Ein Team für Mollie: Deutschlandchefin Katharina Meran und der neue CEO Shane Happach (Bild: PR)

Angriff auf Stripe: Payment-Aufsteiger Mollie holt neuen CEO

Exklusiv: Das Fintech-Unicorn Mollie bekommt eine neue Führung: Der erfahrene Payment-Manager Shane Happach leitet den niederländischen Zahlungsdienstleister künftig. Gerade in Europa will die Firma ein Gegengewicht zu Stripe aufbauen. Was hat der neue CEO vor?

Das Coronajahr hat einige Digitalfirmen aus dem Nichts herauf katapultiert. Mollie gehört dabei zu den großen Aufsteigern – noch vor Monaten war das Fintech nur Insidern ein Begriff. Seit 17 Jahren ist der Payment-Anbieter bereits am Markt und finanzierte sich bis vor kurzem aus den eigenen Einnahmen. Adriaan Mol, der die Firma nach seinem Spitznamen benannte, sagte einmal: „It’s the Dutch way“. Durch eine lange Zeit des Bootstrappings habe er ein Fundament aufgebaut.

Seit wenigen Monaten gehört Mollie nun zu den aussichtsreichsten europäischen Fintechs mit einer Milliarden-Bewertung, der renommierte Investor TCV, der schon Netflix, Bytedance und Facebook finanzierte, stieg in einer 100-Millionen-Runde ein. Es war erst die zweite Finanzierungsrunde überhaupt. Online-Händler können mit Mollie Zahlungen im Netz akzeptieren.

Getrieben wird die Fantasie der Investoren dabei durch einen mächtigen Wettbewerber aus den USA: Stripe soll laut Berichten mit 100 Milliarden Dollar bewertet sein. Für den Angriff in Europa holt sich Mollie nun einen erfahrenen CEO, wie Finance Forward vorab erfuhr. Shane Happach kommt vom großen Konkurrenten Worldpay.

Das Playbook ist klar: aggressives Wachstum

Mit Happach kommt ein ausgewiesener Branchenkenner zu Mollie. Der Manager ist bereits seit 16 Jahren bei Zahlungsdienstleistern tätig, zuletzt in der E-Commerce-Sparte des Payment-Giganten Worldpay. Davor war er lange Jahre bei Ingenico, ein anderer europäischer Riese, der sich nun mit Worldline zusammen getan hat. Happach ersetzt Gaston Aussems, der Mollie sieben Jahre lang leitete. Im Hintergrund zieht derweil Gründer Adriaan Mol die Strippen, er kümmert sich um die Strategie und Innovationen – ihm gehört noch mehr als die Hälfte der Milliarden-Firma.

Das Playbook für Happach ist klar: Eine aggressive Expansion steht an. Erst vor wenigen Tagen verkündete Mollie den Markteintritt in Großbritannien. Nach einem Start in den Benelux-Ländern ist Deutschland inzwischen der wichtigste Markt, hier führt Katharina Meran ein eigenes kleines Vertriebsteam in München und Kiel. Zu konkreten Umsatzzahlen gibt das Unternehmen keine Auskunft. Doch die Händlerzahl im deutschsprachigen Raum ist von 1.000 innerhalb eines Jahres auf 5.000 angewachsen. Das Unternehmen hat 2020 erstmals zwölf Milliarden Euro an Transaktionen verarbeitet, was einem Wachstum von 120 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Zum Vergleich: Der börsennotierte Payment-Dienstleister Adyen kommt auf 300 Milliarden Zahlungen, die er abwickelt.

Mollie setzt allerdings auf ein margenstärkeres Segment. Das Unternehmen werde „sich weiterhin auf kleine Unternehmen in Europa fokussieren“, sagt der neue CEO Shane Happach. Mit dem Lieferdienst Deliveroo und der Champagnermarke Moet & Chandon hat es vereinzelt große Kunden, die für ihre Zahlungen mit Mollie arbeiten. In Zukunft werde die Firma sie auch stärker in den Fokus nehmen. „Um Wachstum garantieren zu können, werden wir große Unternehmen langfristig nicht ignorieren können“, so Happach.

Die Firma verfolgt dabei einen ähnlichen Ansatz wie Stripe. Die Tools lassen sich technisch gut einbinden – und kleinere Unternehmen sind die Zielgruppe. Happach und sein Team wollen dabei erst einmal einen würdigen Gegner auf dem europäischen Kontinent aufbauen, bevor sich die Firma global mit Stripe messen will, heißt es. Wie groß Stripe in Deutschland ist, lässt sich nur schwer beurteilen. Die kommenden Jahre müssen zeigen, welches Produkt bei der Zielgruppe besser ankommt.

Die Macher von Check24 und Klarna wetten auf Mollie

Besonders die Coronakrise hat der Paymentbranche einen massiven Auftrieb beschert. Verbraucher kaufen immer mehr online ein und zahlen auch im stationären Handel vermehrt mit Karte oder Smartphone. Gleichzeitig haben viele kleine Händler im Lockdown begonnen, ihre Ware auch online anzubieten – und suchten sich dafür einen angemessenen Zahlungsdienstleister. Für diese Zielgruppe ist Mollie gut positioniert.

Den Aufwind will Mollie allerdings nicht für einen schnellen Börsengang oder sogar ein Listing durch eine SPAC nutzen, dies sei bei den Gesprächen zu seiner neuen Position als CEO kein großes Thema gewesen, sagt Happach. „Jeder Gründer macht sich natürlich Gedanken über einen Exit.“ Für Mollie sei das in näherer Zeit jedoch nicht auf dem Plan.

Spannend sind unterdessen die bisherigen Finanziers des europäischen Projekts. In einer früheren Finanzierungsrunde sollen sich Manager von dem schwedischen Payment-Unternehmen Klarna, das seit Montag zu einem der wertvollsten Fintechs der Welt gehört, und die Macher des Vergleichsportals Check24 beteiligt haben, wie aus einer alten Pressemitteilung hervorgeht. Um wen es sich genau handelt, will Mollie nicht verraten. Feststeht: Einige Brancheninsider wetten auf den niederländischen Aufsteiger.

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