Einige Volksbanken drängen in neue Geschäftsbereiche. Der Hauptverband der Volks- und Raiffeisenbanken (Bild: PR)

Fintech-Volksbank leiht Billie rund 100 Millionen Euro

Exklusiv: Nach der großen Finanzierungsrunde stockt das Factoring-Startup Billie auch seine Kreditlinie auf, rund 170 Millionen Euro stehen bereit. Größter Partner ist eine umtriebige Volksbank aus Hessen – es ist ihr fünfter Fintech-Deal in wenigen Monaten.

Matthias Knecht hatte von der hessischen Volksbank gehört, die gerne mit Fintechs zusammenarbeitet. „Irgendwann habe ich dem Chef Ralf Magerkurth nachts um halb zehn auf Linkedin geschrieben“, erzählt Knecht. Schon wenige Minuten später habe er eine Antwort erhalten. Innerhalb von wenigen Wochen waren sich Gründer und Volksbank handelseinig. „Das ging rasant schnell, eine Geschwindigkeit, die ich von Goldman erwartet hätte, nicht von einer Volksbank.“

Das überschwängliche Lob für einen neuen Partner ist nicht ungewöhnlich, doch der Name Magerkurth taucht mittlerweile häufiger in der deutschen Fintech-Szene auf. Er ist der Chef der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank, einem Zusammenschluss von regionalen Banken in Südhessen und Franken. Sein neuester Deal: Seine Bank steckt rund 100 Millionen Euro in das Factoring-Startup Billie aus Berlin, das gerade erst ein großes Funding mit Tencent und Klarna abgeschlossen hat.

Kreditlinie für die neue Partnerschaft

Als Teil der Finanzierungsrunde hat sich Billie eine neue Kreditlinie gesichert, rund 171 Millionen Euro (200 Millionen Dollar laut Billie) stellen die Magerkurth-Volksbank, Raisin und Varengold bereit. Das Berliner Fintech finanziert auf diesem Wege sein weiteres Wachstum, es drängt zurzeit in den Markt für das sogenannte „Buy now, pay later“. Die beliebte Zahlart für Endkunden soll nun auch bei Unternehmenskunden bekannt gemacht werden. Für diesen Schritt arbeiten die Berliner mit Klarna zusammen – ab dem kommenden Jahr soll das Billie-Angebot über das Händlernetz des schwedischen Payment-Riesens vertrieben werden. Schon jetzt drängt Billie stärker in das Segment, beispielsweise über den Online-Händler Contorion (Finance Forward berichtete).

Im Hintergrund handelt es sich um einen Forderungsankauf von Billie (Factoring), das Fintech kauft dabei dem Händler die Forderung ab und holt sich auf der anderen Seite Refinanzierungspartner – wie jetzt mit der Vereinigten Volksbank Raiffeisen, Raisin und Varengold. „Im Durchschnitt haben die Käufer ein Zahlungsziel von 30 Tagen“, sagt Knecht, „Das heißt, aus den 200 Millionen Dollar können wir 2,4 Milliarden pro Jahr finanzieren.“ Noch schöpfe Billie diesen Betrag nicht aus.

Start mit einer Penta-Kooperation

Für Magerkurth und die Volksbank ist es bereits der fünfte Fintech-Deal. Erst vergab das Unternehmen über das Banking-Startup Penta Kfw-Kredite. Dann folgte eine Partnerschaft mit den beiden Gründungen von Miriam Wohlfarth, einmal finanzierte er das neue Embedded-Finance-Startup Banxware mit 100 Millionen Euro, dann den „Buy now, pay later“-Anbieter Ratepay sogar mit 200 Millionen Euro.

Im Juli verkündete dann die Kreditplattform Creditshelf eine Kooperation mit der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank, die Unternehmenskunden der Bank können künftig auch Kredite über die Plattform erhalten. „Wir leben Ökosystem-Banking“, ließ sich Magerkurth in diesem Kontext zitieren.

Die Bank, mit einer Bilanzsumme von rund drei Milliarden Euro, probiert sich aus – auch, weil sie dazu gezwungen ist. „Da wir aus einer strukturschwachen Region stammen, müssen wir in der Kreditvergabe andere Wege gehen als andere Regionalinstitute“, sagte der Volksbank-Chef gegenüber Finanz-Szene.de. Nun müssen allerdings die verschiedenen Fintech-Partner abliefern. Im Geschäftsbericht des kommenden Jahres dürfte sich erstmals abzeichnen, wie gut die Kooperationen funktionieren.

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