Das Startup Bitwala sitzt im Umspannwerk in Berlin-Kreuzberg (Bild: imago images / Arnulf Hettrich)

Das Möchtegern-N26 – Bitwala und die 15-Millionen-Runde

Das Krypto-Startup Bitwala präsentiert sich gerne als das nächste N26. Die Nutzerzahl wächst schnell, die Bitcoin-Kurs ist hoch. Doch die neue Finanzierungsrunde ist noch nicht überzeugend.

Es ist klar, es gibt nur ein Vorbild für das Krypto-Startup Bitwala – und das heißt: N26. Gerade erst hat Bitwala die Produktspezialistin Kristina Walcker-Mayer bei der Smartphone-Bank abgeworben, es teilt sich einen Investor und der Chef verkündete jüngst im Handelsblatt, das Fintech wolle „mindestens so groß wie N26“ werden.

Bislang sieht die Realität allerdings noch anders aus. Das zeigt sich auch bei der aktuellen Finanzierungsrunde: Insgesamt 15 Millionen Euro hat das Unternehmen erhalten, wie Gründerszene am Samstag zuerst berichtete. Auf den ersten Blick ein gutes Ergebnis, doch auf den zweiten Blick sieht man, dass Bitwala dabei offenbar keine neue Investoren gefunden hat. Der bestehende Geldgeber Earlybird führt die Finanzierungsrunde an. In der Regel versucht ein Startup, sich bei einer Finanzierungsrunde auch einen neuen Investor an Bord zu holen, um eine aktuelle Bewertung von einer externen Partei zu bekommen.

In Deutschland ist Bitwala mit einer Bewertung von etwa 64 Millionen Euro einer der führenden Finanz-Krypto-Anbieter. Ein Blick über die Grenzen allerdings zeigt, dass da – auch im deutschsprachigen Raum – sehr viel mehr geht zur Zeit: Die Krypto-App Bitpanda aus Wien hat erst kürzlich eine Finanzierungsrunde über 52 Millionen Dollar abgeschlossen, mit den Top-VCs Hedosophia und Peter Thiels Valar. Die Bewertung soll dabei über 300 Millionen liegen. Auch der Vergleich mit dem Vorbild N26 fällt nicht so richtig schmeichelhaft aus. In der Series B sammelte das Banking-Startup 2016 insgesamt 40 Millionen Dollar ein.

Die Corona-Pandemie dürfte bei Bitwala nicht die entscheidende Rolle spielen, denn der Bitcoin-Kurs ist in den vergangenen Monaten stark gestiegen, gerade am Montag erreichte er ein Allzeit-Hoch. Bitcoin etabliert sich zunehmend als Anlageklasse auch abseits der Krypto-Community. Eigentlich ein optimaler Nährboden für Bitwala, das ein Girokonto anbietet, mit dem sich direkt in Kryptowährungen investieren lässt. Tatsächlich konnte Bitwala die Kundenzahl in diesem Jahr um mehr als 100.000 Kunden steigern – auf insgesamt 150.000.

Es ist umso erstaunlicher, dass Bitwala keine neuen VC präsentieren konnte – und dass die bestehenden bei der Bewertung eher zurückhaltend bleiben. So wird ein Kunde mit etwa 450 Euro bewertet. N26 kommt auf 650 Euro.

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