Wefox ist das größte deutsche Versicherungs-Startup (Bild: imago/Cord).

Job-Analyse: Deutsche Versicherungs-Startups trotzen der Krise

Während viele deutsche Fintech-Startups in den vergangenen Monaten Mitarbeiter entließen, sah es bei den jungen Versicherungs-Anbietern überraschend gut aus. Ein zurückhaltendes Insurtech sticht dabei hervor. Wie ist die Lage?

Wefox zeigt sich unbeeindruckt. Das Versicherungs-Startup stellt weiterhin ein, während viele Fintechs derzeit Mitarbeiter entlassen. 171 offene Stellen finden sich auf der Webseite. Das Startup führe 1.200 Beschäftigte, heißt es dort. Bis Ende des Jahres will die Berliner Firma 700 weitere Personen einstellen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Insgesamt gab es bei Insurtech-Startups in Deutschland bislang noch keine größere Entlassungswelle in diesem Jahr – zumindest sind keine bekannt geworden. Im Gegenteil: Die Anbieter sind im Vergleich zum Vorjahr weiter gewachsen, mit zwei prominenten Ausnahmen.

Dabei ist das Segment allerdings noch vergleichsweise klein. Laut einer Auswertung von Finanz-Szene und Finance Forward beschäftigten 15 der namenhaften deutschen Versicherungs-Startups im Frühjahr knapp 2.000 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Allein N26 und andere Banking-Anbieter bringen es auf rund 3.000 Personen.

Wachstumsausnahmen sind Coya und Simplesurance

Der größte Player in der Branche kann sich das Wachstum leisten: Erst kürzlich hat Wefox noch einmal 400 Millionen Dollar eingesammelt, bei einer Bewertung auf 4,5 Milliarden Dollar. (Finance Forward berichtete). Im vergangenen Jahr erzielte Wefox nach eigenen Angaben einen Umsatz von 320 Millionen Euro, für dieses Jahr peilt es 600 Millionen Euro an. Die Expansion in Europa soll weitergehen, hieß es dabei.

Die positive Entwicklung bettet sich in einen Gesamttrend ein: Der Versicherungsmanager Clark hat über zwei Jahre ein Wachstum von 60 Prozent hingelegt, Thinksurance aus Frankfurt baute ebenfalls eine größere Belegschaft auf.  Ausnahmen sind Coya, das vor einer Übernahme mit dem Problemen zu kämpfen hatte, oder Simplesurance, das ebenfalls das Team verkleinert hat und dessen Umsatz zuletzt stagnierte.

Stärker gewachsen ist indes ein Hidden Champion, der bislang zurückhaltend aufgetreten ist – aber überraschend groß ist: Friday, der Berliner Anbieter für Versicherungen, hat laut Crunchbase bislang 114 Millionen Dollar eingesammelt. Das Geld kommt zum Großteil von der Versicherung Baloise, die das Startup gestartet hat.

Mit 157 Mitarbeitern ist Friday das drittgrößte deutsche Insurtech und konnte in den vergangenen zwei Jahren jeweils um 30 Prozent wachsen. Auf Linkedin hat das Startup derzeit 33 Stellen ausgeschrieben. Im Gegensatz zu Wefox und Clark beschäftigt Friday keine eigenen Makler.

Die Bewährungsprobe für das junge Segment steht nun an, es muss gelingen auch in dem aktuell schwierigen Umfeld zu wachsen und sich weiter durch Investorengelder zu finanzieren. Mit rund 100 Mitarbeiter und Millionen-Umsätzen haben einige Anbieter bereits eine kritische Größe erreicht.

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