Lycamobile-Chef Subaskaran Allirajah ist ein Großspender von britischen Parteien. (Bild: imago images / Parsons Media)

Zwei mögliche Käufer buhlen noch um Wirecard

Exklusiv: Der italienische Payment-Anbieter Sia ist offenbar aus dem Rennen – nach Informationen von Finance Forward verhandeln nur noch die Großbank Santander und der Mobilfunkanbieter Lycamobile über den Kauf von Wirecard-Teilen. Doch gerade Lycamobile hat einen zweifelhaften Ruf.

Viele Nachrichten direkt aus Aschheim gab es in den vergangenen Wochen nicht mehr, es ist fast ruhig geworden um die Wirecard-Zentrale. Hinter verschlossenen Türen sprechen die verbleibenden Kaufinteressenten mit dem Insolvenzverwalter, um Teile des Geschäfts zu kaufen – während die Aufarbeitung des Wirecard-Skandals in vollem Gange ist.

Mit 77 Kaufinteressenten war Insolvenzverwalter Michael Jaffé vor einigen Wochen gestartet, zuletzt verkleinerte sich die Gruppe stark – auf vier Interessenten: der Finanzinvestor Apollo, der italienische Payment-Konzern Sia, die Großbank Santander und der Mobilfunkanbieter Lycamobile.

Nun beginnt der Endspurt: Nach Informationen von Finance Forward befinden sich nur noch Santander und Lycamobile in den Verhandlungen. Die Bank würde damit das Payment-Geschäft hinzukaufen. Sie besitzt vor allem im spanischen Heimatmarkt einen wichtigen Geschäftsbereich für Unternehmenskunden und sei an der Technologie und den Kunden interessiert, heißt es. Santander wollte sich nicht offiziell äußern.

Die Expertise hat Santander schon im Haus

Sollten die Spanier den Zuschlag bekommen, würden sie das Angebot auch in ihre anderen wichtigen Märkte in Lateinamerika bringen wollen, heißt es von Insidern. Das Kalkül: Durch die Online-Zahlungsabwicklung gewinne die Bank zwar ein margenschwaches, aber beständiges Geschäft dazu.

Die Expertise hat Santander bereits im Haus. Mit Chirag Patel hat sich die Bank vor einigen Jahren einen hochrangigen Payment-Manager von Amazon geholt. „Der Zukauf würde einer Bank viel Zeit sparen, weil sie die Kompetenzen nicht erst aufbauen muss, und erfahrene Paymentteams am Markt sehr begehrt sind“, sagt Branchenexperte Marcus Mosen.

Gleichzeitig sei Santander nicht an der deutschen Banklizenz von Wirecard interessiert, heißt es aus dem Unternehmensumfeld. Und aus diesem Grund seien die Preisvorstellungen niedriger als bei Lycamobile. Die Süddeutsche Zeitung berichtete vor einigen Wochen von 100 Millionen Euro als möglichem Preis, den Santander zahlen wolle.

Der britische Telekommunikationsanbieter Lycamobile dürfte mit dem Payment-Geschäft seine eigene Plattform stärken wollen. Hinter dem Unternehmen steht der britisch-sri-lankische Unternehmer Subaskaran Allirajah, 15 Millionen Kunden zählt das Unternehmen nach eigenen Angaben. Es hat sich auf Migranten spezialisiert, die zu günstigen Preisen in ihre Heimatländer telefonieren können. Lycamobile betreibt außerdem verschiedene andere Geschäftsbereiche, wie zum Beispiel eine Flugsuchmaschine. Durch die vielen kleinen Telefonshops hat es bereits den Zugang zu kleinen Händlern. Ein günstiges Zahlungsgeschäft zwischen den Ländern wäre denkbar – ähnlich wie es beispielsweise Transferwise sehr erfolgreich betreibt.

Lycamobile – wegen Geldwäsche in der Kritik

Immer wieder haben Telekommunikationsunternehmen versucht in das Payment-Geschäft vorzustoßen. Auch die Deutsche Telekom versuchte sich an dem Projekt „Mywallet“, allerdings erfolglos. In Kenia ist Safaricom mit dem Bezahlsystem M-Pesa sehr erfolgreich, das Millionen von Menschen zum Bezahlen verwenden – es ist eines der wenigen Erfolgsbeispiele.

Doch speziell Lycamobile produzierte in den vergangenen Jahren regelmäßig Negativschlagzeilen. Die Firma war in den vergangenen Jahren etwa in einen Geldwäscheskandal verwickelt. Französische Ermittler nahmen 19 Mitarbeiter fest, denen vorgeworfen wurde, Geld von kriminellen Organisationen zu waschen.

Die britische Regierung habe bei den Ermittlungen ihre Kooperation verweigert, weil die Firma einer der größten Spender der Konservativen Partei sei, berichtete Buzzfeed 2018. Die Paris-Attentäter sollen Sim-Karten von Lycamobile zur Kommunikation verwendet haben. Und kritisiert werden laxe Standards. Wegen fehlender Steuerzahlungen gab es außerdem Streit mit den britischen Behörden, wie der Guardian Anfang des Jahres berichtete.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin habe bei einem Verkauf das letzte Wort, sagte Insolvenzverwalter Michael Jaffé laut Süddeutscher Zeitung. Es ist fraglich, ob sie einem Verkauf an Lycamobile zustimmen würde. Santander sei eher im Sinne der Finanzaufsicht, zitierte die Tageszeitung aus dem Wirecard-Umfeld. Trotzdem heißt es aus der Belegschaft, das britische Unternehmen habe ein besseres Konzept für die Zukunft vorgelegt.

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