Gründer Martin Kreitmair führt ein Team von 17 Mitarbeitern. (Bild: PR)

Startup Tangany erhält Kryptolizenz – Unmut in der Branche über Vergabeprozess

Exklusiv: Rund ein Jahr nach der Antragstellung erhält das Münchner Fintech Tangany seine Kryptoverwahrlizenz. Mit dem Prüfsiegel soll sich nun das Wachstum in der Bankenbranche beschleunigen.

Die Nachricht verursachte bei den einen Euphorie. Ende Juni erhielt die US-Kryptobörse Coinbase eine Lizenz der deutschen Finanzaufsicht Bafin. Medien überall auf der Welt berichteten, der Aktienkurs stieg. Als erster Anbieter hatte Coinbase in Deutschland eine sogenannte Kryptoverwahrlizenz bekommen. Ein Prüfsiegel für die Krypto-App, um weiter in den Massenmarkt zu drängen.

Bei anderen sorgte die Nachricht hingegen für Kopfschütteln. Wettbewerber stellten die Frage, warum ausgerechnet der US-amerikanische Riesen-Player zuerst zum Zuge kam. Drei FDP-Abgeordnete stellten sogar eine „Kleine Anfrage“ an die Bundesregierung, um zu klären, ob Coinbase bei dem Antrag bevorzugt wurde. „Gerade, wenn einige Unternehmen die Erlaubnis bekommen, während andere Monate darauf warten, drohen unfaire Wettbewerbsverzerrungen durch den Staat“, sagte der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler gegenüber dem Branchenportal BTC Echo.

Drei Monate später ist nun die dritte Erlaubnis der Bafin erteilt worden. Nach Coinbase und Bloxxon, das mittlerweile zur Privatbank Hauck & Aufhäuser gehört, erhält mit Tangany ein erstes eigenständiges deutsches Startup eine entsprechende Lizenz – und erhofft sich dadurch einen Wachstumsschub.

„Der Austausch mit der Bafin war auf einem hohen Niveau, das hatten wir nicht erwartet“

Der Münchner Startup bietet eine Kryptoverwahrung für mittlerweile rund 30 Partner an, darunter zum Beispiel die Crowdinvesting-Plattform Exporo, Tokenstreet oder Banken, deren Namen Tangany nicht nennen darf. Mit dem Robo-Advisor Quirion arbeitet es etwa für Immobilien-Anlagen zusammen, wie auf der Quirion-Website zu finden ist. Kryptoanlagen im Wert von rund 400 Millionen Euro verwahrt Tangany nach eigenen Angaben bereits. Seit einigen Monaten arbeitet das Unternehmen profitabel.

Doch das Go der Bafin ist wichtig, um in der traditionellen Finanzwelt Vertrauen zu schaffen. „Die Lizenz hilft uns nun gerade in den Verhandlungen mit Bankpartnern“, sagt Gründer Martin Kreitmair. Bislang gab es nur eine vorläufige Lizenz. Am 31. Juli 2020 hatte das Fintech den Antrag bei der Bafin eingereicht, die Dokumente dazu umfassten am Ende 700 Seiten, zum Beispiel zu Fragen der Geldwäsche und Risikokontrollen. „Der Austausch mit der Bafin war auf einem hohen Niveau, das hatten wir nicht erwartet“, sagt der Tangany-CEO. „Aber es hat uns natürlich geärgert, dass mit Coinbase ein US-Unternehmen die erste Lizenz erhalten hat.“ Es ist die Kritik, die auch die FDP-Politiker aufgegriffen haben.

24 Lizenzen stehen noch aus

Das Finanzministerium, dem die Bafin untersteht, widerspricht in der Antwort auf die „Kleine Anfrage“ der Bevorzugung. Es arbeite die Anträge grundsätzlich chronologisch ab. Coinbase habe als „einer der ersten“ den Antrag eingereicht. „Aus jedem Erlaubnisantrag können sich allerdings verschiedene regulatorische Detailfragen ergeben, welche einen unterschiedlich hohen Prüfaufwand nach sich ziehen“, heißt es weiter. Die Behörde lässt sich nicht in die Karten schauen.

24 Anträge stehen derzeit noch aus. Für die Branche sind die Lizenzen einer Finanzaufsicht wichtig, um künftig auch Gelder von traditionellen Finanzplayern einzusammeln und Partnerschaften einzugehen. Tangany hat bereits eine neue Lizenz beantragt, den sogenannten Kryptowertpapierregisterführer, und besitzt eine vorläufige Erlaubnis – damit kann das Startup künftig Krypto-Wertpapiere herausgeben.

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