Finleap-CEO Ramin Niroumand (Bild: PR)

Finleap-CEO Ramin Niroumand tritt ab und gründet eigenen Fintech-Fonds

Exklusiv: Nach sieben Jahren wird Ramin Niroumand den CEO-Posten beim Company Builder Finleap niederlegen und wechselt im kommenden Jahr in den Beirat. Er startet einen Wagniskapitalgeber mit dem Fokus auf junge Fintech-Firmen.

Einer der wichtigsten Köpfe der deutschen Fintech-Szene wagt den Neuanfang: Ramin Niroumand, der in den vergangenen Jahren den Company Builder Finleap aufgebaut und geleitet hat, geht künftig unter die Investoren – das kündigte er im Gespräch mit Finance Forward und Finanz-Szene an. Man könne nicht von Banken erwarten, agil zu sein, wenn man das eigene Geschäftsmodell nicht auch hinterfragen und anpassen würde, sagte der Finleap-CEO.

Mehrere der Finleap-Startups konnten in den vergangenen Monaten größere Funding-Erfolge vermelden: Der Banking-Anbieter Solarisbank etwa schaffte den Sprung zur Milliarden-Bewertung und das Versicherungs-Startup Clark erhielt 69 Millionen Euro. Um den Company Builder und Niroumand war es dagegen ruhig geworden, er hatte im Dezember 2020 angekündigt, keine neuen Firmen mehr zu bauen. Zudem entließ die Firma einen Teil des Teams: Von einstmals gut 80 Mitarbeitern blieben etwa 15 übrig.

Hoher zweistelliger Millionenbetrag

Nun wird Niroumand zum Ende des Jahres von der operativen CEO-Rolle in den Beirat wechseln und gründet einen Wagniskapitalgeber. Ein hoher zweistelliger Millionen-Betrag soll zusammenkommen, um in einer frühen Phase in Finanz-Startups zu investieren. Mit einem Betrag von einer halben Million bis zu fünf Millionen Euro wolle sich sein Fonds beteiligen, heißt es. Zu den Geldgebern äußerte sich Niroumand nicht.

Für den Bau eigener Firmen sei der Markt mittlerweile zu weit entwickelt, deswegen funktioniere Company Building nicht mehr, sagt Niroumand. Zum Start der Solarisbank sei es noch schwierig gewesen, für einen großen Plan zwölf Millionen Euro einzusammeln. Dies sei nun anders, weil die „Venture-Capital-Szene erwachsen geworden ist“. Gleichzeitig gebe es – bis auf CommerzVentures – keinen Fonds in Deutschland, der sich nur auf den Fintech-Markt fokussiere.

Für Niroumand ist es auch eine Abnabelung vom Seriengründer Jan Beckers, mit dem er Finleap zusammen gegründet hat. Beckers Ioniq Group ist immer noch der größte Anteilseigner des Berliner Unternehmens. Bei dem neuen Fonds werde er dagegen der Mehrheitseigner sein, sagt Niroumand. Ein Name steht noch nicht fest, bei dem geplanten „leapX Partners“ gab es gleich zwei Widersprüche, davon einer vom Dax-Konzern Bayer, der die Marke „Leaps“ eingetragen hat.

Verkaufen, „wenn es Spaß macht“

Ein kleines Team von Finleap bleibe an Bord und kümmere sich um das Portfolio, zum Beispiel beim Fundraising. Niroumand bleibt als „Chairman“ an Bord und sitzt noch in den Beiräten der Solarisbank und Element. Die Startup-Beteiligungen würde Finleap verkaufen, „wenn es Spaß macht“ – also der Preis stimme. Zeitdruck hätte das Unternehmen dabei nicht, es gebe kein Enddatum wie bei einem Fonds.

Hätte er die Firmen in den vergangenen Monaten verkauft, „wäre ich der größte Depp auf Erden“, sagt der 34-Jährige. Zuletzt stieg der Wert von mehreren der Beteiligungen stark an. Als nächstes Unternehmen, das eine Milliarden-Bewertung erreiche, setze er auf Clark, „wenn ich wetten müsste“, sagt Niroumand.

Das ausführliche Gespräch mit Ramin Niroumand könnt ihr im Podcast von Finanz-Szene.de nachhören, den Caspar Schlenk von Finance Forward und Heinz-Roger Dohms von Finanz-Szene zusammen geführt haben.

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