JP Morgan expandiert stärker nach Europa (Bild: Precious Madubuike/Unsplash)

Zwei Neobroker auf Käufersuche – J.P. Morgan soll Interesse an Freetrade zeigen

Ein Umbruch in der europäischen Fintech-Szene deutet sich an: Mit Bux und Freetrade befinden sich zwei Trading-Startups in Verkaufsgesprächen. Es dürften nicht die letzten Berichte über Zukäufe bleiben.

In einem Berliner Coworking-Space werkelt ein kleines Team seit einigen Monaten an einem der spannendsten neuen Banking-Projekte in Deutschland. Die Großbank J.P. Morgan baut dort eine Digitalbank auf und hat bereits Personal von Fintech-Unicorns wie N26 und Bitpanda abgeworben.

Eine neue Nachricht unterstreicht nun die Ambitionen der US-Bank, in Europa weiter zu expandieren. Wie Sky News berichtet, ist die Bank an dem Londoner Fintech Freetrade interessiert. Gespräche zu einer Übernahme würden laufen, schreibt das britische Medium. Bei Freetrade handelt es sich um einen Neobroker mit rund einer Million Kundinnen und Kunden, der schon länger nach Deutschland expandieren will.

Derweil befindet sich abgesehen von Freetrade auch der Konkurrent Bux auf Käufersuche. Mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen berichten von den beiden Verkaufsprozessen. Sie sollen bei anderen Finanzanbietern als Übernehmer vorgefühlt haben. Zuerst hatte Business Insider über einen möglichen Exit von Bux berichtet.

Dutzende Neobroker sind gestartet

Beobachter bewerteten die Gespräche als ein Zeichen für den schwierigen Markt. Es stellt sich die Frage, wie viele Neobroker in Europa eigenständig überleben können. Ein Insider spricht von einer „Konsolidierung“, die sich andeutet. Dabei dürfte es nicht nur bei Freetrade und Bux bleiben – weitere Trading-Startups werden sich nach Käufern umschauen.

Dutzende Spieler konnten in den vergangenen Jahren vom Trading-Hype profitieren. Zusätzlich fiel es nicht schwer, Wagniskapitalgeber zu finden. Nun hat sich die Stimmung gedreht – bei Kundinnen und Kunden, aber auch bei Startup-Geldgebern.

Freetrade versuchte bereits im Frühjahr, eine Finanzierungsrunde mit einer Firmenbewertung von 700 Millionen Pfund (817 Millionen Euro) abschließen. 2021 lief gut für die Londoner Firma von CEO Adam Dodds: Nach einem Funding im März konnte es im Laufe des Jahres seinen Wert mehr als verdoppeln – auf 650 Millionen Pfund. Doch in diesem Jahr legte es die Pläne erst einmal auf Eis, wie die Financial Times berichtete. Die Schuld schob das Unternehmen auf die abgekühlte Investorenstimmung.

Markttest für die Neobroker

Ein halbes Jahr später befindet sich das Unternehmen nun einem sogenannten dualen Prozess und sucht nach neuen Investoren oder einem Käufer. Die Bank of America habe es dafür mandatiert, heißt es bei dem Branchenmedium Altfi. Parallel suchte der Neobroker mit 1,3 Millionen registrierten Nutzerinnen und Nutzern auch Hilfe bei der Crowd. Dort bekam es rund zwei Millionen Pfund. Auch ein Zeichen für Zurückhaltung, noch im vergangenen Jahr gaben die Kleinanleger rund acht Millionen Pfund – innerhalb von einem Tag. Der Kaufpreis oder die Bewertung der nächsten Finanzierungsrunde wird nun der große Markttest.

Mit seinem Trading-Angebot erzielte das Startup im Boomjahr 2021 12,7 Millionen Pfund – und ist damit relativ klein. Schon vor Monaten reduzierte das Startup seine Belegschaft und feuerte 15 Prozent der rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Public.com schaut nach Europa

Auch der niederländische Neobroker Bux findet sich laut Insidern in Verkaufsgesprächen, wie Business Insider berichtet, soll das US-Startup Public.com Interesse an einer Übernahme haben. Der Neobroker ist mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet und hat starke Geldgeber wie Tiger Global im Rücken. Public.com hat bereits angekündigt, dass es den Weg nach Europa im kommenden Jahr sucht. Der Markt bleibt damit weiter umkämpft, doch die Player, die sich 2023 gegenüber stehen, könnten schon andere sein.

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