Über den Erfinder von SushiSwap ist lediglich das Pseudonym Chef Nomi bekannt (Bild: Aaron Lee/Unsplash)

SushiSwap – Millionen-Scam bei DeFi-Hoffnung?

Als am Wochenende der Entwickler einer boomenden DeFi-Plattform plötzlich all seine Token verkaufte, sprachen viele von einem Exit-Scam. Der frischgebackene Multimillionär beteuert jedoch, weiterhin an SushiSwap zu glauben.

Am Samstag liefen die Twitter- und Reddit-Accounts der Krypto-Community heiß. Auf den ersten Blick sah alles nach einem Exit-Scam wie während des ICO-Booms von 2017 aus: Der Entwickler der aufstrebenden Krypto-Börse SushiSwap hatte auf einen Schlag all seine Token veräußert und war damit um etwa 13 Millionen Dollar reicher geworden. Die Token des SushiSwap-Projekts, das erst zehn Tage zuvor live gegangen war, verloren in der Folge 88 Prozent ihres Werts.

Es war ein Alarmsignal für die Kryptowelt, zumal nicht einmal die Identität des SushiSwap-Erfinders bekannt ist. Er nennt sich Chef Nomi, nach einem Charakter aus den Computerspielen World of Warcraft und Hearthstone.

Chef Nomi verhielt sich in der Folge jedoch nicht wie ein typischer Krypto-Krimineller: Er tauchte nicht unter, sondern beteuerte auf Twitter, dass er weiterhin an die Krypto-Börse glaube. Am Sonntag überschrieb er die Kontrolle über SushiSwap an einen anderen CEO.

Von der großen Hoffnung zum Scam-Verdacht in wenigen Tagen

SushiSwap wurde sehr schnell sehr beliebt. Die Börse basiert wie fast alle DeFi-Projekte auf der Ethereum-Blockchain und ist als Abkopplung der bereits erfolgreichen Börse UniSwap entstanden. Auf den Plattformen können Nutzer die Kryptowährung ETH gegen Token auf der Ethereum-Blockchain tauschen, also etwa EOS, Tronix, VeChain oder BNB.

Kritiker bemängeln, ShushiSwap sei nicht mehr als eine dreiste Kopie von UniSwap. Immerhin hat SushiSwap aber ein Belohnungssystem integriert – und im Gegensatz zu UniSwap ist SushiSwap auch nicht von bekannten Wagniskapitalgebern finanziert, sondern von seiner eigenen Community. Diese Abkehr von traditionellen Finanzierungsmethoden ist in der Krypto-Community beliebt. Immerhin steht DeFi für ‚Decentralized Finance‘.

Es entstand ein großer Hype um das Projekt – ähnlich wie bei vielen anderen Projekten im DeFi-Boom 2020. Zeitweise waren neun Milliarden Dollar auf DeFi-Applications hinterlegt, im vergangenen Jahr waren es lediglich zwei Milliarden. Das Gesamtvolumen auf SushiSwap überstieg in der ersten Woche bereits 1,3 Milliarden Dollar. Der Preis der Token schoss zwischenzeitlich auf elf US-Dollar.

Doch dann verkaufte Chef Nomi seine eigenen Token. Der Schritt erinnerte an die vielen Scam-ICOs von 2017: Große Versprechen brachten Menschen dazu, ihr Geld in wertlose Projekte zu stecken – und kurze Zeit später tauchten die Macher unter. Das passierte im Krypto-Boom gleich dutzende Male. Einen der bekanntesten Scams führte die „Krypto-Queen“ Ruja Ignatova mit OneCoin durch. Anstatt wie versprochen die weitverbreitetste Kryptowährung weltweit aufzubauen, sollen die Bulgarin und ihre Mitstreiter mit mehr als 3,3 Milliarden Euro durchgebrannt sein. Die Betrugsserie war mit einer der Gründe dafür, dass sich viele Marktteilnehmer enttäuscht abwandten – und auf das Boomjahr 2017 eine Art „Krypto-Winter“ folgte.

Viele Beobachter treibt daher die Sorge um: Könnte dem DeFi-Boom das gleiche Schicksal drohen? Das Verhalten des SushiSwap-Gründers schien ihre Befürchtungen zu bestätigen.

Hat SushiSwap noch eine Zukunft?

Doch Chef Nomi ist offenbar anders als die ICO-Scammer vor ihm. Auch nach harten Anfeindungen twitterte er am Wochenende munter weiter. „Ich habe das gemacht, weil mir die Community am Herzen liegt“, schrieb er. „Die Leute fragen, ob es ein Exit-Scam ist. Ist es nicht. Ich bin immer noch hier.“ Bei den ICO-Scams standen die Betrogenen am Ende mit wertlosen Token da – Chef Nomi gibt an, lediglich seinen Anteil eingetauscht zu haben, das Projekt könne normal weiterlaufen. Dann wäre es ein legitimer Verkauf der eigenen Token, kein Scam.

Die Hoffnung gibt es tatsächlich. Denn am Samstag schaltete sich ein weiterer Beteiligter ein: Sam Bankman-Fried, der Gründer der Derivatenbörse FTX und einer der wichtigsten Geldgeber von SushiSwap. Er schrieb zunächst klar heraus: „Chef Nomi nervt.“ Dann forderte er den Erfinder auf, die Kontrolle über SushiSwap abzugeben. Nur so könne das Projekt den Rückschlag verkraften, argumentierte Bankman-Fried.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag willigte Chef Nomi schließlich ein und übertrug seine Schlüssel an Bankman-Fried. Nun hat SushiSwap jemanden an der Spitze, der an der Weiterentwicklung des Projekts ein Interesse hat.

Im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Forbes formulierte er direkt den Plan, die Plattform fertigzustellen und dann den Zugang abzugeben, um eine dezentrale Struktur garantieren zu können. Ob daraus jemals mehr als ein Hypeprodukt werden kann, muss SushiSwap noch zeigen – wie so viele andere DeFi-Projekte, die bislang viel Wirbel verursacht, aber wenig Substanz gezeigt haben.

Es gibt jedoch auch gute Gründe, die gegen einen Erfolg von SushiSwap sprechen: Im Gegensatz zu anderen Krypto- und DeFi-Projekten hat SushiSwap noch keine richtige Community aufgebaut, ist einfach noch zu jung. Und wenn der Gründer von Bord geht, selbst wenn er kein Exit-Scammer ist, gehen eben häufig auch Vision und Führung verloren.

Ein ermutigendes Zeichen: Nachdem der Entwickler die Kontrolle am Sonntag abgegeben hatte, stieg der Wert der Token innerhalb weniger Stunden wieder: von 1,12 auf zwischenzeitlich 3,38 Dollar.

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