Seinen ersten Talk auf Clubhouse hatte Valentin Stalf mit Finance Forward und OMR (Bild: FFWD/PR)

„Die Kunden wollen Krypto“ – N26-Chef Valentin Stalf im Clubhouse-Talk

Was hält er von Aktien und Kryptowährungen? Und womit will N26 eines Tages sein Geld verdienen? Im sozialen Netzwerk Clubhouse sprach N26-Gründer Valentin Stalf in dieser Woche mit Finance Forward über die Zukunftspläne seines Unternehmens. 

Deutschlands wichtigstes Fintech hat aufregende Wochen hinter sich: Erst benannte N26 einen renommierten neuen Finanzchef mit Börsengang-Erfahrung. Dann verkündete das Startup eine neue Kundenzahl und legte seine Geschäftszahlen offen.

Und CEO Valentin Stalf muss nun zeigen, wie er die hohen Verluste der vergangenen Jahre eindämmen kann und neue Produkte einführt. Vor wenigen Tagen stellte er sich eine Stunde lang den Fragen von Finance Forward auf der gehypten App Clubhouse.

Eine eigene Trading-App von N26

Eines der wichtigsten Themen für N26 ist es, neue Produkte einzuführen. Das Unternehmen plant einen Marktplatz mit vielen weiteren Angeboten, es will eine Art Universalanbieter im Finanzbereich werden. So hat N26 den Handel mit Kryptowährungen angekündigt, den die Gründer am Anfang noch abgelehnt hatten.

Jetzt sei der Markt dafür allerdings reif. „Ich sehe persönlich zwar noch keinen richtigen Use-Case für das tägliche Leben, aber die Kunden wollen es haben“, sagt Stalf. Am heißesten wird derzeit ein Trading-Feature erwartet, das Stalf bereits Ende vergangenen Jahres angekündigt hat. Aktuell sei er in intensiven Gesprächen mit potentiellen Partnern in Berlin und Wien, sagte Stalf auf Clubhouse. „Besonders der aktuell auf Reddit-Foren befeuerte Hype zeigt, dass Trading eine Riesenchance bietet.“

In den vergangenen Jahren hatte Stalf das Ziel ausgerufen, mit N26 eines Tages auf 100 Millionen Kunden zu kommen. 2020 hatte sich das Unternehmen jedoch von seiner Wachstums-Strategie abgewandt und stärker auf neue Produkte und Profitabilität konzentriert.

Verabschiedet habe er sich jedoch nicht von der Idee, mit N26 weltweit eines Tages 100 Millionen Kunden zu bedienen, für ihn sei das eine motivierende Vision, die ihn und sein Unternehmen antreibe. „Wenn wir in den kommenden Jahren 20 Millionen in Europa und dann noch welche in den USA und Brasilien erreichen, ist das ein Riesenerfolg“, sagt er. Bei mehreren Hunderten Millionen Bankkunden in Europa sei N26 mit sieben Millionen noch ein Nischenanbieter. „Da müssen wir keine Angst haben, nicht mehr wachsen zu können.“

Taxis über die Banking-App bestellen?

Konkurrenz um diese Kunden bekommt N26 besonders von der Smartphone-Bank Revolut, die inzwischen 13 Millionen Kunden zählt. Dem will Stalf allerdings nicht viel Beachtung schenken. „Eine direkte Konkurrenz sehe ich da nicht“, sagt er. „In den Märkten, in denen wir aktiv sind, gibt es jeweils immer ein bis zwei lokale Fintech-Player.“ Da Revolut Großbritannien und Osteuropa bediene, während N26 in Zentraleuropa unterwegs sei, kämen sie sich kaum in die Quere.

Die Frage sei eher: „Wie kommen wir an die 300 Millionen Kunden traditioneller Banken in Europa?“ Der Bedarf für ein Bankkonto ginge nicht weg, die würden auch in zehn Jahren noch gebraucht werden. „Ob man mit Klarna, Mastercard oder so zahlt, man braucht immer ein Konto dahinter. Und das Konto braucht eine starke Marke und Vertrauen – das wollen wir bieten.“

Parallel zum Wachstum schaut N26 auch verstärkt darauf, mit seinen Kunden Geld zu verdienen. 2019 nahm es pro ertragsrelevanten Kunden laut Geschäftsbericht etwa 60 Euro ein – ein Wert, den das Fintech noch ausbauen möchte. Wenn noch weitere Produkte über den geplanten Marktplatz hinzukommen, sei auch deutlich mehr denkbar.

„Vielleicht kann man auch irgendwann sein Taxi über die N26-App bestellen“, sagt Stalf. Derartige Ideen bringen tatsächlich ein großes Umsatzpotential mit sich. Das zeigt etwa die russische Digitalbank Tinkoff, die seit Jahren profitabel arbeitet. Über die App lassen sich Veranstaltungs – oder Kinotickets buchen und eben Taxis bestellen. „Das Schöne daran ist: Die Kostenbasis pro Kunde bleibt stabil, es wird für uns nicht teurer, mehr Kunden zu bedienen“, so Stalf. „Gleichzeitig können wir mit den Kunden aber immer mehr Geld verdienen.“

Noch eine Finanzierungsrunde, dann der Börsengang?

N26 wird erwachsen, und die Geschäftsführung muss über neue Themen nachdenken. Spätestens seit der Berufung von Ex-Zalando-Manager Jan Kemper als neuer Finanzchef ist klar: Ein Börsengang ist in Sicht. Allzu schnell dürfe man den jedoch nicht erwarten, mahnt Stalf. „Das hängt davon ab, wie sich N26 in diesem Jahr entwickelt“, sagt er. „Es gibt noch viele Wachstumsmöglichkeiten, die wir ausschöpfen müssen, bevor wir uns an der Börse von Anlegern bewerten lassen.“

Nicht nur der Listingpreis sei relevant, sondern auch das Geschäft in den Folgejahren. Vorher sei eher noch eine Finanzierungsrunde denkbar. „Wir haben uns von der Strategie verabschiedet, zu einem bestimmten Zeitpunkt eine große Runde zu raisen, wir machen das stärker opportunistisch und sind fortlaufend mit Investoren in Kontakt”. Dass das brasilianische Fintech Nubank kürzlich zu einer 25-Milliarden-Bewertung Geld einsammeln konnte, habe gezeigt, dass der Markt noch viel Potenzial habe.

Spätestens zum Börsengang stellt sich eine sehr persönliche Frage für ihn: Sind er und sein Mitgründer Maximilian Tayenthal auch die richtigen, um ein börsennotiertes Unternehmen zu leiten – oder wäre das ein guter Zeitpunkt, um abzutreten? Er hinterfrage sich jedes Jahr neu, sagt Stalf. „Biete ich der Firma noch einen Mehrwert? Kenne ich mich in den Themen noch aus, die ich mache?“ Seine Vorbilder seien da die Zalando-Gründer und aktuell könne er die Frage auf jeden Fall mit „Ja“ beantworten.

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