Der frühere Finiata-CEO Jan Enno Einfeld. (Bild: Raimar von Wienskowski)

Neues „Buy now, pay later“-Fintech Tilta folgt dem Hype

Exklusiv: Der neue Geldgeber 10x Founders steigt bei dem gerade erst gegründeten Startup des ehemaligen Finiata-Chefs Jan Enno Einfeld ein. Es ist die nächste Wette auf den „Buy now, pay later“-Markt für Geschäftskunden.

Eigentlich befand sich Finiata auf der Suche nach neuem Geld. Das Factoring-Startup, einst vom umstrittenen Gründer Sebastian Diemer gestartet, hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich und agierte zuletzt als Kreditplattform für kleine und mittlere Unternehmen – hauptsächlich in Polen. „Wir wollten das Geschäftsmodell stärker drehen, doch die Investoren haben das als zwei unterschiedliche Firmen gesehen“, sagt der bisherige CEO Jan Enno Einfeld. Genau wie der Konkurrent Billie plante Einfeld, ein sogenanntes „Buy now, pay later“ für Unternehmenskunden einzuführen – dadurch erhalten die Unternehmen im Online-Handel flexible Zahlungsoptionen, im Hintergrund läuft ein Factoring. Das heißt das Startup kauft die Forderung ab.

Der bisherige Investor Manta Ray, hinter dem der polnische Milliardär Sebastian Kulczyk steckt, übernahm Finiata Mitte April, wie Deutsche Startups zuerst berichtete. Es floß ein nicht genannter Preis, viel Geld dürfte es nicht gewesen sein. Einfeld will die Summe nicht kommentieren, Finiata arbeite allerdings profitabel, heißt es. Die ehemalige Führung Einfeld, Ingmar Stupp und Christoph Nicola haben nun unter dem Namen Tilta ein eigenes Startup gegründet, wie Finanz-Szene entdeckt hatte. Damit will Einfeld seinen „Buy now, pay later“-Plan umsetzen. Es ist eines der größten Hype-Segmente der vergangenen Monate: Allein in Deutschland konkurrieren die Anbieter wie Billie, Topi und Mondu um den neuen Markt.

Konkurrent erhält 50 Millionen Dollar vor dem Start

Die Investoren reißen sich zurzeit um das Thema. Auch bei Tilta sind schon kurz nach Gründung bekannte Geldgeber eingestiegen. Angeführt hat das Funding der neue Wagniskapital-Fonds „10x Founders“. Der 160 Millionen Euro schwere Fonds wurde von Seriengründern wie dem Idnow-Macher Felix Haas aufgelegt. Nach dem Investment in das Steuer-Startup Accountable ist Tilta eine der ersten Wetten von 10x Founders, auch der Solarisbank-Gründer Marko Wenthin hat sich beteiligt. Bei dem Wandeldarlehen dürfte es sich um eine einstellige Millionen-Summe handeln.

Wie heiß das Segment ist, illustrierte auch das Beispiel Mondu, das von Malte Huffmann und Philipp Povel gestartet wurde. Für Rocket Internet bauten sie einst den Zalando-Klon Dafiti in Südamerika auf. Im vergangenen Jahr starteten sie, wie Finance Forward damals enthüllte – und sammelten gleich kurz nach Gründung 14 Millionen Dollar ein. Nun hat Peter Thiels Valar Ventures eine 40-Millionen-Dollar-Runde angeführt. Eine große Summe für ein Unternehmen, das gerade erst startet. Das Funding ist zwar noch nicht offiziell, aber aus dem Umfeld des Unternehmens wird der Deal bestätigt. Deutsche Startups hatte zuerst darüber berichtet. Trotz einem generell etwas abgekühlten Finanzierungs-Klima zurzeit fließt das Geld weiter in das Segment.

Der große Kampf geht los

Im Konkurrenzkampf der „Buy now, pay later“-Angebote für Unternehmenskunden will Einfeld mit seinem Verständnis der Branche punkten. „Bei unserem Produkt erhält jedes Unternehmen eine Funding-Linie und kann dann immer wieder einkaufen, bis das Limit erreicht ist“, sagt der Tilta-Gründer. Das Unternehmen tritt dabei als White-Label-Anbieter komplett in den Hintergrund.

Das Segment steht nun vor seiner Bewährungsprobe: Das starke Wachstum der „Buy now, pay later“ für Endkunden, das Klarna, Affirm und andere vorantreiben, dürfte in den kommenden Monaten eher abkühlen, da der ganze Online-Handel zuletzt nicht mehr so stark wie zu Hochzeiten der Coronakrise gewachsen ist. Im Bereich für Geschäftskunden müssen sich die einzelnen Player nun erst einmal etablieren – und arbeiten dabei an Partnerschaften mit großen Online-Händlern.

Einfeld habe bereits erste Partner gewonnen und verfüge über einen zweistelligen Millionen-Betrag zur Finanzierung. Wie schon im Kampf um den Factoring-Markt vor einigen Jahren beginnt nun die heiße Phase.

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