unternehmensverkauf auszahlen.

Im Jahr der Coronakrise hatten – auch wegen der Bezahlung – mehr Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Am Montag berichtete Finance Forward unter Berufung auf interne Dokumente, dass die Firma von fast 1.500 Mitarbeitern im April 2020 auf 1.165 geschrumpft sei, dabei zählte die Firma ihre Praktikanten, Werkstudenten und externe Beschäftigte mit Zeitvertrag nicht hinzu.

Das Unternehmen erklärte, es habe Mitarbeiter des Kundenservice ausgelagert. Auch dementierte das Fintech die Mitarbeiterzahl von 1.165, sie liege „viel höher“, sagte ein Sprecher. Da am Montag weitere Mitarbeiter hinzugekommen sind, steht sie nach Informationen von Finance Forward jetzt bei 1.180 Angestellten.

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