Neue Kreditgeschäfte: Bertelsmann-Vorstand Carsten Coesfeld startet mit seinem Fintech Riverty eine Bank (Bild: dpa)

Bertelsmann erhält Banklizenz – Fintech-Tochter als Gegenentwurf zu Klarna

Der Medienkonzern Bertelsmann startet mit seiner Fintech-Tochter Riverty eine eigene Bank. Patriarchenenkel und Vorstand Carsten Coesfeld hofft auf einen Wachstumstreiber für das eigene Dienstleistungsgeschäft.

Im Bertelsmann-Reich geht Riverty neben Unternehmen wie dem TV-Sender RTL oder dem Musikunternehmen BMG fast unter – schon der Firmenname ist weitgehend unbekannt. Dabei arbeitet die Fintech-Tochter des Medienkonzerns mit großen Onlineshops wie dem Modehändler Asos oder dem Spielzeughersteller Lego zusammen. Im Hintergrund wickelt Riverty Rechnungs- und Ratenkäufe ab, das sogenannte „Buy now, pay later“-Geschäft. Und das durchaus mit Erfolg: Im Jahresabschluss wird die Firma als Wachstumstreiber für Arvato, das wichtige Dienstleistungsgeschäft von Bertelsmann, herausgestellt.

Nun hat Riverty eine Banklizenz in Luxemburg erhalten, wie das manager magazin von dem Unternehmen erfuhr. Für das Projekt stellt Bertelsmann einen dreistelligen Millionenbetrag als Eigenkapital zur Verfügung, weitere Investments fließen in den Aufbau der Bank. Die Lizenz „markiert ein neues Kapitel für Finanzdienstleistungen bei Bertelsmann und unterstreicht den unternehmerischen Erfolg, den wir beim Aufbau und der Skalierung eines führenden paneuropäischen Fintechs erzielt haben“, lässt sich Carsten Coesfeld (39), Bertelsmann-Vorstand und Enkel des Patriarchen Reinhard Mohn, zitieren. Coesfeld ist auch für Riverty verantwortlich. Innerhalb von zehn Monaten hat die Fintech-Firma die Lizenz erhalten – ein vergleichsweise schneller Prozess.

Riverty stößt in die Lücke von Solaris

Das Unternehmen soll mit der eigenen Lizenz künftig in der Lage sein, unterschiedliche Kreditprodukte einzuführen, wie Riverty-CEO Andreas Barth (50) im Gespräch mit dem manager magazin erklärte. Mit dem Vorstoß wolle das Fintech die „europäische Finanzkompetenz“ stärken.

Bertelsmann betreibt mit der Marke eine Art Gegenentwurf zu dem schwedischen Unternehmen Klarna, das ebenfalls Ratenfinanzierungen nach dem „Buy now, pay later“-Prinzip anbietet und seit vergangenem Jahr in den USA an der Börse notiert ist. Klarna setzt darauf, eine eigenständige Fintech-Marke aufzubauen und Endkunden in die eigene App zu ziehen. Dafür setzt das Unternehmen auf teure Werbepartnerschaften wie mit dem Rapper Snoop Dogg (54) und auf eine eigene Banking-App. Riverty hält sich hingegen mit der Marke im Hintergrund. Der Anbieter wolle „keine Endkundenbank“ werden, sagte Barth.

„Händler können mit ihrem eigenen Label auch eine Kreditkarte anbieten“, so der Riverty-Chef. Er beobachtet dafür eine Nachfrage im Markt. Dieses Kartengeschäft hat in den vergangenen Jahren unter anderem das Berliner Fintech Solaris betrieben, das etwa einen Kreditkartendeal mit dem ADAC geschlossen hatte. Seit die Bank in eine Krise gerutscht ist, hat sie das Geschäft allerdings deutlich zurückgefahren. In diese Lücke könnte nun Riverty stoßen.

Das Dienstleistungsgeschäft ist für Bertelsmann wichtig. Genaue Geschäftszahlen nennt der Konzern für Riverty nicht, der Fintech-Anbieter soll aber 40 Millionen Kundinnen und Kunden zählen. Im Geschäftsbericht heißt es: Riverty trage „zum Umsatz- und Ergebniswachstum der international agierenden Dienstleistungsgruppe bei“. Der Umsatz von Arvato stieg im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro an, der operative Gewinn stieg auf 720 Millionen Euro. Umsatz und Ergebnis von Riverty „wuchsen 2025 erneut“.