Mehr als 2600 Mitarbeiter beschäftigt Sumup (Bild: PR).

387 Millionen Euro – Sumup macht mehr Umsatz als Revolut & Co.

Exklusiv: Eines der größten Geheimnisse der deutschen Fintech-Szene ist gelüftet: Das Payment-Fintech Sumup hat Geschäftszahlen veröffentlicht. Es zeigt sich, die hohen Umsätze sind trotz Corona gewachsen. Wie ist das gelungen?

Lange Zeit lautete die Standardantwort von Sumup-Gründer Marc-Alexander Christ auf Fragen zum Umsatz: Seine Firma erziele „mehr als 200 Millionen Euro“, auch im Podcast aus dem Frühjahr 2020 ließ sich der Unternehmenschef nicht mehr Details entlocken. Als die Coronakrise ausbrach, war schnell klar, dass es Sumup treffen würde. Denn das Payment-Unternehmen vertreibt kleine Bezahlterminals an Läden und Restaurants, die während der Lockdowns schließen mussten. Auch die Entlassungen vor einigen Wochen deuteten darauf hin.

Doch die nun erstmals veröffentlichten Geschäftszahlen zeichnen ein anderes Bild. So setzte der Zahlungsabwickler 2020 387 Millionen Euro („Gross revenue“) um, wie aus dem von Finanz-Szene und Finance Forward im luxemburgischen Handelsregister entdeckten Konzernabschluss hervorgeht.

Da Sumup praktisch zeitgleich auch seine Abschlüsse für die beiden Vorjahre veröffentlichte, lässt sich weiterhin erkennen: Die 2020er-Erlöse lagen trotz Corona-Krise um zehn Prozent über denen des Vorjahres. Das ist deswegen bemerkenswert, weil die Mini-Terminals, auf denen Sumups Geschäftsmodell gründet, stark im Gastgewerbe zum Einsatz kommen – also etwa in Restaurants oder Hotellerie, die besonders unter den Corona-Lockdowns gelitten haben. Ausweislich der von Ernst & Young testierten Zahlen ist es Sumup also offenbar gelungen, die entsprechenden Einbußen anderweitig überzukompensieren.

Sumup kann es mit den größten europäischen Fintechs aufnehmen

Die Zahlen zeigen, dass Sumup es – jedenfalls gemessen an den ausgewiesenen Umsätzen – mit einigen der größten europäischen Fintechs aufnehmen kann:

– Die britische Neobank Revolut beispielsweise, die bei ihrer aktuellen Finanzierungsrunde angeblich eine Bewertung von 25 Milliarden Euro anstrebt, kam 2020 gerade mal auf Erträge (auch auf „Gross revenue“-Basis) in Höhe von 222 Millionen Euro.

– Auch das auf Auslands-Überweisungen spezialisierte britische Fintech Wise (ehemals: Transferwise), das im Zuge seines IPOs diese Woche auf einen Börsenwert von zehn Milliarden Euro kommt, lag bei den 2020er-Erträgen (allerdings endete das Geschäftsjahr früher) mit umgerechnet 330 Millionen Euro ein gutes Stück hinter Sumup.

– Deutlich vor Sumup liegen lediglich andere Payment-Anbieter wie Adyen oder Klarna mit jeweils zehnstelligen Umsätzen. Die sind allerdings (Adyen: 2006; Klarna: 2005) auch beide deutlich älter als Sumup (gegründet 2012).

– Vom Geschäftsmodell am ehesten vergleichbar sind die Schweden von iZettle, die sich allerdings 2018 an den US-Giganten Paypal verkauft hatten und seitdem keine gesonderten Zahlen mehr ausweisen. Damals (genauer: im Mai 2018) hatte es geheißen, iZettle strebe fürs Gesamtjahr einen Umsatz von 165 Millionen Dollar an (damals umgerechnet 140 Millionen Euro) an. Selbst wenn iZettle dieses Ziel erreicht hätte, wäre Sumup (Umsatz in 2018, wie man jetzt weiß: 175 Millionen Euro) damals voraus gewesen.

Bei den Gebühren stiegen die Umsätze um rund zehn Prozent

Sumup bietet mit seinen mobilen Endgeräten Zahlungsabwicklung für Kredit- und EC-Kartenzahlungen an. Zielgruppe sind in erster Linie kleinere, stationäre Händler sowie Restaurants und Cafés. Die Umsatzerlöse gliedern sich auf in Gebühren für die Zahlungsabwicklung und Erlöse für den Verkauf der mobilen Endgeräte. Bei den Gebühren für die Zahlungsabwicklung konnte Sumup die Erträge in 2020 um gut zehn Prozent auf 332 Millionen Euro steigern (Vorjahr 298 Millionen Euro). Beim Verkauf der Endgeräte kam allerdings nur noch ein sehr kleines Plus von vier Prozent auf 54,6 Millionen Euro zusammen (Vorjahr 52,4 Millionen Euro).

Die zusätzlichen Gebühren aus der Zahlungsabwicklung mussten nicht durch verringerte Gebührensätze erkauft werden. Sumup konnte die Rohmarge aus der Zahlungsabwicklung sogar leicht von 56 Prozent auf 57 Prozent steigern. In Summe erwirtschaftete Sumup eine Rohmarge („Net revenue“) von 190 Millionen Euro. Wie bereits in den Vorjahren wurde diese Marge allerdings durch den Verlust bringenden Verkauf der Endgeräte (-51 Millionen Euro) erheblich gemindert, sodass in Summe ein Rohertrag von 139 Millionen Euro (Vorjahr 119 Millionen Euro) zu Buche stand.

Da die zusätzlichen Kosten der weiteren Geschäftsexpansion unvermindert anhielten (die Personalkosten lagen mit 75 Millionen Euro 50 Prozent über dem Vorjahr, die übrigen Kosten beliefen sich auf 140 Millionen Euro) erzielte Sumup ein negatives Ebit von 84 Millionen Euro, gegenüber 58 Millionen Euro im Vorjahr. Sprich: Das in Berlin gegründete, aber mittlerweile schwerpunktmäßig von London aus agierende Fintech erkauft sein Umsatzwachstum vorerst weiterhin mit Verlusten.

Weitere Details zum Geschäftsbericht lest ihr bei Finanz-Szene.

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