Das Gründerteam: Benedikt Wenninger, Julia Schabert und Dimitrij Miller (von links). Bild: Benjamin Herchet.

Fintech-Volksbank investiert in Teilverkauf-Startup Heimkapital

Exklusiv: Ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag fließt in das Startup Heimkapital, das Immobilien teilweise ankauft. Auch die umtriebige Vereinigte Volksbank beteiligt sich wieder – und hat mehr Startups im Portfolio, als bislang bekannt ist.

Die Nachrichten von Entlassungen, Insolvenzen und Downrounds der globalen Fintech-Szene kamen nicht überall schlecht an. In der traditionellen Bankenbranche freuten sich einige Manager hinter vorgehaltener Hand über die schwierige Lage der Startups. Manche Banker prophezeiten bereits das Ende des Fintech-Booms.

Ralf Magerkurth, Chef von einem Zusammenschluss hessischer Volksbanken, setzt hingegen seine Startup-Strategie fort. Mit seiner Vereinigten Volksbank trat er schon im vergangenen Jahr als Kreditgeber hinter prominenten Finanz-Startups wie Banxware, Ratepay und Bille auf. Mittlerweile beteiligt sich die Bank verstärkt auch direkt an jungen Unternehmen. Neuester Deal ist das Investment in das Münchner Teilverkauf-Startup Heimkapital, wie Finance Forward erfuhr.

Volksbank bietet selbst Teilverkäufe an

Einen Betrag um die rund zehn Millionen Euro investiert die Volksbank zusammen mit Amavi Capital und dem Fintech-Fonds Ilavska Vuillermoz Capital. Auch Altinvestoren wie Yabeo, der zum Beispiel an Solaris beteiligt ist, hat Geld nachgeschossen. Das Geschäftsmodell sieht vor, dass Heimkapital die Immobilien von älteren Menschen teilweise abkauft (Finance Forward berichtete über den Trend). 300 Millionen Euro an Krediten hat das Unternehmen erhalten, um damit Immobilien anzukaufen. Insgesamt 100 Millionen sollen davon bis zum Ende des Jahres ausgegeben sein.

Mit dem Aufkommen der neuen Finanzierungsform kam auch die Kritik von Verbraucherzentralen. Die Senioren könnten sich oftmals günstiger einen Kredit bei der Bank holen, als einen Teil ihres Hauses zu verkaufen, hieß es dort. Heimkapital-Gründer Dimitrij Miller sagte dazu zu Finance Forward: „Wir sind ganz transparent und sprechen an, wenn ein Kredit bei der eigenen Bank für unseren Kunden besser passt, zum Beispiel bei einem Lehrerpaar mit guter Rente.“ Aber dies sei bei vielen der Heimkapital-Kunden nicht der Fall. „Außerdem wollen sie einige auch nicht als Bittsteller Geld bei einer Bank holen“, sagt der Gründer. Zusätzlich sei das Modell bei einer vorzeitigen Rückzahlung flexibler, man könne die Immobilie zurückkaufen, statt eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung zu zahlen, heißt es vom Unternehmen.

Die Volksbank von Ralf Magerkurth hat keine Zweifel und ist selbst in das Geschäft eingestiegen. Kürzlich startete das Geldhaus eine Plattform für den Teilverkauf. Es ist anzunehmen, dass die Volksbank auch zu den Kreditgebern von Heimkapital zählt. Für das Unternehmen sei das Investment nun ein „Qualitätssiegel“, sagt Gründerin Julia Schabert.

Offenbar ist es nicht der einzige Deal vergleichbare Deal. Auch mit dem Heimkapital-Konkurrenten Wertfaktor macht die Volksbank gemeinsame Geschäfte, wie Recherchen zeigen. Die regionale Bank hat die Teilverkäufe als Zukunftsmarkt ausgemacht.

Nicht nur Kreditgeber

Doch die Beteiligung an Heimkapital unterstreicht zusätzlich, dass die Bank längst nicht mehr nur als Kreditgeber bereit stehen will, sondern sich auch direkt an den Unternehmen beteiligt, darunter etwa die Immobilienplattform Engel & Völkers Digital Invest, wie Finance Forward berichtete. Weitere Investments sind wohl bereits unter Dach und Fach, allerdings noch nicht öffentlich. Die Volksbank macht trotz des schwierigen Fintech-Marktes einfach weiter.

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